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Immer Vollgas: SC DHfK Leipzig startet in die neue Saison

Karsten Günther im Interview Immer Vollgas: SC DHfK Leipzig startet in die neue Saison

Am Sonntag startet der SC DHfK Leipzig in die neue Bundesliga-Saison. Vor dem Spiel gegen den Bergischen HC spricht Geschäftsführer Karsten Günther über Erwartungen, das internationale Geschäft und den Vertrag von Trainer Christian Prokop.

Am Parkett stets engagiert: Karsten Günther.

Quelle: Picture Point

Leipzig. Mit dem Heimspiel gegen den Bergischen HC gehen die Handballer des SC DHfK am morgigen Sonntag (15 Uhr, Arena) in ihre zweite Bundesliga-Saison. Die Profi-Truppe von Trainer Christian Prokop ist das Aushängeschild unter insgesamt 14 Mannschaften, die für die Grün-Weißen bei den Frauen, Männern und im Nachwuchs im Spielbetrieb stehen. Vor dem Saisonauftakt äußert sich Manager Karsten Günther (35) zu seinen Erwartungen.

Die zweite Saison nach dem Bundesliga-Aufstieg ist die schwerste. Gilt der alte Fußballer-Spruch auch im Handball?

Das kann kaum einer nachprüfen, denn die meisten Vereine sind nach dem ersten Jahr wieder abgestiegen. Die wenigen, die drin geblieben sind, wie Berlin und Hannover, haben sich kontinuierlich ins obere Drittel vorgearbeitet. Das ist auch unser Ziel.

Aber was sagt Ihr Bauchgefühl?

Man geht nicht ganz so unbeschwert ran wie im ersten Jahr. Man spürt, wie die Erwartungshaltung im Umfeld gestiegen ist. Uns allen ist klar: Wir werden auch in dieser Saison nur dann erfolgreich sein, wenn wir wieder mit der gleichen Leidenschaft in jedes Training gehen, in jeden Termin, in jedes Spiel. Fest steht: Diese Saison wird anders, schon allein, weil die Konkurrenz besonders stark ist. Ich freu mich riesig drauf!

Müssen Sie auf die Euphorie-Bremse treten?

Die Euphorie bremse ich ungern, weil sie uns nach vorn bringt. Aber ich bin Realist. Wenn man sich die Etat-Tabelle anguckt, kannst du Platz 1 bis 3, 4 bis 9 und 10 bis 18 klar ausmachen. Wir gehören in die letzte Gruppe, die eng beisammen liegt. Von diesen Vereinen ist es unser Anspruch, dass wir die Besten sein wollen.

Mit welchem Etat planen Sie genau?

3,5 Millionen Euro, das sind 700 000 mehr als vor einem Jahr. Da können wir uns nur bei der lokalen Wirtschaft bedanken, die den Weg mit uns zusammen geht. Viele wollen nah dran sein an der Mannschaft und am Erfolg, sie übernehmen Verantwortung, weil jeder Sponsor ein wichtiges Zünglein an der Waage ist. Sie tragen unsere Vision mit, Vorbilder zu entwickeln!

Hätten Sie lieber zwei große Investoren als viele kleine und mittlere Sponsoren?

Klares Nein. Die breite Basis macht uns stark. Von unseren 180 Partnern haben zum Beispiel viele spontan zugesagt, den Ausfall von Unister gemeinsam mit einer Losaktion zu kompensieren. 200 unserer 300 Lose zu 500 Euro waren nach der ersten Woche verkauft, jetzt ist Endspurt. Gleichzeitig ist es eine riesige Herausforderung, alle glücklich zu machen und weiter zu wachsen. Die Kapazität im VIP-Raum ist nicht unendlich ist und Logen gibt es auch keine in der Arena. Eine gute Lösung ist der Videowürfel, den wir punktuell schon im Frühjahr nutzen konnten. Seit vier Wochen gibt es eine gemeinsame Lösung mit dem HCL und der Stadt. Davon profitieren auch die Fechter und Leichtathleten. Ein Videowürfel gewinnt uns keine Spiele. Aber wir können damit unsere Partner super präsentieren.

Werden die Erfolge in der Kommune genügend gewürdigt? Oder sind Sie enttäuscht?

