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Mit Campino und Marteria: So will Stefan Kretzschmar Handball populärer machen

Neue Bundesligasaison Mit Campino und Marteria: So will Stefan Kretzschmar Handball populärer machen

Stefan Kretzschmar ist das Gesicht des deutschen Handballs. Bei Sky bekommt er jetzt eine neue Talkrunde. Vor dem ersten Spieltag blickt er auf die neue Bundesligasaison.

Stefan Kretzschmar bekommt bei Sky ein neues Format.

Quelle: Sky

Berlin. Viele Menschen sind nicht gerade glücklich darüber, dass Handball nunmehr im Pay-TV läuft. Sie?

Als Spieler haben wir damals kritisiert: Mensch, wir brauchen im Fernsehen ein Magazin, Highlights und es wäre doch ganz lässig, wenn es einen Handball-Talk gäbe. Jetzt gibt es das.

Handball findet deswegen donnerstags am Abend und Sonntag mitunter 12.30 Uhr statt ...

... es ist typisch deutsch, immer erst mal alles schlecht zu machen. Wir müssen aber ehrlich sein: Fußball ist die Nummer eins. Daneben mussten wir ein Fenster finden. Mir ist auch bewusst, dass es manchmal grenzwertig wird für die Teams, die Donnerstag ranmüssen und am Sonnabend Champions League spielen. Aber endlich ist es Sonntag mal so, dass dann 17 Uhr ein Fazit gezogen werden kann, weil bis dahin alle Bundesligaspiele durch sind.

Genau dann startet ihr Talk. Wer kommt?

Immer drei Gäste. Andy Wolff, Andy Schmid und Andy Thiel an diesem Sonntag. Campino später, Kurt Krömer, Martteria. Christoph Metzelder würd’ ich gern begrüßen. Heribert Bruchhagen oder Markus Gisdol. Wir wollen auch mal über den Tellerrand hinausschauen, um so zu sehen, ob wir uns zu wichtig nehmen. Für die Show in Leipzig (10. September) ist eine Bundestrainerrunde geplant. Mit Jogi Löw. Er hat abgesagt, mit der Begründung, dass er in keine Talk-Shows geht. Es kommen Michael Biegler und Christian Prokop. Jogi hätte gut gepasst.

Biegler übernimmt DHfK in sechs Monaten. André Haber macht es bis dahin. Ideal?

Prinzipiell nicht. Stell dir mal vor, wir sind nach der Hinrunde Sechster. Da stehen alle Fans da und sagen, jetzt wollen wir den Trainer wechseln? Das wäre ein denkbar ungünstiger Einstieg für Biegler. Andererseits, wenn der Junge ein paar Negativerlebnisse hat, kommt Biegler als Feuerwehrmann ins Gespräch. Aber mein Wunschtrainer, als uns Prokop weggenommen wurde, war immer Biegler. Er ist strittig, aber großartig. André Haber ist ein sehr, sehr vielversprechender Trainer. Unsere Perspektive ist so: Er ist durch die Prokop-Schule gegangen. Wenn er durch Bieglers geht, wäre er der perfekte Cheftrainer.

Was kann er von Biegler lernen, im Gegensatz zu Prokop?

Unterschiedlicher können Trainer nicht sein. Prokop ist jemand, der auf eine sehr flache Hierarchie Wert legt, der sich sehr ans taktische Konzept hält, der sehr beweglich verteidigen lässt. Biegler ist jemand, der eine Hierarchie benötigt, der seine Führungsspieler hat und eine körperlich sehr robuste 6:0-Formation bevorzugt. Beide haben eine völlig unterschiedliche Ansprache an die Mannschaft. ,Beagle’ kommt mehr über Emotionen, Prokop ist der nüchterne, analytische Trainer. Was beide gemein haben, ist eine unheimliche Innovation im Trainingsprozess.

Stichwort Hierarchie in der Mannschaft. Die hat sich verändert. Jens Vortmann hat als Kapitän Lukas Binder abgelöst. Verständlich?

Binder ist der emotionale Typ und wird weiterhin die Ansprachen in der Kabine halten, um das Team einzuschwören. Das war das Erste, was Jens nach seiner Wahl gesagt hat. Es ist tatsächlich so, dass André nicht wie Prokop den Kapitän bestimmt, sondern ihn wählen lassen hat. Vortmann ist ein sehr intelligenter Typ. Er hat sich etabliert, einen guten Draht zur Führungsetage und spricht auch mal was an, was nicht so bequem ist.

