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Zwischen Himmel und Hölle - Galopp im Leipziger Scheibenholz in der Diskussion

Zwischen Himmel und Hölle - Galopp im Leipziger Scheibenholz in der Diskussion

Auf der einen Seite Mut machende Zahlen: 15.000 Besucher bei einem Galopprenntag in Leipzig, 70.000 gar in Hoppegarten. Auf der anderen Seite entmutigende Fakten: Ob Galopper, Wettumsätze, Rennpreise - alles rückläufig.

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Renntag im Leipziger Scheibenholz. (Archivfoto)

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. "Galopprennsport zwischen Himmel und Hölle" war denn auch der passende Titel einer Talkrunde im Leipziger Scheibenholz, zu der der Marketing-Klub Leipzig eingeladen hatte. Es wurde ein interessanter Abend.

Einer der Gäste, Niko Lafrentz, Beiratsmitglied der 2010 gegründeten Initiative German Racing, erzählte diese Geschichte: "Als ich unlängst ins Kölner Direktorium für Vollblutzucht und Rennen gekommen bin, und da war ich bereits über 50, sagte einer der Direktoren: Endlich mal ein junger Mann. Da wusste ich, wir haben ein Problem."

Nun ist der hohe Altersdurchschnitt bei den Rennsport-Funktionären, den Ehrenamtlichen in den Vereinen oder den Wettern tatsächlich ein Problem, weiß Gott aber nicht das einzige der Branche. Viele andere kamen auf den Tisch: Die Rennpreise seien zu niedrig, die Trainingskosten seien zu hoch, die Zahl der Rennpferde habe stark abgenommen. Lafrentz, mit der Chefin eines großen Gestüts liiert, berichtete aus erster Hand: "Der Bestand an Mutterstuten geht drastisch zurück. Es gibt keinen Markt mehr. Man züchtet ein Pferd für 20 000 Euro, kann das aber nicht verkaufen. Wir haben kaum noch Rennstallbesitzer, die ein Rennpferd bezahlen können oder wollen." Dass das ganz besonders für den Osten zutrifft, versteht sich von selbst.

Doch damit nicht genug, es gibt noch mehr Problemfelder. Einigkeit in der Runde: Vor allem im Marketing gibt es Defizite. Andere Sportarten sind viel weiter, ziehen mehr Sponsorengelder, mehr Zuschauer, mehr Medieninteresse. Der Galoppsport also in der Hölle.

Doch wo eine Hölle ist, da gibt's auch einen Himmel. Aus dem kam direkt Gerhard Schöningh nach Leipzig. Der Mann ist ein, wenn nicht gar d e r Hoffnungsträger im deutschen Galoppsport. Schöningh war mal erfolgreicher Fondsmanager in London, 2008 kaufte er für 3 Millionen Euro die Rennbahn Hoppegarten. Seitdem geht es dort bergauf. Die Bahn begeistert Publikum und Sponsoren, in den Wettkassen klingelts, die Renntage sind gesellschaftliche Höhepunkte und erfreuen sich großer medialer Aufmerksamkeit. Kurzum, Hoppegarten ist dort, wo alle hinwollen.

Gerhard Schöningh muss also wissen, was zu tun ist. Der 52-Jährige erzählte zunächst vom erstaunlichen Ergebnis einer Umfrage unter Hoppegarten-Besuchern. "Ein Drittel waren Pferdefreaks, die zum Wetten kommen. Zwei Drittel aber hatten ganz andere Beweggründe, die Natur genießen zum Beispiel. Oder einen Nachmittag an der frischen Luft verbringen und dabei unterhalten zu werden." Zusatzattraktionen seien also gefragt, "es muss ein ständiges Rauschen sein". Die Wettbewerber seien nicht der Fußball oder Trabrennen, sondern Event- und Freizeitparks.

Der Stargast aus Berlin wurde auch konkret. Man dürfe sich nicht unter Wert verkaufen. "Wir leben ja wesentlich von Eintrittsgeldern. Früher haben wir 5 Euro Eintritt ohne Programm genommen, jetzt sind es 10 Euro mit Programm, an Premiumtagen 15 Euro. Gratis-Eintritt funktioniert nicht. Total wichtig ist, überhaupt Produkte anzubieten. Dafür sind Hospitality-Bereiche nötig, gute Caterer müssen gefunden und Medieninteresse aufgebaut werden."

Überhaupt mangelt es an Ideen und Initiativen für die Aktion "Himmel" nicht. German Race hat eine Jugendorganisation gegründet, um das jüngere Volk für den Turf zu begeistern. Eine Zentralvermarktung ist nach einhelliger Meinung dringend notwendig, um nationale Unternehmen für den Sport begeistern. Auch auf den Gebieten neuen Medien und soziale Netzwerke müsse mehr, viel mehr getan werden.

Zu all den Stichworten nickte ein Mann eifrig: Alexander Leip, quasi der Schöningh von Leipzig. Mit dem Engagement des Buchmachers aus Frankfurt ging es auch im Scheibenholz aufwärts. Doch Baustellen gibt es noch genug: Mit drei, vier Veranstaltungen im Jahr kann eine Bahn nicht überleben, andere Events müssen das Gelände beleben. Sponsorenakquise ist ein Dauerbrenner. Sorgen, die alle Rennvereine in Mitteldeutschland haben. "Unter denen gibt es einen Wettbewerb um die Pferde und Jockeys, das muss nicht sein. Die Veranstaltungen müssen viel besser koordiniert werden, eine bessere Kommunikation ist nötig", sagte Leip.

Der 50-Jährige wurde nicht müde, die Vorzüge "seiner" Anlage zu preisen: "Wir fühlen uns auf dem richtigen Weg. Wir haben ein wunderschönes Gelände und eine wunderschöne Tribüne." Beifälliges Nicken der rund 60 Zuhörer. Marketing-Expertin Margit Enke, Professorin an der TU Freiberg und bekennender Scheibenholz-Fan, sprach ein hübsches Schlusswort: "Wir können nicht die Hölle sein, denn wir sind Leipzig und Leipzig ist immer Himmel." Wenn es nur so einfach wäre, mag sich da mancher gedacht haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013

Uwe Köster

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