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Concordia-Insolvenz: Spieler sollen drei Gehälter zurückzahlen

Concordia-Insolvenz: Spieler sollen drei Gehälter zurückzahlen

Vor mehr als einem Jahr meldete Handball-Zweitligist Concordia Delitzsch Insolvenz an. Jetzt fordert Insolvenzverwalter Volkhard Frenzel drei Gehälter (Januar, Februar, Juli 2010) von Trainer und Spielern zurück.

Delitzsch/Leipzig. Begründung: Die Betroffenen hätten wissen müssen, dass der Verein pleite ist.

Als Beleg dafür führt Frenzel auf, dass es bereits zwischen Februar und Juni 2010 von Gläubigern mehrere Anträge auf Fremdinsolvenz gab und der Verein seit Juli 2008 beim Finanzamt mit 193000 Euro in der Kreide stand. "Woher sollten wir als Arbeitnehmer von solchen Vorgängen erfahren, wenn selbst das Finanzamt mehr als zwei Jahre zu-guckt? Von Insolvenz war bis zuletzt nie die Rede, es hieß immer, die kommende Saison ist gedeckelt", sagt der damalige Trainer Uwe Jungandreas.

Im Februar 2010 wurde sogar der Wechsel von Philipp Seitle zum SC DHfK vom Vorstand nicht genehmigt. Wirtschaftlich sei es kein Problem, ihn zu halten, hieß es damals. Die Mannschaft blieb unter schwierigen Bedingungen zusammen, "Was wir jedoch im vergangenen Jahr an Märchen hörten und an Versprechen ertragen mussten, die nicht eingehalten wurden, das geht gar nicht", sagte Jungandreas wenige Tage vor dem Aus. Angekündigte Vertragsabschlüsse mit Großsponsoren kamen nie zustande. Noch zum Trainingsauftakt am 5. Juli 2010 hieß es, die Gehälter seien zumindest bis November sicher.

Der Deutsche Handball Bund erteilte sogar die Lizenz für die Saison 10/11. Völlig unvorbereitet traf die Mannschaft wenige Tage später der Insolvenzantrag. Jungandreas: "Ich verstehe nicht, wie man uns jetzt vorwerfen kann, dass wir damals unsere Arbeit weiterführen wollten."

Grundlage für die angeschobene Rückforderung ist die Insolvenzordnung. Grundsätzlich muss jeder Insolvenzverwalter schauen, dass er soviel wie möglich Masse für die Gläubiger herein holt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jeder Gläubiger den Insolvenzverwalter auf Schadensersatz verklagen könnte, falls dieser etwas übersieht. Die Streitfrage lautet, ob Frenzel das Geld einfordern kann.

"Dies wird nur dann Erfolg haben, wenn der einzelne Arbeitnehmer sichere Kenntnis von der Zahlungsunfähigkeit, dem Insolvenzantrag oder von Umständen hat, die zwingend auf Zahlungsunfähigkeit oder Antrag schließen lassen", sagte gestern Steffen Tänzer, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Allein der Umstand, dass der Lohn mit erheblicher Verspätung gezahlt wurde und dies die Arbeitnehmer voneinander wussten, begründet noch keine sichere Kenntnis.

"Eine solche ist nach der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung erst dann zu bejahen, wenn der Arbeitgeber Zahlungen geleistet hat, obwohl er selbst die Zahlungsunfähigkeit - öffentlich und für den Arbeitnehmer erkennbar - eingeräumt oder der Arbeitnehmer mittelbar oder unmittelbar Einblick in die unzureichende Liquiditätslage des Unternehmens erhalten hat. Zumindest letzteres dürfte bei den Handballern ausfallen", so Tänzer.

Die Rechtsprechung spricht für die einstigen Concorden. Entsprechende Präzedenzfälle wurden vom Bundesarbeitsgericht zugunsten der Arbeitnehmer entschieden. Es wurde aber darauf verwiesen, dass der Arbeitnehmer (die Handballer dürften diesen Status haben) in der Lage sein muss, die Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers zumindest laienhaft zu bewerten.

Frank Pfütze, Johannes David

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