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„Den Biss unbedingt beibehalten“ – DHfK-Coach Prokop im Interview

Leipzig spielt wieder zu Hause „Den Biss unbedingt beibehalten“ – DHfK-Coach Prokop im Interview

DHfK-Trainer Christian Prokop warnt vor dem ersten Heimspiel seit knapp drei Monaten trotz der guten Ausgangslage vor Selbstzufriedenheit. Am Tag vor der Partie ist er als Talkexperte gefragt.

DHfK-Trainer Christian Prokop.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Am Sonnabend bestreiten die DHfK-Handballer nach fast drei Monaten wieder ein Bundesliga-Heimspiel. Zu Gast ist der TBV Stuttgart (Anwurf 19 Uhr). Die Schwaben gewannen gerade gegen den TBV Lemgo und könnten mit einem weiteren Erfolg zu den Leipzigern nach Minuspunkten aufschließen. DHfK-Trainer Christian Prokop (37) erklärt im Interview, warum er noch immer Glückwünsche zum Klassenerhalt abwehrt, stolz auf sein Team ist und sich die Nationalmannschaft zum Vorbild nimmt.

Frage: Ihre Mannschaft hat doch mit dem Abstieg nichts mehr zu tun, das hören Sie bestimmt oft. Was halten Sie entgegen?

Christian Prokop: Ein klares Nein. Sicher ist die Ausgangslage sehr gut. Aber so lange der Deckel nicht drauf ist, um es umgangssprachlich zu formulieren, haben wir uns aufs Wesentliche zu konzentrieren, also möglichst unsere beste sportliche Leistung abzurufen. Wenn wir jetzt schon glauben, wir sind durch, kann es ein böses Erwachen geben. Wir tun gut daran, weiter mit einer gewissen Demut an unsere Aufgaben heranzugehen.

Woher rührt Ihre Zurückhaltung?

ist keine Seltenheit, dass sich erst an den letzten Spieltagen der Abstieg entscheidet. Wer da die nötige Konzentration verliert, kann seinen Vorsprung schnell einbüßen. Es besteht genügend Grund, um auf unsere junge Mannschaft stolz zu sein. Aber wenn sich gerade eine junge Mannschaft zu zeitig zu sicher ist, kann einiges passieren. Deshalb gilt: Wir müssen den Biss unbedingt beibehalten.

Worauf sind Sie im bisherigen Verlauf besonders stolz?

Darauf, dass wir mit unseren jungen Leuten fast immer um Punkte mitspielen konnten. Mitunter natürlich nicht die gesamte Zeit, aber wir haben schon sehr viel richtig gemacht. Für die Entwicklung ist es wichtig, das Richtige konstant und durchgängig zu machen. Das zeichnet Spitzenmannschaften aus.

Sie haben es auch Spitzenmannschaften schwer gemacht, haben zuletzt in Magdeburg gewonnen. Und selbst in Kiel und Flensburg erhielt der SC DHfK trotz seiner Niederlagen viel Anerkennung.

Ja, wir haben uns wirklich zahlreiche gute Chancen herausgespielt. Aber wir haben sie zu wenig genutzt, sind zu oft an den Torhütern gescheitert.

An Weltklassetorhütern.

Natürlich, über die Qualitäten von Niklas Landin im Kieler und Mattias Andersson im Flensburger Tor muss man nicht viel sagen. Und wir hatten bei unserem Sieg in Magdeburg durch Jens Vortmann ebenfalls einen Torhüter mit einer besonderen Leistung. Die Bedeutung dieser Position wird immer größer.

Und jetzt kommt Stuttgart zum nächsten Spiel nach Leipzig mit Johannes Bitter, dem ehemaligen Hamburger und 144-fache Nationalspieler, nach Leipzig.

Das war für mich der Hammertransfer nach dem Jahreswechsel. Stuttgart, ohnehin ein Team mit erfahrenen Bundesliga-Spielern, hat dadurch noch erheblich an Qualität gewonnen. Es wird mit Sicherheit nicht einfach, ihr Abwehrbollwerk und dahinter Johannes Bitter zu knacken. Aber genau das werden wir müssen. Es ist unsere erstes Heimspiel nach zuletzt fünf Auswärtspartien, und nach dieser recht langen Pause wollen wir natürlich die Stimmung entfachen, die uns so stark gemacht hat.

Welcher Ihrer Spieler hat Sie besonders überzeugt?

Da könnte ich zum Glück sehr viele nennen. Von Beginn an haben zum Beispiel Philipp Pöter, Christoph Steinert und Milos Putera ihre Sache sehr gut gemacht. Und dann hatten wir auch Spieler, die in einzelnen Partien eine Klasse-Leistung zeigten. Das gilt sowohl für unseren Angriff als auch für die Abwehr. Wir hatten viele Matchwinner.

Gehörte auch Philipp Weber dazu, dessen Vertrag nicht verlängert wird?

Ja, er gehört dazu. Natürlich wussten wir, dass es Aufsehen erregt, wenn wir ihm keinen neuen Vertrag anbieten. Aber die Entscheidung ist so gefallen und ich bin beeindruckt, wie professionell er damit umgeht. Er lässt sich nicht etwa hängen, was auch für Felix Storbeck gilt.

Einen Star haben Sie in Ihrer Mannschaft nicht, oder?

Gegenfrage: Brauchen wir einen? Ich finde, die Nationalmannschaft hat gerade gezeigt, was möglich ist, wenn alle mitziehen. Diese Ausgeglichenheit unserer Europameister hat sicher nicht nur mir außerordentlich imponiert. Dass dabei die Leistung auf einzelnen Positionen, zum Beispiel die der Torhüter, besonders im Mittelpunkt steht, liegt in der Natur unseres Spiels. Aber das muss man sich mal vorstellen: Da werden nach Verletzungsausfällen Spieler während des Turniers nachnominiert, ihnen wird große Verantwortung übertragen und sie zahlen das Vertrauen eindrucksvoll zurück. Das kann eigentlich nur funktionieren, wenn es in der Mannschaft stimmt. Ich bin jedenfalls ungeheuer beeindruckt, was Dagur Sigurdsson geleistet hat. Er hat die Nationalmannschaft zu unserem Vorbild gemacht.

Wie kann die EM-Euphorie bewahrt bleiben?

Indem weiter ehrgeizig gearbeitet, und dabei auch eine gewisse Demut gezeigt und nicht etwa durchgedreht wird. Letzteres würde beim Bundestrainer ohnehin nicht passieren. Er hat in der Nationalmannschaft durch die vielen jungen Spieler die Emotionen entfacht, die sich auf die Fans übertragen. Das war, neben dem EM-Titel natürlich, eine Riesenleistung.

Interview: Winfried Wächter

Die geballte deutsche Handball-Kompetenz trifft sich am 4. März in der LVZ-Kuppel, Peterssteinweg 19. Bundestrainer Dagur Sigurdsson, DHfK-Coach Christian Prokop und der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar diskutieren über die Zukunftsaussichten ihrer Sportart. Beginn ist um 18 Uhr (Einlass ab 17 Uhr). Die Karten kosten für LVZ-Abonnenten fünf Euro und für alle anderen 7,50 Euro. Sie sind in der LVZ-Geschäftsstelle, Peterssteinweg 14, im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl oder unter der Ticket-Hotline 0800 / 2181 050 (gebührenfrei) im Angebot.

 

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