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Kretzschmar: „Der SCM hat die ostdeutsche Mauer wieder hochgezogen“

Vor dem Derby gegen den SC DHfK Leipzig Kretzschmar: „Der SCM hat die ostdeutsche Mauer wieder hochgezogen“

Dieses Ostduell gab es in der Bundesliga noch nie: SC DHfK Leipzig gegen den SC Magdeburg. DHfK-Aufsichtsrat und SCM-Legende Stefan Kretzschmar findet vor dem Spiel markige Worte. Einen sympathischen Gegner erwartet er nicht.

DHfK-Aufsichtsrat und SCM-Legende Stefan Kretzschmar. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Diese Mannschaft ist das Aushängeschild des Handball-Ostens, füllt bundesweit die Hallen und sorgt bei Live-Übertragungen für Top-Quoten: Der SC Magdeburg wird von seinen Fans abgöttisch geliebt und von den Gegnern gefürchtet. Mehr als 6000 Zuschauer feuern den DDR-Rekordmeister im Schnitt bei Heimspielen an.

Wie wichtig solche Fans im Rücken sind, hat das Spiel am vergangenen Sonntag gegen die Rhein-Neckar-Löwen gezeigt. Schon vor der Partie wurden da die Schiedsrichter mit einem lautstarken Pfeifkonzert begrüßt. Persönlich haben die Zuschauer nichts gegen die Unparteiischen, das Ritual soll einzig dem eigenen Team helfen. Am vergangenen Sonntag wurde der SCM zumindest nicht von den Unparteiischen benachteiligt, die knappe Niederlage musste sich die Mannschaft selbst zuschreiben.

„Wir werden am Mittwoch keinen sympathischen SCM bekommen“, sagt DHfK-Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar. Leipzig spielt um 19 Uhr in der heimischen Arena gegen die Bördeländer. „Magdeburg wird aggressiv und konzentriert ins Spiel gehen und keine Ostgeschenke verteilen“, so der 42-Jährige. Besonders vor der Abwehr warnt der ehemalige Nationalspieler. Dort stehen erfahrene Größen wie Fabian van Olphen, Zeljko Musa, Jacob Bagersted oder Michael Haaß. Körperlich schätzt er diesen Block noch kompakter als die schon wuchtige Deckung von MT Melsungen vor einer Woche ein. „Der SCM hat die ostdeutsche Mauer in der Bördelandhalle wieder hochgezogen“, formuliert Kretzschmar launig und meint damit die nahezu undurchlässige Formation.

Für den ehemaligen Magdeburger ist der SCM noch immer der „geilste Verein der Welt“. „Ich habe dort zwölf Jahre gespielt, die Meisterschaft und die Champions League gewonnen, unter dem Hallendach hängt mein Trikot. Ich werde mit dem Verein den Rest meines Lebens verbunden sein“, so Kretzschmar. Kaum weniger spektakulär: Mit dem SC DHfK sei er als Aufsichtsrat in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Mehr Emotionen gehen für Kretzschmar vor einem Bundesligaspiel nicht. Für Sport 1 wird er die Partie live kommentieren.

Doch auch am Mittwoch gilt die alte Weisheit: Jedes Spiel will erst gespielt werden. Und gerade gegen kleinere Teams tat sich der SCM in der Vergangenheit gern einmal schwer. Zuletzt gewannen die Elbestädter nur mit 29:28 beim TuS Nettelstedt-Lübbecke. „Wir müssen Zähne zeigen, den Respekt ablegen und dagegen halten“, fordert DHfK-Trainer Christian Prokop. Seine Taktik will er nicht verraten. Eine offensive Deckung, wie sie die Rhein-Neckar-Löwen in Magdeburg erfolgreich bevorzugt haben, dürfte für den Aufsteiger nicht in Frage kommen. Prokop hat diese Variante in Berlin versucht und seine Spieler wurden von den Füchse teilweise einfach umkurvt.

Torhüter Felix Storbeck beschäftigt sich in den kommenden beiden Tagen intensiv mit den Wurfbildern des Gegners. Vor allem der dänische Neuzugang Michael Damgaard hat mit seinen sechs Tore gegen die Rhein-Neckar-Löwen beeindruckt. Mit ihren Schlussleuten waren die Leipziger in Berlin nicht zufrieden. „Um gegen die großen Teams eine Chancen zu haben, muss alles stimmen“, meint Kretzschmar. Storbeck kennt Magdeburg bestens, war dort auf dem Handballinternat und schaffte es sogar zu einem sechsminütigen Kurzeinsatz in der 1. Bundesliga. „Ich freue mich besonders auf meinen alten Kumpel Matthias Musche. Wir werden uns ein Privatduell liefern“, so Storbeck.

Im Vorfeld hat der SC DHfK bereits 4500 Karten verkauft, 6000 Plätze fasst die Halle. „Der SCM bringt viele Zuschauer mit. Unsere Fans sollen alles, was Krach macht, mitbringen und dagegen halten“, wünscht sich DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.

Sollte der SCM die Partie dennoch gewinnen, wäre das für Kretzschmar kein Problem und eine erste Krise schon gar nicht. „Wer gedacht hat, dass wir nach dem Sieg gegen den HSV schon in der Bundesliga angekommen sind, liegt falsch. Es geht für uns in jedem Spiel ums Überleben. Wir spielen gegen den Abstieg, das ist unser Ziel, aber auch unser Limit“, glaubt der ehemalige Weltklasse-Linksaußen. Die wichtigen Aufgaben folgen nach dem SC Magdeburg. Dann geht es gegen die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt aus Stuttgart, Lemgo und Gummersbach.

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