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Gemischte Sauna, Lemgo und Abati - die emotionale Reise des SC DHfK Leipzig in Liga 1

Gemischte Sauna, Lemgo und Abati - die emotionale Reise des SC DHfK Leipzig in Liga 1

Der Aufstieg ist geschafft. Hinter den Verantwortlichen um Manager Maik Gottas und Geschäftsführer Karsten Günther (Foto oben) liegt ein harter Weg, mit Erfolgen und Rückschlägen, Enttäuschungen und Überraschungen.

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Vom DHfK-Kapitän zum Nothelfer

Der Star und der Kapitän: Joel Abati (links) und Thomas Oehlrich feiern nach dem Sieg gegen Dessau 2011 den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Quelle: dpa

Leipzig. Vor allem haben die beiden Macher gemeinsam mit Spielern und Helfern ganz viele Emotionen erlebt. Das sind die bewegendsten  Momente auf dem Weg in die Beletage des deutschen Handballs.

Die Historie

seit 1954:

 Seit der Vereinsgründung des SC DHfK besteht auch die Sektion Handball. Von 1959 bis 1962 gewinnt die Mannschaft vier DDR-Meistertitel in Folge. Zwei weitere Meisterschaften folgen 1965 und 1966. Das Jahr 1966 wird zum bisher erfolgreichsten der DHfK-Handballer. Im Finale des Europapokals der Landesmeister besiegen sie Honved Budapest mit 16:14.

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Der erste Star des SC DHfK: Paul Tiedemann.

Quelle: dpa

Der Star jener Tage heißt Paul Tiedemann. Er wird 1980 als DDR-Nationaltrainer auch noch Olympiasieger. Die Handballer des SC DHfK werden 1975 aus dem Verein ausgegliedert und in das Leistungszentrum um den SC Leipzig überführt. Der SC Leipzig, der zuvor bereits neben dem SC DHfK existierte und 1972 auch schon DDR-Meister wurde, ist nun die unangefochtene Nummer 1 in Leipzig. Es folgen 1976 und 1979 weitere nationale Titel. Zahlreiche Spieler wie Peter Rost, Lothar Döring oder Peter Hofmann schaffen den Sprung in die Nationalmannschaft. Der SC DHfK gründet 1993 seine Handball-Abteilung neu und lockt auch Spieler des SC Leipzig an. Der SCL wird 1993 aufgelöst. Es folgen zwei Jahre in der 2. Bundesliga. Nach dem Abstieg wird die Abteilung wegen finanziellen Problemen ebenfalls wieder aufgelöst.

Der Neustart

Anfang März 2007:

 170 Handballer verlassen mit einem Schlag MoGoNo Leipzig und schließen sich dem SC DHfK an. Am Stadion des Friedens sehen sie für Leistungssport keine Zukunft. Stattdessen wollen sie am Sportforum richtig durchstarten. Das ehrgeizige Ziel des Viertligisten: 2016 soll ein Startplatz im internationalen Wettbewerb her. Dann jährt sich der Titelgewinn des SC DHfK im Vorläufer der Champions League zum 50. Mal.

TBV Lemgo

19. September 2007:

 Das riecht nach großer weiter Handball-Welt. In der zweiten Runde des DHB-Pokals ist der TBV Lemgo in der Ernst-Grube-Halle zu Gast. Der Erstligist hat fünf deutsche Weltmeister im Kader. Die 1500 Zuschauer reiben sich verwundert die Augen. In der ersten Halbzeit hält der Viertligist aus Leipzig mit und führt sogar mit 12:10.

Allein Rechtsaußen Maik Wolf legt den Lemgoern drei Bälle ins Netz. „Das war einer der Höhepunkte in meiner Karriere“, so Wolf heute, dessen Trikot bisher als einziges in der vereinsinternen Hall of Fame unter dem Arena-Dach hängt. Am Ende gewinnt der Favorit dennoch mit 37:21 deutlich und lobt den Gegner. „Es wäre schön, wenn der Weg der Leipziger nach oben führen würde“, meint Weltmeister Michael Kraus damals. In der kommenden Saison sieht der heutige Göppingener die Leipziger nun wieder. „Das Spiel hat im Umfeld eine Begeisterung ausgelöst, da haben wir Blut geleckt“, erinnert sich Karsten Günther.

Prestige-Erfolg und Engpass

25. November 2007:

 Zunächst muss der SC DHfK aber die Tippel-Tappel-Tour beschreiten. In der Oberliga trifft die Mannschaft auch auf die Stadtrivalen der SG LVB, die zwischenzeitlich als HSC starten. Gemeinsamen Plänen für eine höherklassige Mannschaft in Leipzig hatten die Straßenbahner zuvor eine Abfuhr erteilt. In der Sporthalle Brüderstraße erzielt der heutige Geschäftsstellen-Leiter Uwe Kirchhoff vier Sekunden vor Abpfiff den Siegtreffer zum 27:26 für den SC DHfK. „Mein einziger Treffer in dem Spiel“, so Kirchhoff.

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Wurde hart in die Zange genommen, traf aber trotzdem: Uwe Kirchhoff (Zweiter v.l.).

