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Nach Pleitenjahr: Springreiter-Gold soll Wunden heilen

Pferdesport Nach Pleitenjahr: Springreiter-Gold soll Wunden heilen

Die deutschen Springreiter stehen bei der EM unter enormem Druck. Die Erwartungen sind bei einem Heimspiel besonders groß - und der bisherige Verlauf des Jahres ist alles andere als vielversprechend.

Aachen. Jetzt erst recht! Nach einer Seuchen-Saison und der Ruck-Rede von Ludger Beerbaum wollen die deutschen Springreiter beim EM-Heimspiel Gold gewinnen.

"Das alles darf jetzt keine Rolle mehr spielen", forderte Bundestrainer Otto Becker vor den ersten Ritten seines Quartetts in Aachen: "Wir fangen jetzt wieder bei null an."

So erfolglos wie zuletzt waren die deutschen Springreiter schon lange nicht mehr. Nach der verpassten WM-Medaille im vergangen Jahr gelang in der laufenden Saison kein einziger Sieg in der Nationenpreis-Serie, und die verpasste Qualifikation für das Final-Turnier ist fast schon peinlich.

Die Enttäuschungen haben sich aufgestaut. Nach dem klar verpassten Sieg im Heim-Nationenpreis in Mannheim war Ludger Beerbaum der Kragen geplatzt. "Das kann nicht mit Pech begründet werden", kritisierte der erfolgreichste Reiter der zurückliegenden 30 Jahre und stellte fest: "Wir kriegen es seit langem nicht mehr hin."

Der 51-Jährige aus Riesenbeck forderte mit Blick auf die Europameisterschaften in Aachen: "Es muss jetzt mal ein Ruck durch uns gehen. Wir müssen uns zusammenreißen, um bei der Euro vorne zu stehen." Beerbaum nahm mit seiner Ruck-Rede dem Bundestrainer die Arbeit ab.

"Ich bin froh, dass Ludger das gesagt hat", kommentierte Becker die deutlichen Worte: "Er hat ausgesprochen, was alle gedacht haben." Als Kritik an seiner eigenen Arbeit habe er die Rede "nicht empfunden", versicherte der Bundestrainer: "Für Ludger ist es einfacher, etwas so auszusprechen." Becker versucht es diplomatischer als der zuweilen sehr emotionale Anführer des EM-Quartetts.

Neben den jüngsten Misserfolgen in Serie sorgt die Erwartungshaltung bei einer EM im eigenen Land für zusätzlichen Druck. "Ja, das ist so, aber das darf keine Rolle spielen", sagte der Bundestrainer: "Das sind ja alles erfahrene Reiter." Jeder aus dem Quartett hat schon einmal den Weltcup gewonnen, und jeder war schon einmal Erster der Weltrangliste.

Eine Medaille ist die offizielle Vorgabe des Coaches. Daniel Deußer, mit 34 Jahren der Jüngste im Team, ist da wesentlich forscher. "Es ist unser Ziel, im eigenen Land die Goldmedaille zu gewinnen", sagte der einzige Reiter im Gastgeber-Team, der noch keinen EM-Sieg in seiner Vita stehen hat.

Beerbaum hat ebenso wie Christian Ahlmann (Marl) und Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) bereits goldene Medaillen im Einzel und in der Mannschaft gewonnen. Diese beeindruckenden Plaketten-Sammlungen des routinierten Trios zeigen, wie erfolgreich und verwöhnt die deutschen Springreiter in der Vergangenheit waren.

Beerbaums deutliche Worte scheinen bei den Kollegen gut angekommen zu sein. Zumindest sagte Deußer, dass Beerbaum die Situation auf den Punkt gebracht habe. Der Jüngste im Team versicherte: "Es ist zusätzlich Motivation, dass er gesagt hat: 'Hey Jungs, wir müssen uns hinsetzen, wir müssen uns einfach Gedanken machen: Was lief schief dieses Jahr? Warum lief es schief? Was kann besser werden, was muss besser werden?'" Ob es geholfen hat, wird sich spätestens am Freitag nach der letzten von drei Teilprüfungen zeigen.

dpa

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