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"Es werden Tränen rollen" - Philipp Weber im Abschieds-Interview

SC DHfK Leipzig "Es werden Tränen rollen" - Philipp Weber im Abschieds-Interview

Philipp Weber (23) erhält keinen neuen Vertrag und verlässt nach drei Jahren den SC DHfK Leipzig. "Diese Nachricht war schockierend", sagt er im Interview mit LVZ.de. Am kommenden Sonntag verabschiedet er sich beim seinem letzten Heimspiel von den Fans.

Philipp Weber verlässt den SC DHfK Leipzig.

Quelle: Christrian Modla

Leipzig. Wie schwer fällt Ihnen am Sonntag der Abschied vom SC DHfK Leipzig?

Das wird hoch emotional und die eine oder andere Träne dürfte rollen. Ich werde das Spiel genießen und mich von den Fans verabschieden. Leipzig war etwas Besonderes für mich und ich hatte auch einen großen Anteil daran, dass der Verein so schnell wachsen konnte, das stimmt mich sehr positiv.

Der SC DHfK hat bereits im vergangenen Dezember verkündet, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird. Können Sie diesen Schritt aus heutiger Sicht verstehen?

Ich hätte mir im Vorfeld ein klärendes Gespräch gewünscht. Da hätte man mir sagen können: Wir wollen dies und das von Dir sehen. Die Nachricht, dass mein Vertrag nicht verlängert wird, war für mich schockierend. Wer weiß, vielleicht war die Entscheidung aber im Nachhinein für mich persönlich auch gut. Möglicherweise wäre ich in den vergangenen Monaten sonst nicht so meinen Weg gegangen.

Trainer Christian Prokop hatte seine Gründe, er wollte Sie stärker als Führungsspieler sehen.

Ich kann ihn sicher etwas verstehen. In der vergangenen Saison habe ich überragend gespielt. In den ersten Spielen der 1. Bundesliga konnte ich dann nicht so Fuß fassen und meine Leistung wie gewohnt abliefern. Klar, dass es dann auch beim Trainer Bedenken gibt. Die Mannschaft hat anschließend in meiner Verletzungspause auch ohne mich funktioniert und ihre Punkte geholt.

Haben Sie in der Rückrunde etwas im Training bei sich verändert?

Nichts Großes. Ich habe weiter Gas gegeben und dann kamen auch wieder bessere Partien. Da wächst das Selbstvertrauen. Ich wollte mir auch nichts nachsagen lassen. Zum Saisonende sollte niemand vom Verein erklären: Wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Ich wollte beweisen, dass es ein Fehler war, nicht mit mir zu verlängern. Das hat mich gepusht. In der Rückrunde habe ich auch bewiesen, dass ich ein Führungsspieler sein kann.

Sind Sie vom Verein wegen der Trennung enttäuscht?

Ich bin etwas traurig, habe meine Freundin in Leipzig und wäre gern geblieben. Dem Verein habe ich viel zu verdanken. Er hat mich in einer Phase aus Magdeburg geholt, als meine Profikarriere am Scheideweg stand. Ich musste schließlich zweimal an der Schulter operiert werden. Es ist unglaublich, dass ich heute wieder Handball spielen kann. Deshalb bin ich auch nicht enttäuscht.

Wer hat Sie beim SC DHfK am stärksten geprägt?

Da ist natürlich an erster Stelle der Trainer. Christian Prokop kannte ich aus Magdeburg und dadurch auch seine Trainingsmethoden. Es gibt auch einige Persönlichkeiten in der Mannschaft, die mich auf den richtigen Weg gebracht haben. Philipp Pöter und Bastian Roscheck zogen mich im Training immer mit, wenn es mal nicht so lief. Die Drei haben mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin.

Welches waren Ihre persönlichen Höhepunkte in dieser Saison?

Was wir geleistet haben, hat niemand von uns erwartet. Die beiden Siege gegen Magdeburg waren für mich natürlich etwas Besonderes. Von den Emotionen her war es das Größte, was ein Handballer erleben kann. Auch der Sieg gegen die Füchse und mein Siebenmeter in der letzten Sekunde beim VfL Gummersbach bleiben für mich unvergesslich.

Sie gehen nun nach Wetzlar, gab es auch andere Angebote?

Als das Ende in Leipzig klar war, stand ich im ständigen Kontakt mit meinem Berater. Ich wollte unbedingt in der 1. Bundesliga bleiben. Es lagen mehrere lukrative Angebote vor. In Wetzlar war ich dann gleich Feuer und Flamme. Trainer und Geschäftsführer wollten unbedingt mit mir zusammenarbeiten. Die Sache war innerhalb von zwei Tagen durch.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Philipp Pöter mit nach Wetzlar geht?

Das macht mir den Einstieg leichter. Außerdem kenne ich Stefan Kneer schon aus Magdeburg. Mit Philipp habe ich eine enge Freundschaft aufgebaut und wir wohnen künftig auch im selben Haus. Dadurch wird es für uns beide einfacherer.

Ihre Freundin Anne Hubinger spielt beim HC Leipzig. Wie leben Sie künftig in einer Fernbeziehung?

Uns war von Anfang an klar, dass so eine Phase irgendwann kommen wird. Handball spielen wir nur ein Drittel des Lebens. Danach sind für uns noch viele gemeinsame Jahre offen. Etwas Besseres als den HCL findet Anne nicht. Mir hinterher zu wechseln, macht keinen Sinn. Es wird für uns nicht einfach, drei Stunden Entfernung sind aber auch nicht die Welt.

Weber feiert Pokalsieg

Philipp Weber feiert mit seiner Freundin Anne Hubinger den Pokalsieg des HC Leipzig.

Quelle: Picture Point

Sie haben dafür extra den Führerschein gemacht.

Das stimmt. Es hat bei mir etwas gedauert. Mit 18 Jahren habe ich schon einmal damit begonnen. Durch meine Schulteroperationen musste ich aber immer wieder aufhören. Im letzten Jahr habe ich einen neuen Anlauf genommen, dann kam meine Ellenbogenverletzung dazwischen. Ich wollte schon ganz aufhören, weil ich während der Fahrschule immer gesundheitlich Pech hatte. Nach der Entscheidung für Wetzlar führte aber kein Weg vorbei. Seit vier Wochen habe ich jetzt auch ein Auto.

Bald geht es in den Urlaub. Welche Pläne haben Sie?

Mit der Mannschaft fliegen wir nach dem letzten Spiel nach Ibiza. Danach folgt unser Urlaub auf Kreta und anschließend ein Besuch des Coldplay-Konzerts in Berlin. Die letzte Woche verbringen wir bei Annes Eltern an der Ostsee.

Interview: Matthias Roth

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