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Hängepartie um DHfK-Coach Christian Prokop – „Abschied würde wehtun“

Vor dem Spiel gegen Minden Hängepartie um DHfK-Coach Christian Prokop – „Abschied würde wehtun“

Minden vor Augen den Bundestrainer im Kopf: DHfK-Coach Christian Prokop erlebt emotionale Wochen. Seine Zukunft hat sich zur Hängepartie entwickelt.

Wird er Bundestrainer? Christian Prokop
 

Quelle: Hendrik Schmidt

Leipzig.  Es ist eines der wichtigsten Spiele der Hinrunde für den SC DHfK Leipzig. Am Sonntag ist die GWD Minden in der Arena zu Gast (Anwurf 15 Uhr). Während der Pressekonferenz vor dem Spiel am Donnerstag war die Partie allerdings noch ganz weit weg.

Hauptthema der zahlreicher als gewöhnlich versammelten Journalisten: Wie sieht die Zukunft von DHfK-Coach Trainer Christian Prokop aus? Der 37-Jährige hatte am Mittwoch gegenüber LVZ.de bestätigt: Er spreche mit dem Deutschen Handballbund und das Amt des Bundestrainers sei für ihn reizvoll.

Allerdings ist der Fahrplan für die nächsten Tage und Wochen noch völlig offen. Knackpunkt bleibt die bisher nicht erfolgte Erklärung vom derzeitigen Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Der Isländer lässt nach wie vor offen, ob er weitermacht oder eine bis 31. Dezember gültige Ausstiegsklausel zieht. Aus der Personalfrage ist eine Hängepartie geworden, für den DHB und vor allem für den SC DHfK. Geschäftsführer Karsten Günther will sich deshalb gar nicht an Spekulationen beteiligen. Hauptfragen bleiben aber: Geht Prokop? Wie viel Geld rufen die Leipziger als Ablöse auf? Wer könnte Prokop im Amt auf der DHfK-Bank folgen?

Eine Sache stellte Prokop am Donnerstag klar: Er habe erst nach seiner Vertragsverlängerung bei den Grün-Weißen bis zum Jahr 2021 mit DHB-Vizepräsident Bob Hanning gesprochen. Das Werben des Handballfunktionärs hat ihn offensichtlich beeindruckt. „Es geht um das höchste Amt im deutschen Handball, dass ich mich damit beschäftige ist doch menschlich“, so Prokop. Ein Abschied aus der Messestadt würde ihm allerdings schwer fallen. „Eine Entscheidung gegen Leipzig würde mir auch wehtun“, gibt der Trainer zu.

Falten unter den Augen

Prokop überlegt seit einiger Zeit hin und her was der richtige Weg für ihn ist. Der sonst stets fitte und ausgeschlafene Familienvater trägt inzwischen kleine Falten unter den Augen. „Das kommt nicht nur von den kurzen Nächten wegen meiner beiden kleinen Kinder“, sagt er. Die Entscheidung über seine Zukunft setzt ihm zu, das plötzliche bundesweite mediale Interesse an seiner Person tut ihr Übriges. Ratgeber in diesen Tagen ist vor allem sein Vater Heinz, einst selbst Handball-Trainer in Köthen. „Die Entscheidung muss ich aber ganz allein treffen“, so Prokop junior.

Noch hoffen die Verantwortlichen beim SC DHfK auf einer Fortsetzung der so erfolgreichen Zusammenarbeit. „Es hängt alles von Dagur ab“, sind sich Günther und Prokop einig. Und auch Aufsichtsratsmitglied Stefan Kretzschmar möchte, dass alles beim Alten bleibt. „Ich hoffe, dass der DHB ernsthaft und mit aller Konsequenz alles dafür tut, um Dagur zu halten“, sagte er am Donnerstag.

Und die Mannschaft? Sie soll sich auf das Spiel gegen Minden vorbereiten und nicht ablenken lassen. „Das Thema Bundestrainer spielt aber auch bei uns eine Rolle“, gibt Rückraumspieler Maximilian Janke zu. Prokop habe offen mit seinen Schützlingen über seine momentane Situation gesprochen.

„Der Trainer hat sich die Anfrage mit seiner Arbeit hier verdient“, meint DHfK-Kapitän Lukas Binder. Für die Mannschaft sei ein möglicher Abschied von Prokop aber noch nicht greifbar. „Das steckt nicht in unseren Köpfen“, so der Außenspieler. Wechsel gehörten aber zum Geschäft.

Kein Interesse an anderen Vereinen

Der DHB pocht nicht als erster Interessent bei Prokop an. In der Vergangenheit hätten „zwei Vereinsmannschaften, die am Saisonende vor uns standen“, bei ihm angefragt. Nach LVZ-Informationen waren es der SC Magdeburg und pikanterweise die Füchse Berlin, bei denen DHB-Vize Hanning gleichzeitig auch Manager ist. Damals holte er sich bei Prokop noch einen Korb. „Andere Clubs haben mich nicht interessiert“, so der Übungsleiter. Nun scheint Hanning mehr Glück zu haben.

Bleibt abzuwarten, wie die Fans am Sonntag reagieren. Ein Bekenntnis für den Trainer von den Rängen könnten bei Prokop einen Denkprozess zumindest noch einmal anschieben. Bisher wurden 3200 Karten für das Spiel verkauft.

„Christian ist ein talentierter und akribischer Trainer, der das Team immer perfekt auf den Gegner vorbereitet. Für unser Projekt ist er ein herausragender Trainer“, sagt Kretzschmar, gab aber zu bedenken: „Das hat allerdings auch ein anderes Anforderungsprofil als das eines Nationaltrainers. Ob es dafür reicht, weiß ich nicht.“ Er und Günther wünschen sich, dass alles so bleibt, wie es ist: Sigurdsson beim DHB, Prokop in Leipzig.

Von Matthias Roth (mit dpa)

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