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Karsten Günther: „Wir können die Realitäten nicht ausblenden“

Handballbundesliga Karsten Günther: „Wir können die Realitäten nicht ausblenden“

Bleibt Christian Prokop Trainer vom SC DHfK, wechselt er an die Spitze der Nationalmannschaft oder übt er künftig beide Jobs aus? Die öffentliche Nachfolgersuche für Bundestrainer Sigurdsson hat die Leipziger verstimmt. Im Interview sagt Geschäftsführer Karsten Günther, warum er weiter zum Coach hält und zuversichtlich ist für die Partie am Sonnntag gegen Wetzlar.

SC DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther im Interview mit der Leipziger Volkszeitung

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erst hatte Christian Prokop beim Deutschen Handballbund abgesagt, ehe der DHfK-Trainer am Mittwoch doch sein Interesse am Bundestrainer-Amt bekundete. Nach turbulenten Tagen spricht DHfK-Handball-Geschäftsführer Karsten Günther (35) seinem Coach im LVZ-Interview das volle Vertrauen aus und lenkt den Fokus auf die kommenden wichtigen Partien wie das Heimspiel am Sonntag (15 Uhr, Arena) gegen die HSG Wetzlar.

Wie empfanden Sie die vergangenen Tage und Stunden?

Es war eine sehr ereignisreiche Woche. Ich sehe das aber nicht negativ, es passiert halt sehr viel. Wir spielen eine tolle Saison, stehen im Pokal-Viertelfinale und in der oberen Tabellenregion. Das alles hat dazu beigetragen, dass der Name von Christian Prokop auf der Liste der Bundestrainer-Kandidaten weit oben steht. Der Druck, der auf unseren Verein und vor allem auf Christian ausgeübt wurde, war immens. Ich finde es unfair, dass die Trainersuche in einer wochenlangen öffentlichen Debatte stattfindet. Das spitzt sich darin zu, dass immer noch mit einem weiteren Kandidaten kokettiert wird. Jetzt geht es darum, dass die Gespräche im Büro und nicht in der Öffentlichkeit stattfinden.

Ihr Coach hat nicht immer eine glückliche Figur abgegeben.

Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Er stand über Wochen extrem unter Druck und total im öffentlichen Fokus. Keiner ist frei von Fehlern. Wir brechen nicht den Stab über ihn. Er ist weiterhin Teil der DHfK-Familie. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir halten zusammen und gehen gemeinsam da durch. Wir lassen nicht zu, dass von außen ein Keil reingetrieben wird.

Viele sagen: Beim DFB und bei RB hätte es so ein öffentliches Casting nie gegeben. Ist der Handball nicht professionell genug?

Ich möchte da niemandem zu nahe treten und hätte mir natürlich gewünscht, dass man anders damit umgeht. Auch für uns ist es eine lehrreiche Zeit, in Zukunft sind wir auf solche Situationen besser vorbereitet.

Wie geht es weiter?

Aktuell sind wir in der glücklichen Situation, dass wir einen starken Trainer haben, der nichts machen wird, was uns schadet. Mein Vertrauen in Christian ist ungebrochen. Noch ist nicht entschieden, dass er bald weg ist. Das ist eine Möglichkeit und ein Wunsch. Unser Konzept und unser Spielerkader ist auf unseren Trainer zugeschnitten. Da ist es nicht so einfach zu wechseln. Klar: Keiner ist unersetzlich, auch ich nicht. Ob Christian geht oder bleibt, das werden die Gespräche der kommenden Wochen zeigen.

Der DHB sieht keine Eile. Aber müsste die Entscheidung nicht doch in diesem Jahr fallen?

Alle, die dem Handball verbunden sind, wollen nicht mehr ewig über dieses eine Thema reden.

Befassen Sie sich schon mit möglichen Nachfolgern?

Wir können die Realitäten nicht ausblenden – und müssen uns daher ab Montag Gedanken machen und die Frage stellen: Gibt es Kandidaten, die in unsere Philosophie passen? Stand heute können wir dem Wunsch nicht entsprechen und ihn gehen lassen. Selbst wenn jemand mit dem großen Koffer voller Geld kommt: Ein großer Koffer kann nicht die Mannschaft trainieren.

Ist eine Zwei-Ämter-Lösung vorstellbar?

Von dieser Möglichkeit war ich sehr überrascht, weil immer die Rede davon ist, wie viel Zeit der Bundestrainer auch bei Spielen und anderen Veranstaltungen verbringen muss. Ich kenne keine konkreten Überlegungen des DHB, wie er sich das vorstellt – und will mir nicht anmaßen zu sagen, was ein Bundestrainer alles leisten muss. Aber ich weiß, welches Pensum unser Trainer abliefert. Die Stärke von Christian ist, dass er akribisch jede Stunde für den Verein nutzt. Da fehlt mir die Fantasie, wie das mit zwei Ämtern gehen soll. Dennoch gehen wir ergebnisoffen in die Gespräche.

Und wenn Sie sich mit dem DHB einigen?

Dann wird sich an den Grundprinzipien des SC DHfK nichts ändern. Wir wollen weiter Vorbilder für die Jugend entwickeln und uns mit Teamgeist, Leidenschaft und viel Akribie in der „stärksten Liga der Welt“ etablieren. Hier haben wir eine Verantwortung gegenüber dem Verein, den Mitarbeitern und dem Handball-Standort Leipzig.

Die Gemüter sind erhitzt. Welche Reaktionen Ihrer wichtigsten Partner und der Fans haben Sie direkt erreicht?

Der Grundtenor lautet: Wir haben eine stabile Basis, eine tolle Mannschaft, ein tolles Umfeld – wir werden das meistern. Das macht schon stolz. Nun gilt es mehr denn je, Geschlossenheit zu zeigen. Wir leben von Emotionen, die müssen wir wie bisher in positive Energie umwandeln und allen klar machen, dass wir uns von externen Störmanövern nicht beeindrucken lassen.

Befürchten Sie, dass die vielen wichtige Spiele Ihres Teams im Dezember unter der jetzigen Debatte leiden?

Ich komme gerade aus einer Mannschaftssitzung und bin fest davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Unsere Spieler sind so ehrgeizig und motiviert, dass sie die nächsten Spiele unbedingt ziehen und gerade vor unseren Fans ganz besonders stark auftreten wollen. Sie wollen zeigen, was sie aus den beiden Spitzenspielen im Norden gelernt haben und immer besser werden.

Haben Sie vor dem Sonntag-Spiel gegen Wetzlar Bauchschmerzen?

Nein. Klar kommt ein sehr starker Gegner. Im Pokal sah es lange so aus, als bekämen wir es nicht hin. Dann haben wir in den letzten 20 Minuten den Turbo gezündet. Wir haben eine Mannschaft, die in dieser Saison super an ihren Aufgaben gewachsen ist. Der Ticketverkauf brummt ohne Ende. Es wird eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre, auf die ich mich riesig freue.

Interview: Frank Schober, Matthias Roth, Anton Zirk

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