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Das zweite Leben des Stefan Kretzschmar: Vom Handballprofi zum Aufsichtsrat beim SC DHfK

Das zweite Leben des Stefan Kretzschmar: Vom Handballprofi zum Aufsichtsrat beim SC DHfK

Leipzig. Er war der Leuchtturm der deutschen Handballszene: Stefan Kretzschmar. Doch der ehemalige 218-fache Nationalspieler stand in seiner Laufbahn nicht nur wegen seiner sportlichen Erfolge im Mittelpunkt.

Er ist auch bekannt für seine extravagante Erscheinung und sein offenes, aber auch polarisierendes Auftreten.

An Popularität hat der 39-Jährige nichts eingebüßt. Vielmehr gibt er dem Projekt SC DHfK sei drei Jahren ein Gesicht. Mit LVZ-Online spricht er offen darüber, wie schwer der Übergang um Offiziellen für ihn war, wie wichtig ihm mittlerweile Leipzig geworden ist, und was es mit seinem Plan, Angler auf Kuba zu werden, auf sich hat.

Er ist Sportexperte im Fernsehen, er wirbt mit der DHB-Aktion „Handball-Stars go school“ für seine Sportart, und er setzt sich für vielerlei Charity-Events ein. Das Leben nach dem Profisport ist für Stefan Kretzschmar nicht langweiliger geworden. Ganz im Gegenteil. Der gebürtige Leipziger tingelt ständig durch Deutschland. Doch trotz der vielen Jobs gibt es einen neuen Mittelpunkt in seinem Leben: Das Projekt SC DHfK, für das er extra in die Messestadt gezogen ist. „Es geht um die Glaubwürdigkeit. Ich kann mich mit einer Sache nur identifizieren, wenn ich auch vor Ort bin“, erklärt der zweifache Familienvater.

Mit DHfK vertritt er eine Vision – in absehbarer Zeit ins deutsche Handballoberhaus aufzusteigen. Bevor er dieses Ziel nicht realisiert hat, „möchte ich ungern hier weg gehen“, so der 39-Jährige. In dieser Hinsicht ist er immer noch Sportler durch und durch. Aufgeben, und das nächstbeste Angebot annehmen, kommt für ihn nicht in Frage und würde einem Verrat gleichkommen.

„Man darf eins nicht vergessen: Seit drei Jahren erzählen wir den Jungs, dass wir Großes vorhaben. Und sie unterschreiben hier für weniger Geld. Und dann bin ich der erste, der weggeht? Ey, was sollen die Jungs von mir denken?“

Dass es die Messestädter schaffen, sieht er als sehr realistisch an. „Das soll jetzt nicht arrogant klingen. Aber ich glaube, dass das Projekt DHfK in der 2. Bundesliga die größte Chance hat, sich durchzusetzen.“ Doch bei aller Ungeduld die er hat, müsse man sich die Entwicklung anschauen. Die sei nicht schlecht: „Früher wurden wir für unsere Vision noch ausgelacht. Nun sind wir bereits im bezahlten Profisport.“

Obwohl Kretzschmar vor fünf Jahren selbst noch weiter hätte Profisportler sein können, entschied er sich, der Handballbühne vorzeitig den Rücken zu kehren. „Ich hatte einfach nicht mehr das Gefühl, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Und dann waren die Lust, die Motivation und der Spaß weg“, erklärt er.

Dabei war der Übergang vom Profisportler zum Offiziellen „brutal schwer“, wie er zugibt. „Als Sportler warst du dein ganzes Leben lang fremdbestimmt. Und plötzlich bist du an einem Punkt angelangt, an dem du dein Leben das erste Mal selber kreieren kannst und musst. Das braucht seine Zeit.“

Während 90 Prozent der Handballer nach ihrer Karriere in ein normales Berufsleben wechseln, lebt Kretzschmar immer noch von seiner Popularität. Dabei verfolgte der 1,90 Meter große Sportexperte zunächst ganz andere Ziele. „Ich habe immer während meiner Karriere gedacht, ich will danach nichts mehr mit Handball zu tun haben. Ich hab die Schnauze voll, ich gehe nach Kuba und werde Angler – was völliger Schwachsinn war“, gibt er im Nachhinein schmunzelnd zu.

Dabei habe ihm das Image eines tätowierten Mannes „einen riesigen Freiraum ermöglicht. Ich konnte machen was ich wollte“, erklärt er. Seine Tattoos erzählen Geschichten, und so unterschiedlich diese auch sind – ein Thema haben sie immer gemeinsam: „Das Zwischenmenschliche von Mann und Frau.“

Überhaupt ist Kretzschmar ein nachdenklicher, sensibler Typ, wenn es um sein Umfeld geht. Gerade seine Familie hat einen besonderen Stellenwert in seinem Leben. „Es gibt nix wichtigeres als meine Kinder. Wenn ich mit ihnen Zeit verbringe, kann auch nix dazwischen kommen.“ Das gilt auch für seine Eltern, die eine „unfassbare Stellung einnehmen“, sagt er. Vor allem der Vater, dem „ich bedingungslos vertraue“.

Die Entscheidung, Leipzig als seinen neuen Lebensmittelpunkt zu wählen, hat er auch von der Meinung seiner Eltern abhängig gemacht, die den Schritt absolut begrüßten. „Sie haben ihr Leben hier verbracht und finden es gut, dass der Sohn zurückkehrt, und etwas aufbaut.“

Anne Kunze

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