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DHfK-Trainer Haber: „Den Spirit aufs Parkett bringen, der Leipzig auszeichnet“

Vom Vize zum Chefcoach DHfK-Trainer Haber: „Den Spirit aufs Parkett bringen, der Leipzig auszeichnet“

Mit ihrem neuen Chefcoach André Haber starten die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Donnerstag auf dem Testfeld der Sportfakultät offiziell die Saisonvorbereitung. Haber, bislang beim SC DHfK Assistent des neuen Bundestrainers Christian Prokop, führt die Mannschaft bis Ende Dezember. Vor dem scharfen Start stellte sich der 31-Jährige den Fragen der LVZ.

André Haber, bislang Co-Trainer übernimmte er bis Ende des Jahres die Führung des SC DHfK.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Mit ihrem neuen Chefcoach André Haber starten die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Donnerstag 17 Uhr auf dem Testfeld der Sportfakultät offiziell die Saisonvorbereitung. Vorangegangen waren einige Medizintests in den vergangenen Tagen. Haber, bislang beim SC DHfK Assistent des neuen Bundestrainers Christian Prokop, führt die Mannschaft bis Ende Dezember. Danach übernimmt der jetzige Frauen-Bundestrainer Michael Biegler. Vor dem scharfen Start stellte sich der 31 Jahre alte Haber den Fragen der LVZ.

LVZ: Wie nötig hatten Sie den Urlaub, wie erholt gehen Sie Ihre Aufgabe an?

André Haber: Wenn man erfolgreich ist, ist es positiver Stress. Die Saison war lang, die zwei Wochen mit meiner Freundin Magda in Griechenland taten gut.

Haben Sie Handball mal ausgeblendet?

Hundertprozentig gelingt es nie abzuschalten. Ich habe einige dienstliche Telefonate geführt. Und wenn mir der ein oder andere Gedanke oder eine Idee für die neue Saison gekommen ist, habe ich mir das aufgeschrieben.

Sie zählen schon fast zu den Urgesteinen beim SC DHfK seit des Neubeginns vor zehn Jahren.

Ich bin seit 2008 dabei, zusammen mit Matthias Albrecht und vielen anderen Nachwuchstrainern haben wir versucht, die Jugendarbeit in unserer Region zusammenzuführen. Davor war ich Spieler und Jugendtrainer in Meerane. Nach Abitur und Zivildienst war es mein Wunsch, in Leipzig Sport zu studieren. Ich habe mich gegen Lehramt entschieden, denn ich wollte in die Trainer-Schiene gehen. Bis zu meinem Master-Abschluss 2013 war die Doppelbelastung Nachwuchstrainer und Student ganz schön hart. Ich habe ein paar Semester länger studiert, weil der Handball parallel eine große Rolle gespielt hat.

Haben Sie Ihre Masterarbeit über Handball geschrieben?

Ja, es ging um Energieumsätze während eines Handballspiels. Das ist sehr schwer zu messen, da gab es nur wenige wissenschaftliche Analysen, bislang lagen nur Laktatwerte im Zehn-Minuten-Takt vor. Wir haben die Energieumsätze minütlich gemessen.

Das klingt fast nach Doktor-Arbeit?

Das Thema lässt sich sicher ausweiten, das ist richtig.

Welche Erkenntnisse helfen Ihnen als Trainer?

Interessant ist, dass die Energieumsätze in jeder Halbzeit prozentual abfallen. Daraus kann man Überlegungen ableiten, wann man am besten Spielerwechsel vornimmt, um frische Kräfte zu bringen.

Sie stehen vor Ihrer ersten Saisonvorbereitung als Männer-Cheftrainer. Setzen Sie auf die bewährten Erfahrungen der vergangenen Jahre?

Ich sehe keine Notwendigkeit, nach drei erfolgreichen Jahren viele Dinge zu ändern. Wir werden Details anders machen, aber den bewährten Weg fortsetzen. Die Vorbereitungsturniere liegen zeitlich ähnlich, diesmal geht es aber erstmals nach Köln und zum Linden-Cup. Wir müssen uns einspielen und gucken, was ist uns gut gelungen, was weniger gut.

Mit Philipp Weber und Yves Kunkel kommt Qualität dazu. Wird das Spiel mehr auf beide zugeschnitten?