Zufrieden mit der Vorbereitung der Leipziger?

Quervergleiche in der Vorbereitung sind für den Arsch. Wir haben uns auch im Pokalspiel gegen Hagen schwer getan und auch für den Sieg gegen Magdeburg kaufen wir uns in einer Woche nix mehr. Aber wir haben zumindest gesehen, wer gut funktioniert. Dass die Verstärkungen Verstärkungen sind. Bei Weber war klar, dass er ein gewisses Niveau hat. Kunkel kann in ein paar Jahren einer der besten Außen Deutschlands sein. Unsere Achillesferse wird die bewegliche Abwehr sein. Wir leben von ihr. Das gleiche gilt übrigens auch für die Nationalmannschaft. Wenn wir mal meinen, wir müssten mal mit angezogener Handbremse spielen, dann haben wir keine Chance. Bei uns gibt es nur 100 Prozent. So, wie Kiel oder Flensburg irgendwie das Ding gewinnen können, so weit sind wir noch lange nicht.

Sind die beiden Vereine Ihre Favoriten?

Wenn ich wetten müsste, würde ich auf die Kieler setzen. Weil sie die Spielmacherposition von Duvnjak adäquat mit Zarabec abgesichert haben. Auf allen anderen Positionen sind sie sowieso Weltklasse besetzt. Ich sehe in diesem Jahr eher einen Sechskampf. Es sind nicht nur die großen drei – Kiel, Flensburg und Rhein-Neckar-Löwen. Melsungen, Berlin und Magdeburg gehören auch dazu.

Und der SC DHfK?

Vergangene Saison waren wir Achter. Fürs zweite Jahr Bundesliga herausragend. Wenn du immer im Flow bist, musst du wissen, irgendwann kommt mal eine Zeit, wo es nicht so gut läuft. Wir haben in diesem Jahr die stärkste Leipziger Mannschaft, die wir jemals hatten. Wenn wir am Ende wieder einstellig sind, würde ich mich freuen. Unser Ziel ist es, mehr Zuschauer anzulocken. Aber da merkst du den Nachbar RB Leipzig schon. Der normale Sportfan kann sich Fußball und Handball an einem Tag nicht leisten. Die Euphorie der RB-Fans ist riesig. Zurecht.

Profitieren Sie von der Pleite des HCL?

Es klingt arrogant, aber im letzten und vorletzten Jahr hat der HCL, was die Zuschauer angeht, keine große Rolle mehr gespielt. Ich finde die Pleite tragisch, weil der HCL viele Jahre das Vorzeigeteam war. Meine Tochter Lucie spielt da. Der Weg 3. Liga mit Eigengewächsen ist sympathisch.

Hatten Sie keine Bauchschmerzen, Ihre Tochter weiter beim HCL zu lassen?

Sie hatte Angebote. Aber meine Tochter ist 17. Sie macht noch zwei Jahre Abitur, warum soll sie da für Halle oder Rödertal spielen? Für sie ist es genau die richtige Liga. In der 3. Liga gegen robuste Mädels zu spielen und den nächsten Schritt zu machen.

Eigentlich wäre sie jetzt sogar Europameisterin gewesen …

... sie hat sich im letzten Spiel der EM-Vorbereitung drei Bänder gerissen. Vor dem Finale haben wir gefacetimt, danach nicht wieder. Das sagt viel. Sie hat das ihren Mädels gegönnt. Aber ich kenne das selber, wenn du zuguckst und deine Mannschaft Europameister wird. Du freust dich, aber es ist undankbar, weil du hättest dabei sein können. Sie muss erstmal fit werden und dann arbeitet sie sich wieder ran.

Zurück zu den Herren der Schöpfung. Wer geht nach der Saison in die 2. Liga?

Alle, die vergangene Saison die Liga gehalten haben, können durchatmen. Ich halte Friesenheim und Hüttenberg für nicht stark genug, die Liga zu halten. Das soll für die beiden Teams aber nicht emotionskillend klingen.

Interview: Alexander Bley

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