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Kretzsche: „Wir sind nicht der SC Suizid Leipzig“ – Kampf um Christian Prokop

Suche nach dem Bundestrainer Kretzsche: „Wir sind nicht der SC Suizid Leipzig“ – Kampf um Christian Prokop

Wie geht es mit DHfK-Trainer Christian Prokop weiter? Im Moment ist alles offen. Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar will den Coach nicht kurzfristig ziehen lassen. "Wir sind doch nicht der SC Suizid Leipzig", sagt er.

Findet markige Worte: Stefan Kretzschmar.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. „Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren“, sagt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther am Donnerstagvormittag. Nach der Erklärung von Trainer Christian Prokop am Vorabend in Flensburg ist dessen Zukunft weiter unklar. Fest steht nur: Der 37-Jährige möchte auch Bundestrainer werden. Vieles deutet auf eine Doppelfunktion hin. „Jetzt gilt es die Gedanken zu sammeln“, so Günther. Bis zuletzt hatten die Grün-Weißen auf einen endgültigen Verbleib ihres Trainers gehofft. Bis zur Pressekonferenz am späten Mittwochabend schien das auch sicher.

Eskalation vermeiden

Der Deutsche Handballbund (DHB)  und der SC DHfK Leipzig müssen sich jetzt an einen Tisch setzen und über eine Lösung beraten. Rein formell sitzt der Verein am längeren Hebel, weil der Trainer einen gültigen Vertrag bei den Grün-Weißen bis 2021 besitzt. An einer Eskalation der Situation hat im Moment keine Seite ein Interesse.

Prokop hat in der Nacht zum Donnerstag kaum geschlafen, die Entwicklung um seine Person wühlte ihn auf. „Bei der Rückfahrt war es sehr ruhig im Bus“, so der Trainer. In den zurückliegenden Tagen ist er durch ein Gefühlsbad gegangen. Vergangene Woche sagte er dem DHB ab und informierte auch die Mannschaft über seinen Verbleib in Leipzig. Das bestätigte der 37-Jährige gegenüber LVZ.de. Die Sympathiebekundungen beim Minden-Spiel mit vielen Emotionen und das hartnäckige Ringen von Verein, Mannschaft und Fans hätten den Ausschlag für die Grün-Weißen und den zwischenzeitlichen Korb an den DHB gegeben, sagt der Coach.

Umdenken wegen Doppelamt

Zu diesem Zeitpunkt gab es für Prokop aber nur die Möglichkeiten, sich entweder für den SC DHfK oder den DHB zu entscheiden. Eine Kompromisslösung war nicht vorgesehen. „Der DHB hat sich dann weiter um mich bemüht“, berichtet Prokop gegenüber LVZ.de. Anfang der Woche präsentierte der Verband seinem Wunschkandidaten ein neues Angebot. Er könne beide Teams coachen: seinen Herzensverein in Leipzig und die deutsche Auswahl. „Diese Doppelfunktion hat noch einmal zum Umdenken geführt“, sagt Prokop. Es sei der einzige Grund gewesen, sich erneut mit dem Amt des Bundestrainers zu befassen und letztlich dafür auch zu entscheiden. Nun liege das letzte Wort nicht mehr in seinen Händen. Verein und DHB müssten sich einigen.

Christian Prokop bei der Pressekonferenz in Flensburg.

Christian Prokop bei der Pressekonferenz in Flensburg.

Quelle: Rainer Justen

Und hier sind neue Klippen bereits deutlich zu erkennen. „Ich gehe davon aus, dass Christian auch in der Saison 2017/18 unser Trainer bleibt“, sagt DHfK-Aufsichtsratsmitglied Stefan Kretzschmar gegenüber LVZ.de. Der Markt für hervorragende Trainer sei nicht besonders groß, ein Plan B existiere nicht. Und markig merkt Kretzschmar an: „Wir sind nicht der SC Suizid Leipzig, wir sind der SC DHfK Leipzig.“ Mit anderen Worten: Ein Abgang Prokops wäre kurzfristig nicht zu kompensieren.

Kritik am DHB

Inzwischen gerät auch der DHB selbst wegen der Art und Weise der Trainersuche in die Kritik. „Es ist kein guter Stil, Leipzig so in Aufruhr und so unter Druck zu setzen“, meint der ehemalige Nationalspieler Daniel Stephan. Beim Verband sollte man sich „mit Äußerungen in der Öffentlichkeit etwas zurückhalten, denn wenn man mit dem SC DHfK  keine Einigung erziele, dann wäre der kommende Bundestrainer anscheinend nicht die erste Wahl, so Stephan.

Auch Kretzschmar sieht ein Imageproblem auf den Verband zukommen. Er bezeichnete das momentane Vorgehen bei der Bundestrainersuche als „unprofessionell“. Die Anerkennung, die sich der deutsche Handball durch den Europameistertitel und Olympia-Bronze aufgebaut habe, werde jetzt unnötig wieder eingerissen.

Liste mit drei Kandidaten

Im Augenblick ist nicht einmal gesagt, ob sich der DHB überhaupt noch für Prokop entscheidet.  „Wir hatten eine Liste mit drei A-Kandidaten, zwei davon haben wir durchbekommen“, sagt DHB-Vize Bob  Hanning. Dritter Anwärter auf die Nachfolge von Dagur Sigurdsson, der sein Amt nach der WM im Januar 2017 auf eigenen Wunsch abgibt, war der Däne Ulrik Wilbek. „Er hat aber abgesagt“, berichtet Hanning.

Nun befasst sich der DHB nur noch mit Prokop und Baur. „Wir haben zwei A-Kandidaten und werden ganz ohne Hektik mit beiden transparent reden“, kündigt Hanning weitere Gespräche an.

Für die Leipziger geht derweil das Tagesgeschäft weiter. „Wir müssen uns jetzt durchschütteln und den Kopf frei kriegen“, fordert Günther. Am Sonntag ist die HSG Wetzlar zum nächsten Bundesliga  in der Arena zu Gast (Anwurf 15 Uhr). Die Vorbereitung auf das schwere Spiel wird durch das Gerangel um den Übungsleiter nicht einfacher.

Matthias Roth (mit dpa und sid)

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