Quelle: Christian Modla

In der Tabelle gibt es dafür auch nur zwei Punkte, fürs Image in der Stadt war der Erfolg aber enorm wichtig. „Für mich ist der Sieg noch sehr präsent“, so Günther. Profistrukturen fehlen zu diesem Zeitpunkt aber noch auf weiten Strecken. Ein Beispiel: Für ein Punktspiel steht plötzlich nur noch der dritte Torhüter zur Verfügung. Stammkeeper Stephan Sárközi bekommt zuvor einen Geburtstagsbesuch bei seiner Oma genehmigt, Vertreter Helmuts Tihanovs verletzt sich danach in der Kabine beim Herumblödeln mit Duschbad an den Augen. Heute undenkbar. 

Der Rückschlag

Saison 2008/2009:

 Der SC DHfK steigt am Ende seiner ersten Oberliga-Saison trotzdem auf und spielt nun in der Regionalliga Süd. Gegen die Mannschaften aus Süddeutschland haben die Leipziger allerdings keine Chance. „Wir waren überfordert und noch nicht so weit“, sagt Günther. Der heute 33-Jährige gibt sein Traineramt nach wenigen Spielen auf. Routinier Wolfgang Pötzsch hat auf der Bank aber auch kein Glück. Am Ende führt Ex-Spieler und Student Sven Strübin als dritter Coach die Mannschaft und steigt schließlich ab. „Das hat uns trotzdem gut getan, da haben wir uns die Hörner abgestoßen“, so Geschäftsführer Günther.

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Masayuki Ishiguro.

Quelle: Archiv

Tränenreicher Abschied: Der japanische Publikumsliebling Masayuki Ishiguro geht nach der Spielzeit zurück in seine Heimat und hat in Fernost jede Menge zu erzählen. Eine seine Anekdoten: „Überraschend war für mich die gemischte Sauna im Fitness-Studio. Das kannte ich von zu Hause nicht“, wundert sich der Japaner auch noch Jahre später.

Kretzsche kommt

24. November 2009:

 Diese Personalie sorgt deutschlandweit für Aufsehen. Stefan Kretzschmar heuert nach seinem Ende als Sportdirektor des SC Magdeburg beim Aufsichtsrat des SC DHfK an. Den Kontakt stellt sein väterlicher Freund Klaus Franke her, einst selbst beim SC DHfK als Torhüter aktiv und Kumpel von Kretzsches Vater Peter. „Wir haben uns dann über unser Projekt unterhalten und die Stadt angeschaut“, berichtet Günther.

Auf menschlicher Ebene hätten beide Seiten sofort einen Draht gefunden. „Plötzlich lag ein ganz anderer Fokus auf uns“, so der Geschäftsführer. Die späteren Verpflichtungen von Philipp Weber und auch von Trainer Christian Prokop seien ohne Kretzsche undenkbar gewesen. Bei Sponsoren öffnet er die Türen, als Fernseh-Kommentator wirbt er für seinen neuen Verein, mit seinem Fachwissen berät er die Vereinsverantwortlichen.

Neuer Versuch

Saison 2010/11:

 Nach dem sofortigen Wiederaufstieg startet der SC DHfK einen neuen Versuch in der Regionalliga. Durch die Insolvenz von Concordia Delitzsch wechseln gleich mehrere Zweitligaspieler nach Leipzig. Deren Ex-Coach Uwe Jungandreas übernimmt das Traineramt. Mit Erfolg: Die Leipziger werden souveräner Staffelsieger, müssen aber noch das Relegationsturnier mit der TSG Tarp-Wanderup und dem Dessau-Roßlauer HV überstehen.

Abati und Stojanovic helfen

Mai 2011:

 Und wieder hat Kretzsche seine Finger im Spiel: Für die beiden Relegationsspiele lockt er die Alt-Stars Joel Abati (41) und Goran Stojanovic (45) nach Leipzig. Während Stojanovic seinen Vordermann Michael Galia zu Höchstleistungen treibt, greift Abati selbst mit ein. „Das war irre, er ist schon im ersten Training explodiert und hat die Regie übernommen. Das habe ich so noch nicht gesehen, er will jede Partie gewinnen. Einige Spieler profitieren heute noch von seinem Gastspiel“, glaubt Günther. Der SC DHfK besiegt zu Hause Dessau-Roßlau und steigt in die 2. Bundesliga auf.

2. Bundesliga

2011 bis 2015:

 Vier Spielzeiten verbringt der SC DHfK in der 2. Bundesliga. Im ersten Jahr gelingt nicht nur der Klassenerhalt, sondern mit Rang fünf gleich eine dicke Überraschung. In der Saison darauf gerät der Verein in akute Abstiegsgefahr.

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Uwe Jungandreas führte den SC DHfK in die 2. Bundesliga.

Quelle: Christian Nitsche

Trainer Uwe Jungandreas muss kurz vor Saisonende gehen. Michael Biegler rettet als Feuerwehrmann die Mannschaft vor der 3. Liga, danach übernimmt Christian Prokop die Regie, baut das Team um und setzt viele junge Spieler ein. In dieser Saison entwickelt er die Mannschaft zum Ligaprimus. Im Dezember 2014 gewinnt sie im Pokal gegen Balingen-Weilstetten. „Unser erster Sieg gegen einen Erstligisten“, freut sich Günther. Allerdings folgt im März die Ernüchterung. Die Füchse Berlin zeigen den Messestädtern in der nächsten Runde deutlich die vor allem körperlichen Defizite auf. Mit Verstärkungen im Rückraum und im Tor sollen in der kommenden Saison auch solche Abwehr-Bollwerke geknackt werden.

Matthias Roth

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