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Rebellierende Reiter: Ärger mit dem Weltverband

Pferdesport Rebellierende Reiter: Ärger mit dem Weltverband

Pferdesport nur noch "für die Superschönen und ganz Reichen"? Das befürchten Europas Reiter und protestieren gegen drastische erhöhtes Startgeld wie in den USA.

Steve Guerdat, Olympiasieger aus der Schweiz: «Zum ersten Mal schäme ich mich für meinen Sport.»

Quelle: Laurent Gillieron

Lausanne. Reiter gelten nicht als Revolutionäre - umso bemerkenswerter ist die derzeitige Rebellion gegen den Weltverband FEI. In seltener Einigkeit wehren sich die besten Springreiter der Welt gegen ein neues System von Gebühren bei Reitturnieren.

Das ist aber nur ein Grund für den wachsenden Unmut über die Funktionäre. Besonders verärgert sind die Reiter, weil die FEI plant, das Nenngeld in Europa auf US-Niveau anzuheben. Die stärksten Worte des Protestes kamen vom Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat, der kritisierte: "Zum ersten Mal schäme ich mich für meinen Sport. Es sollte doch auf Talent und nicht nur aufs Geld ankommen." Guerdat befürchtet sogar: "Das ist das Ende unseres Sports."

Eine Umstellung des Systems auf amerikanische Verhältnisse käme die Reiter in Europa tatsächlich teuer zu stehen. Eine Steigerung von 254 Prozent der Kosten hat das Fachmagazin "Pferdewoche" beispielsweise für Starter beim Vier-Sterne-Turnier in Dortmund errechnet.

"Dann ist der Sport nur noch für die Superschönen und ganz Reichen, nichts mehr für uns Normalsterbliche", klagte der niedersächsische Springreiter Hilmar Meyer aus Morsum im "Weserkurier." Sollten die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, befürchtet Meyer gravierende Probleme: "Dann können wir mit dem Reiten aufhören."

Der Ärger über den Weltverband eint den vorwiegend regional startenden und in der Weltrangliste auf Platz 675 liegenden Meyer mit Stars wie dem viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum. "Wir können uns überhaupt nicht vorstellen, dass die Start- und Nenngelder unter Umständen bis auf 1000 Euro pro Pferd angehoben werden", sagte Beerbaum. "Dann müssten wir eigentlichen den Stall schließen."

In den USA ist Pferdesport noch mehr ein Business als in Europa. "Das Startgeld ist in Wellington richtig teuer", berichtete der Weltranglistenerste Daniel Deußer, der in den vergangenen Wochen bei einer Turnierserie in Florida war. Der in Belgien lebende Hesse betreute eine vermögende Schülerin seines Arbeitgebers und gab zu: "Wenn man da keine Kundschaft hat oder Pferde verkauft, dann lohnt es sich kaum."

Olympiasieger Guerdat klagte: "Die Mentalität des Springsports in Amerika ist komplett anders, da ist viel mehr Geld im Spiel." In Europa gehe es auch "um die Basis, um Züchter, um Besitzer". Da mehr als 80 Prozent der internationalen Springturniere in Europa ausgetragen werden, frage er sich: "Wieso sollen wir uns an einer Minderheit orientieren?"

Unterstützung erhalten die Reiter von den meisten europäischen Verbänden, auch von der deutschen FN. "Die Angleichung der Systeme würde bedeuten, dass sich das Springreiten zu einem Elite-Sport entwickelt", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

Weltverbands-Präsident Ingmar de Vos rudert langsam ein wenig zurück. Er verwies darauf, dass die Angleichung des Startgeldes noch nicht beschlossen und "nicht die Idee der FEI war". Es sei ein Vorschlag der Turnierveranstalter. Im April solle beim "Sports Forum" der FEI weiter diskutiert werden.

Der Weltverband zog sich zuletzt häufiger den Ärger der Reiter zu. Auch eine Regeländerung bei der WM, der Wegfall des Zeitspringens, hatte zuletzt für Kritik gesorgt. So heftig wie jetzt waren die Proteste allerdings noch nie.

dpa

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