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Darum ist der SC DHfK so stark – Gastbeitrag von Lucas Krzikalla

Handball Darum ist der SC DHfK so stark – Gastbeitrag von Lucas Krzikalla

Warum mischt der SC DHfK Leipzig die Handball-Bundesliga auf? Rechtsaußen Lucas Krzikalla verrät in einem Gastbeitrag das Erfolgsrezept.

Lucas Krzikalla im Angriff.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Manchmal schaue ich auf die Tabelle und staune auch. Nur ein Platz hinter Magdeburg, ein relativ großer Vorsprung auf die Abstiegsplätze - das ist eine Bilanz, die uns wohl kaum jemand zugetraut hatte. Ich, da bin ich ehrlich, hatte damit auch nicht gerechnet.

Klar, uns wurde schon vor dem ersten Spiel bescheinigt, einer der besten Aufsteiger zu sein, nachdem wir uns in der zweiten Liga souverän durchgesetzt hatten. Aber das ist ja keine Garantie dafür, dass man sich dann ebenfalls eine Etage höher behauptet. Auch wenn man sich nicht selbst loben soll: Was wir bisher geschafft haben, ist aller Ehren wert.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich nach dieser Einschätzung etwas Ärger bekomme. Denn unser Trainer Christian Prokop hört so etwas von uns nicht sonderlich gern. Denn bis zu unserem Ziel, dem Klassenerhalt, ist fast noch die komplette Rückrunde zu spielen. Er will unbedingt vermeiden, dass sich bei uns auch nur die kleinste Spur von Überheblichkeit einstellt. Doch da muss er keine Bedenken haben. Bei uns gibt jeder Gas, will sich jeder durchsetzen, verfügt jeder über den nötigen Biss.

Christian befördert das auch. Wenn er zum Beispiel im Training als Schiedsrichter agiert, und das lässt er sich nicht nehmen, pfeift er dir manchmal eine Aktion ab, von der du zu 100 Prozent überzeugt warst, dass alles seine Richtigkeit hatte. Also ärgerst du dich und sagst dir im Zurücklaufen: Na warte, das mache ich gleich noch mal, und zwar noch besser. Vermutlich ist es genau das, was er will. Bei uns herrscht wirklich ein unglaublicher Ehrgeiz. Das hat uns auch Philipp Pöter bescheinigt, als er 2014 zu uns kam. Er kann das gut einschätzen, hat schon einige Stationen in seinem Handball-Leben durchlaufen.

Im Gegensatz zu mir. Ich kam 2010 als 16-Jähriger aus Großenhain nach Leipzig, über die Sachsenauswahl waren die Trainer auf mich aufmerksam geworden. Eine Jahr vorher wurde ich von Nachwuchstrainer Matthias Albrecht eingeladen, mir in der Grube-Halle ein Spiel der ersten Mannschaft anzuschauen. Es war eine Partie der vierten Liga, und jetzt stehen wir auf Platz 11 der Bundesliga. 2012 kam ich in die erste Mannschaft und saß meistens auf der Bank oder auch dahinter. Rene Boese stand in der Hierarchie klar vor mir. Von ihm habe ich viel gelernt, er hat mir viele Tipps gegeben. Vor allem hat er mir regelrecht "eingetrichtert", beim Wurf alles zu geben. "Mach' bloß keine halben Sachen", hat er immer gesagt. "Die Torhüter warten nur darauf, und dann hast du verloren."

Daran orientiere ich mich noch immer und bin froh, dass es mitunter ganz gut klappt. Ich weiß, ich muss noch effektiver werden, genau daran arbeite ich. Dass ich sogar unser erstes Bundesliga-Tor beim Sieg gegen den HSV geworfen habe, war natürlich - bitte nicht schmunzeln - Zufall. Ich meine damit, es hätte auch jeder andere von uns sein können. Ich bin eingelaufen, habe das Zuspiel bekommen und alles in den Wurf gegen Johannes Bitter reingelegt. Zeit zum Genießen bleibt danach nicht, denn man muss so schnell wie möglich zurück.

Ich glaube nicht, dass unser gutes Abschneiden etwas damit zu tun hat, dass wir etwa unterschätzt werden. Das macht kein Gegner mehr. Es hat aber auch viel mit der Stimmung in der Arena zu tun. Unsere Fans sind einfach phantastisch. Wir werden unglaublich angefeuert und alle wissen, dass wir bei Rückständen nicht aufgeben. Das Interesse an uns ist immer größer geworden. Ich merke das auch daran, wenn ich immer mehr Karten besorgen soll, sei es für die Familie, Freunde oder Kommilitonen. Auch aus der Umgebung, also nicht nur aus Leipzig, kommen immer mehr. Oft rede ich mit Fans noch nach dem Spiel und glaube, dass diese Beziehung auch etwas ist, das uns stark macht.

Gegen Stuttgart am Sonnabend wäre ich gerne wieder dabei gewesen. Aber meine Achillessehnenverletzung ist noch nicht ganz abgeklungen. Ich werde bestens betreut und will mich an dieser Stelle gerne bei unserer medizinischen Abteilung bedanken. In Eisenach hoffe ich am 19. März wieder einsatzfähig zu sein, und sollten meine Leistungen künftig erneut für so gut befunden werden, dass ich wie schon 2015 wieder zur B-Nationalmannschaft und zu ihrem Spiel beim All Star Game eingeladen werde, würde mich das sehr freuen. Zunächst aber werde ich am Sonnabend aufgeregt in der Arena hinter unserer Bank sitzen und die Daumen drücken.

*Lucas Krzikalla (22) ist Rechtsaußen der DHfK-Handballer und Lehramtsstudent (Sport, Gemeinschaftskunde)

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