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DHfK-Coach Prokop will sich die Statistik einrahmen

Nach dem Kiel-Triumph DHfK-Coach Prokop will sich die Statistik einrahmen

Auf seiner Abschiedstournee mit dem SC DHfK Leipzig hat sich Trainer Christian Prokop noch einmal selbst belohnt. Wie wichtig ihm der Sieg gegen den THW Kiel war, zeigte eine Reaktion nach dem Spiel.

Hätte die ganze Halle umarmen wollen: DHfK-Trainer Christian Prokop.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Diese eine Szene bekam kaum noch ein Fan in der Arena mit. Sie steht aber symbolisch für den Triumph, den der SC DHfK Leipzig am Mittwochabend geschafft hat. Kurz nach 23 Uhr betrat Trainer Christian Prokop noch einmal die Halle. Wenige Minuten zuvor musste der Coach bei der Pressekonferenz berichten, wie er den großen THW Kiel mit 34:25 in die Knie gezwungen hatte. Es ist eine Mannschaft die alle verfügbaren Titel schon mehrfach gewonnen hat. Neben sich hatte er mit Alfred Gislason einen Trainer sitzen, der ebenfalls alle verfügbaren Vereinstitel wiederholt in seinem Lebenslauf aufführen kann.

Prokop winkte nun einigen seiner Jungs mit der Spielstatik zu, einem Ausdruck auf einem A4-Blatt. "Die rahme ich ein und hänge sie mir auf", so der neue Bundestrainer. Endlich hat er das geschafft, was seiner Mannschaft in dieser Spielzeit noch fehlte: Ein Sieg gegen eine der großen drei Mannschaften im deutschen Handball. Gegen die Rhein-Neckar-Löwen verloren die Sachsen in beiden Saisonpartien jeweils nur mit einem Tor Unterschied. Die SG Flensburg-Handewitt, ein Team an dem sich Prokop gern orientiert, ließ sich dagegen nur phasenweise ärgern.

Balingen-Pleite hallt nach

Der Sieg gegen den THW tut dem Team gleich mehrfach gut. Nach dem großen Pokalfight beim Final Four im April in Hamburg haben die Leipziger ihre Revanche bekommen. Diese Genugtuung schien allerdings in den Köpfen der Grün-Weißen nur eine Nebenrolle zu spielen. Vielmehr wirkte die 23:28-Pleite vom vergangenen Sonnabend beim Abstiegskandidaten Balingen-Weilstetten noch immer nach. Zu groß schien die Gefahr, dass der SC DHfK mit einer Negativserie die Saison beendet und Prokop damit im Rücken im Sommer komplett zur Nationalmannschaft wechselt. Zu Hause heißen die nächsten Gegner Magdeburg und Berlin, auswärts geht's noch nach Hannover und Melsungen. Keine leichten Aufgaben.

Sensation in der Hand-Bundesliga: Der SC DHfK Leipzig hat am Mittwochabend den THW Kiel in der Arena deutlich besiegt.

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Nach dem Schlusspfiff gegen Kiel sprachen die Spieler deshalb auch immer wieder von Balingen. "Wir hatten etwas gut zu machen", sagte etwa Andreas Rojewski, mit acht Treffern bester Torschütze im Spiel. Das Team habe nicht überzogen, sondern die Wut kanalisiert.  

Topstars fehlen verletzt

Zur Wahrheit gehört auch: Der THW hatte am Sonntag das schwere Spiel gegen die Füchse Berlin im Kampf um einen Platz in der Champions League. Dazu kommt schon über die gesamte Saison die Zusatzbelastung im Europapokal. Mit Domagoj Duvnjak und René Toft Hansen fehlten zudem zwei absolute Topstars mit Verletzungen.

Ein Blick auf Prokops kurz vor der Einrahmung befindlichen Statistikzettel reicht aber aus, um beim THW Handball-Größen wie an der Schnur aufgezogen abzulesen. Christian Zeitz, Steffen Weinhold, Marko Vujin und, und, und. Allesamt Profis, die ein Spiel auch im Alleingang entscheiden können.

Stand die Freude ins Gesicht geschrieben: DHfK-Kapitän Lukas Binder.

Quelle: Christian Modla

Eine längere Erholungszeit als ihr Gegner hatten die Leipziger nach dem letzten Spiel kaum. Der Mannschaftsbus erreichte erst am Sonntag gegen 5 Uhr wieder die Stadtgrenze.

Prokop mit Konditionsproblemen

Zwei Punkte wurden von Fans und Verantwortlichen immer wieder nach dem Sieg als Grund genannt: Der Willen und die Fans gaben den Ausschlag. Vor allem behielten die Leipziger die Nerven. Auch als die Nordlichter sich in der zweiten Halbzeit bis auf einen Treffer heran gekämpft hatten, spielten die Gastgeber cool weiter.  "Es war extrem anstrengend, weh getan hat das Spiel aber nur Kiel", so Kapitän Lukas Binder. Und Trainer Prokop, an der Bank engagiert wie eh und je, gab zu: "Bei gefühlten 40 Grad in der Halle bin ich an meine konditionellen Grenzen gestoßen."   

 

Die Zuschauer waren von Anfang an zu allem bereit. Schon mit dem Anpfiff war es in der Halle noch einmal lauter als sonst ohnehin schon. Es wirkte, als ob sich die Fans dieses Geschenk am Ende einer noch einmal erfolgreicheren Spielzeit als in der zurückliegenden Aufstiegssaison selbst bereiten wollten. Wenn gewonnene Bälle in der Abwehr fast lauter bejubelt werden als Tore, dann ist die Symbiose zwischen Zuschauern und Mannschaft nahezu perfekt.

Die Anhänger dürfen jetzt noch einmal auf die internationalen Startplätze schielen. Allerdings: Selbst wenn die Füchse Berlin oder der SC Magdeburg am kommenden Wochenende den EHF-Cup gewinnen sollten und dann Platz sechs in der Bundesliga für die Qualifikation zum Europapokal reicht, wird wohl die HSG Wetzlar dieses Mal noch knapp die Nase um den begehrten Rang vorn haben. Mit derzeit vier Punkten Vorsprung auf die Leipziger und dem leichteren Restprogramm dürften sich die Hessen kaum noch abfangen lassen. Für die Zukunft dürfen die Fans aber hoffen, zumal, wenn im Sommer mit Philipp Weber der verlorene Sohn nach Leipzig zurückkehrt und dem SC DHfK einen weiteren Qualitätsschub gibt.

Matthias Roth

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