Ich bin nicht enttäuscht, aber weiter ehrgeizig. Ich weiß ja, dass viele Sportvereine gute Arbeit machen. In einer Stadt wie Lemgo bist du als Handball-Team das alleinige Aushängeschild. Eine solche Erwartungshaltung wäre in Leipzig respektlos gegenüber den anderen Vereinen. Aber die Stadt und die Wirtschaft wissen: Wir haben ein tolles Konzept vom Nachwuchs bis zu den Profis, wir präsentieren Leipzig in der „stärksten Liga der Welt“ und schicken die Leute häufig glücklich und stolz nach Hause.

Haben Sie die Saison punktemäßig mal durchgerechnet?

Diesmal nicht. Die vergangene Saison hat schon gezeigt, dass zu viele Überraschungen lauern. Total happy wäre ich, wenn wir so viele Zähler einfahren wie letztes Jahr. Unsere Basis sind 24 Punkte für den Klassenerhalt. Wir wollen uns in Spielen gegen direkte Kontrahenten noch steigern, brauchen dazu wieder eine positive Grundstimmung. Wir sollten aber nichts als selbstverständlich ansehen, uns zum Beispiel auch mal über ein Unentschieden gegen Wetzlar freuen. Und auch die 4000 Zuschauer der vergangenen Saison sind nicht selbstverständlich. Wir kämpfen um jeden Einzelnen, haben dafür den Nahverkehr in die Tickets eingebunden, ziehen Schulaktionen mit der Allianz durch, haben Werbekampagnen in ganz Sachsen oder in Halle gestartet.

Wann kämpft der SC DHfK ums internationale Geschäft?

Ich hoffe, bevor meine Tochter das Abi macht. Aber die kommt gerade in die Schule. Darüber sollten wir uns Gedanken machen, wenn wir zwei, drei Jahre in der Bundesliga drin geblieben sind.

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Kader?

Es war nicht leicht, Spieler zu finden, die uns vorwärts bringen, da die woanders auch international spielen könnten. Doch „Roje“ oder auch Europameister Niclas Pieczkowski haben sich für uns und zugleich für den Trainer und das Entwicklungspotenzial unseres Teams entschieden. Mit den insgesamt vier Neuzugängen haben wir an Erfahrung, körperlicher Präsenz und Durchschlagskraft zugelegt. Wir haben eine ausgeglichene Mannschaft und ein gutes Gerüst an Jungs, die sich mittelfristig mit uns in der Liga etablieren können. Jetzt muss sich zeigen, wer in den Spielen die Verantwortung übernimmt. Das heißt nicht, zehn Mal aufs Tor zu kacheln, sondern unser Spielsystem durchzuziehen.

Wollen Sie Trainer Christian Prokop über 2018 hinaus halten?

Die Verlängerung ist jetzt schon ein Thema, aber der Fokus liegt auf dem Saisonstart, da haben wir alle den Kopf voll mit anderen Sachen. Wir werden noch viele gute gemeinsame Jahre erleben. Der Coach passt zu uns wie die Faust aufs Auge.

Wie nahe gehen Ihnen die gesundheitlichen Probleme Ihres Ex-Spielers Philipp Pöter, der für Ihren Pokal-Gegner Wetzlar lange ausfällt?
Bei so einer Meldung horcht man auf und nimmt sofort den Hörer in die Hand. Er hat im Sommer sehr um den Anschluss nach seiner Verletzung gekämpft. Er ist ein Kämpfer und wird auch diese Situation hinbekommen.

Haben Sie mit dem Bergischen HC einen dankbaren Auftaktgegner erwischt?

Das ist die völlig falsche Formulierung. Es wird das erste von 12 bis 14 Finalspielen. Unser Gegner ist mega eingespielt, hat eine Bomben-Rückrunde hingelegt. Der Bergische HC kommt als Wolf im Schafspelz – oder besser als Löwe im Schafspelz. Voriges Jahr war die Situation anders. Da hieß es: Mal sehen, wie wir uns gegen den großen HSV Hamburg schlagen. Auch gegen den Ber-gischen HC wären wir damals Außenseiter gewesen. Wichtig ist, dass wirVollgas geben und ans Limit gehen. Bei uns muss von Anfang an Schmackesdrin sein. Nur, wenn du immer ans Li-mit gehst, verschieben sich auch Grenzen.

Interview: Frank Schober, Uwe Köster

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