Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zwickauer Fan-Gesänge - Staatsschutz ermittelt nach Spiel gegen Aue

Zwickauer Fan-Gesänge - Staatsschutz ermittelt nach Spiel gegen Aue

Zwickau gerät wegen neuer rechtsextremistischer Umtriebe in die Schlagzeilen. Nach fragwürdigen Fan-Gesängen und Kabinen-Äußerungen bei einem Fußballspiel hat sich der Staatsschutz eingeschaltet.

Zwickau. Es bestehe der Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Südwestsachsen.

Anlass für die Ermittlungen ist ein Bericht der „Chemnitzer Morgenpost“ über Äußerungen in der Kabine und von Zuschauern der Oberliga-Partie des heimischen FSV Zwickau gegen die zweite Mannschaft von Erzgebirge Aue (3:0). Der Verein sicherte in einer Erklärung am Montag Hilfe bei der Aufklärung zu.

Dem Blatt zufolge soll bei der Jubelfeier von Spielern und Gästen in der FSV-Kabine zwischen den „Sieg“-Rufen einmal auch ein „Heil“ zu hören gewesen sein - was eine Straftat wäre. „Das ist tatsächlich passiert und bestätigt. Allerdings sind die Gegebenheiten bei uns so, dass die Kabinentür offensteht und nach dem Spiel von anderen betreten werden konnte. Deshalb versuchen wir jetzt mit allen Mitteln, den Schuldigen zu ermitteln“, sagte Gerhard Neef, Sprecher des Präsidiums des FSV Zwickau, am Montagnachmittag der Nachrichtenagentur dpa.

Zwickauer Anhänger sollen zudem schon während der Partie antisemitische Äußerungen skandiert haben. „Für das, was im Stadion passiert sein soll, gibt es nach meinem derzeitigen Kenntnisstand keine Augen- und Ohrenzeugen“, sagte Neef, der wegen beruflicher Verpflichtungen am Spieltag nicht im Stadion war.

Da zwischen den Vereinen von Zwickau und Aue eine große Rivalität besteht, war die Polizei bei dem Spiel der Oberliga Nordost, Gruppe Süd, mit verstärkter Präsenz im Einsatz. „Während der Absicherung des Einsatzes kamen Straftaten nicht zur Kenntnis“, sagte auch der Polizeisprecher. Erst durch den Zeitungsbericht seien die Ermittlungen aufgenommen worden. Nach offiziellen Angaben hatte das Spiel 2005 Besucher.

Der Verein sprach am Montag von „verbalen Entgleisungen faschistischer Gesinnung“, die einige Beobachter während und nach dem Spiel wahrgenommen hätten. Mit den Sicherheitskräften gemeinsam will der Vorstand nun die Täter ausfindig machen und Strafanzeigen etwa wegen Hausfriedensbruchs stellen. „Der FSV verwahrt sich mit Nachdruck gegen jedwede Form politisch motivierten Extremismus in unserer Gesellschaft“, hieß es weiter. „Wer heute weghört, wegschaut oder bagatellisiert, bestärkt ungewollt die „ewig Gestrigen“ in ihrem zerstörerischem Treiben“.

Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) äußerte sich besorgt über die Vorgänge beim Heimspiel. „Ich schäme mich für solches Verhalten und entschuldige mich als Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau“, sagte sie. Sie verlangte vom Fünftligisten zugleich eine „weiterhin konsequente Haltung“ gegenüber Spielbesuchern mit rechtsextremen Ansichten.

Zeitgleich zur Fußballpartie hatten mehr als 1500 Zwickauer bei einer Kundgebung in der Innenstadt ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen wollen. Die Stadt steht durch die „Zwickauer Zelle“ seit Wochen im Blickpunkt - in dem Ort konnten offenbar zehn Jahre lang Neonazis untertauchen, die für die Mordserie an Migranten und einer deutschen Polizisten sowie für Banküberfälle und Bomben-Attentate verantwortlich gemacht werden.

Tino Moritz, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport

Wählen Sie den Sportler, die Sportlerin und die Mannschaft des Jahres 2016. Hier online abstimmen! mehr

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr