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"Weitgehend ohne Persönlichkeiten" - Kretzschmar sorgt sich um deutschen Handball

"Weitgehend ohne Persönlichkeiten" - Kretzschmar sorgt sich um deutschen Handball

Die deutschen Handballer haben ihre Anhänger zuletzt sehr enttäuscht. In der EM-Qualifikation folgten der Heim-Niederlage gegen Montenegro (27:31) ein 30:27-Zittersieg in Israel.

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DHfK-Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar.

Quelle: dpa

Leipzig. Der einstige Weltklasse-Linksaußen und jetzige TV-Experte Stefan Kretzschmar (39) sieht vor allem Defizite in der Einstellung der Spieler.

Frage:

Wie groß sind die Sorgen, die Sie sich nach den letzten beiden Auftritten um die Nationalmannschaft machen?

Stefan Kretzschmar:

Natürlich hat sich der europäische Handball weiterentwickelt, Mannschaften wie Montenegro haben große Fortschritte gemacht. Aber was ihnen auf der deutschen Seite gegenübersteht, darf gar keine Diskussion aufkommen lassen, dass dieses Spiel verloren gehen könnte. Da bedarf es schon eines rabenschwarzen Tages und einer Einstellung, die einfach nicht ausreicht.

Was ist da falsch gelaufen?

Wenn sich eine Mannschaft der Wichtigkeit eines solchen Qualifikationsspiels bewusst ist und dann den Kampf nicht annimmt, dann ist das auch eine Sache, die vorgelebt wird. Damit meine ich, dass auf der Trainerebene die Sache vielleicht nicht ausreichend erklärt wurde. Es darf aber nicht nur eine Trainerkritik geben. Unsere Spieler haben von Hause aus genügend Qualität. Aber in der Vorbereitung auf dieses Spiel sind Fehler gemacht worden, weil es nicht den Anschein gab, dass die Spieler für ihren Verband und für ihr Land durchs Feuer gehen.

Ist Martin Heuberger der richtige Bundestrainer, um solche Eigenschaften von den Spielern abzurufen?

Martin Heuberger ist ein sehr, sehr guter Handball-Fachmann. Unter seiner Leitung hat die Mannschaft zuletzt bei der EM in Serbien eine gute Leistung ­gezeigt und hätte mit ein bisschen Glück das Halbfinale erreichen können. Aber die Mannschaft ist weitgehend ohne ­Persönlichkeiten unterwegs, sie ist noch in der Entwicklung und braucht in dieser Phase einen dominanten Trainer. Er kann nicht der Kumpel der Spieler sein. Es ist eine Führung wichtig, die dieser Mannschaft klar ihre Grenzen aufzeigt.

Ist Heuberger eine solche Führungsfigur?

Das ist Martin von seiner Natur aus überhaupt nicht. Er ist eher der Handball-Stratege und Handball-Denker. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ihm einige der Jungs auf der Nase herumtanzen, sein Vertrauen nicht rechtfertigen und sich der Wichtigkeit der Nationalmannschaft überhaupt nicht bewusst sind. Das Thema Nationalmannschaft ist kein Spaßprojekt. Du repräsentierst den größten Handball-Verband der Welt, spielst für die vielen deutschen Fans und hast den Adler auf der Brust. Ich bin mir nicht sicher, ob sich alle Spieler dessen bewusst sind. Man hört sie aber häufig schimpfen, dass der Verband hier und dort nicht das Optimale heraushole. Wir sind gerade auf der Suche nach neuen Sponsoren für die deutsche Nationalmannschaft, da sind solche Ergebnisse und Auftritte wie zuletzt mehr als kontraproduktiv. Ich sage in solchen Gesprächen immer, wir können im Januar bei der WM in Spanien um die Medaillen mitspielen. Und dann lesen diese Gesprächspartner nach solchen Auftritten: Der deutsche Handball ist nur noch Mittelmaß.

Ist dieser Eindruck denn grundlegend falsch?

Na ja. Wichtig ist zu klären, warum es so weit gekommen ist. In den letzten 15 Jahren hat keine Mannschaft einen Titel gewonnen, die in der Achse Torhüter, Rückraummitte und Kreismitte keine Weltklassespieler hatte. Wir wären zum Beispiel 2007 ohne Christian Schwarzer am Kreis nie Weltmeister geworden. Als er in die Mannschaft zurückkam, kam auch ein anderer Geist. Manchmal verändern Individualisten eine ganzes Team, sie geben auch allen anderen mehr Selbstvertrauen. Einen solchen Spieler haben wir nicht.

Sind Schwarzers Nachfolger zu schnell zufrieden?

Bei einigen unserer jetzigen Spieler habe ich das Gefühl, dass sie sich verstecken und sich nicht so ärgern. In der Bundesliga sind sie oft überragend. Linksaußen Uwe Gensheimer zum Beispiel. Aber er muss auch den nächsten Schritt machen, eine Führungsrolle beanspruchen und vertreten. Mich stört dieses Schönreden nach dem Motto: Das war ein Ausrutscher, das kommt bestimmt nicht wieder vor. Jeder einzelne muss sich damit auseinandersetzen, was zuletzt geschehen ist. Sonst geht es so weiter. Ob Heuberger in der Lage ist, auf den Tisch zu hauen und an die Ehre der Spieler zu appellieren, das weiß ich nicht.

Wäre Schwarzer der bessere Bundestrainer?

Er hat auf jeden Fall das Zeug dazu, Co-Trainer zu sein und seine Einstellung auf die Spieler rüberzubringen.

Interview: Winfried Wächter

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