Ein wichtiger Punkt bleibt, Gefahr von vielen Positionen auszustrahlen. Philipp verfügt über eine sehr gute Individualität, die er in den Dienst der Mannschaft stellen will. Yves Stärken sind ebenfalls seine Torgefahr und sein kämpferischer Einsatz. Beide passen sehr gut ins Gesamtpaket. Auch Tobias Rivesjö stößt nach zehnmonatiger Schulterverletzung wieder zu uns. Seine Täuschungshandlungen sind spitze – und er kann decken. Die Abwehr wird beim SC DHfK immer ein großes Thema sein, weil das unsere Stärke ist.

Die erste Phase der Vorbereitung läuft wegen der U21-WM ohne Franz Semper. Ist die WM Fluch oder Segen?

Solche Turniere sind unglaublich wertvoll. Da sind neun Spiele in 13 Tagen zu absolvieren, das ist enorm. Man lernt extrem viel dazu, auch Spiele schnell abzuhaken. Er kann sich mit den Besten seiner Altersklasse messen. Franz reist Ende der Woche zur Nationalmannschaft, ist dann hoffentlich bis 30. Juli in Algerien, wenn es am Ende um die Medaillen geht. Wenn er zurückkommt, brechen wir zum zweiten Trainingslager auf. Dann entscheiden wir gemeinsam, wie viele Tage er frei bekommt.

Sehen Sie ein Problem darin, den Cheftrainer im Januar an Michael Biegler wieder abzugeben?

Absolut nicht. Wichtig ist, dass der Verein im Vorfeld alles klar und sauber ausgesprochen hat. Jeder Trainervertrag ist limitiert, manchmal sind es drei Jahre, bei mir ist es eben ein halbes Jahr. Ich habe mit dem Wechsel zwischen Chef- und Co-Trainer kein Problem, das kenne ich seit Jahren, als ich die Jugend und als Assistent die Männer parallel betreut habe.

Wie viel Einfluss wird Michael Biegler in den kommenden sechs Monaten haben?

Im ersten halben Jahr liegt die Entscheidungsgewalt bei mir. Ich würde mir immer Rat bei anderen Kollegen holen, die ich gut kenne. Das betrifft Christian Prokop ebenso wie Michael Biegler. Ich glaube, er passt sehr gut nach Leipzig mit seinem emotionalen Coaching und seiner Spielauffassung. Und er investiert viel in die Aus- und Weiterbildung seiner Trainerkollegen.

Wie stark erwarten Sie die anderen Teams im breiten Bundesliga-Mittelfeld?

Es ist in der Bundesliga immer schwer, sich durchzusetzen – egal, was die anderen für Wechsel vorgenommen haben. Wir sind gut beraten, auf uns zu schauen. Wir müssen mit unserer Trainingsarbeit zufrieden sein, müssen hart arbeiten, dann werden wir Erfolg haben.

Wie lautet Ihr Ziel?

Ich tue mich schwer, bereits jetzt Saisonziele zu formulieren. Wir wollen weiter vorankommen. Das mache ich nicht nur an Ergebnissen fest. Das können auch Handlungsziele sein wie Weiterentwicklung unserer Abwehrarbeit oder eine höhere Effektivität im Angriff. Auf jeden Fall wollen wir den Spirit aufs Parkett bringen, der Leipzig auszeichnet.

Vor wenigen Tagen hat die Handball-Bundesliga beschlossen, dass 16 statt 14 Spieler pro Partie eingesetzt werden können. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich finde es gut, aus dem Vollen zu schöpfen und damit variabler zu sein.

Die meisten Spiele werden künftig sonntags 12.30 Uhr angepfiffen. Eine Umstellung?

Die eventuelle Anreise am Spieltag ist kein Thema mehr. Zudem müssen wir uns Gedanken machen: Gibt es ein spätes Frühstück? Oder zwei Mahlzeiten vorher? Ich selbst verliere vor Spielen immer jegliches Gefühl für die Tageszeit. Wenn ich die Halle betrete, sind es immer eine Stunde und 45 Minuten bis zum Anpfiff, dann ist man wie im Tunnel. Für die Fans ist die neue Anwurfzeit vielleicht positiv, dann haben sie hinterher noch den Nachmittag.

Interview: Frank Schober, Alexander Bley, Matthias Roth

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