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Wolfgang Altmann drückt Lok die Daumen

Wolfgang Altmann drückt Lok die Daumen

Wolfgang Altmann brachte es mit dem 1. FC Lok zwischen 1971 und 1987 auf stattliche 43 Europa-Cup-Spiele. 325 Mal lief er in der DDR-Oberliga auf, machte für die Blau-Gelben 57 Pokalspiele und erzielte für die Probstheidaer insgesamt 53 Tore - 36 in Punkt-, 16 in Pokal- und eins in EC-Spielen.

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Quelle: FM

Seit wenigen Monaten ist der "Alte" in der passiven Phase des Vorruhestandes, nachdem er die vergangenen Jahre als Sachbearbeiter im Innendienst tätig war. Nun hatte er Zeit für ein Gespräch.

Frage: Wolfgang, wie geht es einem 60-jährigen Vorruheständler, der so lange gekickt hat und noch immer sportlich-drahtig aussieht wie ehedem?

Wolfgang Altmann: Gut, aber ich muss mich wieder mehr bewegen.

Ihnen fehlt der Fußball?

Ich werde mich auf jeden Fall sportlich wieder mehr betätigen, nach Möglichkeit mit Fußball.

Wo und mit wem?

Das ist noch offen.

Zurück zu den Anfängen Ihrer Laufbahn: Sie begannen 1959 bei Turbine Markranstädt, kamen 1969 zu Chemie Leipzig und 1971 zum 1. FC Lok. Waren diese Schritte auch aus heutiger Sicht der richtige Weg?

Auf jeden Fall, auch wenn mich mein damaliger Chemie-Juniorentrainer Kurt Neustadt überreden wollte, dass ich in der DDR-Junioren-Auswahl (14 Spiele/Anm. F. M.) nicht so gut spiele, damit die Auswahltrainer kein Interesse mehr an mir haben. Aber ich war zu sehr Sportler, zu ehrgeizig, um so etwas zu machen.

Sie haben bei Lok mit vielen guten Spielern zusammengespielt, standen von 1971 bis 1987 mit nur kurzer Unterbrechung im Stammaufgebot der Probstheidaer. Welche war die beste Mannschaft dieser Ära?

Ich habe praktisch zwei Generationen mitgemacht. Das Team von 1973/74, als wir im Uefa-Cup bis ins Halbfinale kamen, war sehr gut, ebenso wie die Truppe, mit der wir es 1986/87 ins EC-Finale der Pokalsieger schafften, die vielleicht insgesamt noch stärker besetzt war. In beiden Teams standen ja etliche starke Akteure und Nationalspieler, wie zum Beispiel Henning Frenzel, Wolfram Löwe, Manfred Geisler, René Müller, Frank Baum, Uwe Zötzsche, Matthias Liebers, Ronald Kreer, Dieter Kühn, Hans Richter. Ich könnte noch mehr aufzählen -

Wie kam es, dass Sie 1978 mit 26 Jahren, also im besten Fußballer-Alter, gemeinsam mit vier anderen Stammspielern zur Armee eingezogen wurden? Das war doch sehr ungewöhnlich für Oberliga-Spieler eines DDR-Clubs.

In dieser Saison wurde der im Nachwuchsbereich sehr erfolgreiche Heinz Joerk unser Trainer. Er wollte offenbar vorwiegend mit sehr jungen Akteuren arbeiten. Er war es wohl, der uns quasi preisgegeben hat, wenngleich er das sicher nicht allein veranlassen konnte. Außer mir waren Roland Hammer, Andreas Bornschein und Lutz Moldt betroffen. Auslöser dafür war möglicherweise unser klares Ausscheiden aus dem Europa-Pokal mit 0:3- und 1:4-Niederlagen gegen Arsenal London. Wir wurden so etwas wie Bauernopfer. Joerk wurde am Ende der Saison übrigens wieder abgelöst.

Gemeinsam mit Roland Hammer hatten Sie es letztlich gar nicht so schlecht erwischt, verbrachten die anderthalb Jahre bei der Renommiertruppe der Luftstreitkräfte in Kamenz -

Ja wir konnten dort, wenn auch nur für den normalen Soldatensold, Fußball spielen, stiegen mit Vorwärts Kamenz in die DDR-Liga auf und wurden in dieser immerhin zweithöchsten Liga gleich Zweiter hinter Energie Cottbus.

Obwohl Sie die Führung von Lok so schäbig behandelt hatte, gingen Sie danach wieder nach Probstheida, während es beispielsweise Hammer nach Böhlen zog. Wieso das?

Der Nachfolger von Joerk, Harro Miller, wollte mich. Zu Joerk wäre ich nicht zurückgegangen.

Ihr schönstes Erlebnis mit Lok, kam das dann erst noch?

Naja, die Pokalsiege waren alle schön, aber besonders der 5:1-Finalsieg gegen Union Berlin im Jahr 1986. Und dann natürlich unser unvergesslicher Finaleinzug im Europapokal durch den Halbfinalerfolg gegen Girondins Bordeaux im Frühjahr 1987.

Wer waren für Sie die besten Leipziger Fußballer während Ihrer Ära?

Da sortiere ich nach Mannschaftsteilen: im Tor René Müller, in der Abwehr Manfred Walter zu seiner Zeit, Henning Frenzel nenne ich mal als Mittelfeldmann, obwohl er mindestens so viel auch Stürmer war, und im Angriff Wolfram Löwe.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage des 1. FC Lok?

Der FCL hat es schwierig durch die Finanzprobleme. Das bedaure ich, mir wäre es lieber, da ginge mehr. Mal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.Ich drücke die Daumen, dass es gut ausgeht und auch die internen Diskrepanzen aus dem Weg geräumt werden.

Und wie sehen Sie den Leipziger Fußball heute insgesamt?

Ich finde es schlimm, dass es in Leutzsch zwei Vereine gibt und sich die Fans dort im Kunze-Sportpark bekriegen. Es zeigt, dass diese Personen keine Fußballfans sind, sondern bestenfalls Anhänger von 'Kampfsportarten'. RB sehe ich im Gegensatz zu manchem meiner alten Kameraden positiv, weil ich hier irgendwann höherklassigen Fußball sehen möchte. Wohl nur RB ist im Moment dazu in der Lage.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2013

Frank Müller

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