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„Mit RB wird es nicht einfacher“ – SC DHfK Leipzig setzt zum Sprung in die 1. Bundesliga an

„Mit RB wird es nicht einfacher“ – SC DHfK Leipzig setzt zum Sprung in die 1. Bundesliga an

„Es ist besser, dass es mit dem Aufstieg noch nicht geklappt hat.“ Karsten Günther (33), Geschäftsführer der DHfK-Zweitligahandballer zieht im Interview mit LVZ-Online eine Bilanz der abgelaufenen Saison, blickt auf die neue Spielzeit voraus und spricht über die unmittelbare Nachbarschaft zu RB Leipzig.

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Geschäftsführer Karsten Günther.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Der Strippenzieher ist inzwischen auch in die Gremien der Handball-Bundesliga aufgestiegen und sitzt nun im Präsidium.

Karsten Günther:

 Jetzt steht gerade die harte Saisonvorbereitung an, da bleibt keine Zeit für Erholung. Ich hatte aber schon zehn Tage Urlaub, war mit der Familie auf Mallorca, um die Akkus aufzuladen. Jetzt geben wir wieder Vollgas.

Die Mannschaft trainiert seit zwei Wochen wieder, welchen Eindruck machen die Neuzugänge?

Der Eindruck ist sehr, sehr positiv. Die vier Profis Michael Quist, Marc Pechstein, Felix Storbeck und Philipp Pöter haben sich super integriert und geben teilweise auch schon den Takt vor. Unsere drei Nachwuchsspieler Franz Semper, Sebastian Naumann und Sebastian Greß merken den Unterschied bei der Belastung, legen sich aber mächtig ins Zeug. Der Trainer ist sehr zufrieden, wie sie sich präsentieren.

Der SC DHfK setzt gleich auf drei A-Jugendspieler im Rückraum. Haben die Talente gegen gestandene Zweitligaprofis schon eine Chance?

Es ist nicht so, dass sie im Training hinten herunterfallen. Das macht uns schon Mut, dass sie sich den einen oder anderen Einsatz verdienen werden. Wir haben im rechten Rückraum mit Max Emanuel aktuell nur einen Linkshänder. Er verpasst auch noch die Vorbereitung, weil er mit dem DHB unterwegs ist. Das ist für die Jungs eine Chance, sich anzubieten.

Alexander Feld hat keinen neuen Vertrag erhalten und gerade beim HSV Hamburg in der 1. Bundesliga unterschrieben. Matthias Gerlich spielt für die ambitionierten Coburger und Max Jonsson wechselt nach Frankreich. Warum hat es für die Drei nicht mehr beim SC DHfK Leipzig gereicht?

Da muss man jeden Fall einzeln betrachten. Alex Feld hatte Philipp Weber sportlich vor sich. Wir wollten auf der Position nicht mit zwei gleichen Spielertypen agieren. Deshalb haben wir den erfahrenen Philipp Pöter geholt, er soll die Mannschaft in kritischen Phasen führen. Für Hamburg kann man Alex nur alles Gute wünschen, das ist eine Wahnsinnschance. Manchmal kommt es wirklich verrückt. Matthias Gerlich hat seine Führungsrolle aus dem Abstiegskampf im Jahr danach beim neuen Trainer nicht mehr eingenommen, sicherlich weil der Coach ein anderes Anforderungsprofil an die Spieler hat. Matthias war mit seiner Einsatzzeit unzufrieden, wir mit seiner Leistung. Da war eine neue Herausforderung in Coburg der beste Weg. Max Jonsson hat in der letzten Saison nur drei richtig gute Halbzeiten gespielt, der Rest war sehr fehlerbehaftet sodass er kaum Einsatzzeiten hatte. Hinzu kam, dass er als Profi auch finanziell nicht besonders günstig war. Wir haben uns schon frühzeitig mit ihm darüber unterhalten. In Nancy ist Max jetzt die Nummer eins.

Der SC DHfK hätte in der vergangenen Saison mit einem Sieg mehr auf dem Konto den Aufstieg perfekt gemacht. Im Nachhinein: Ärgert Sie die verpasste Chance oder wäre der Schritt zu früh gekommen?

Wenn ich ehrlich bin und jetzt das Adrenalin wieder raus ist aus dem Körper: Es ist besser, dass es noch nicht geklappt hat. Natürlich sind wir ehrgeizig und hätten uns auch über den Erfolg gefreut. Es wäre aber ein Drahtseilakt geworden, die Mannschaft auf so ein Niveau zu heben, damit sie auch in der 1. Bundesliga bleibt.

Dennoch: Die Fans dürften mit einer Zielstellung einstelliger Tabellenplatz kaum zufrieden sein. Sind die Ränge eins bis drei das Saisonziel?

Wir wollen unser Ziel gar nicht am Tabellenplatz festmachen. Eine Weiterentwicklung der Mannschaft muss sichtbar sein, das muss sich auch in Statistiken widerspiegeln. Wenn am Ende drei Mannschaften über den Dingen stehen sollten und wir haben nur zwei Minuspunkte mehr, mache ich keinem einen Vorwurf. Wichtig ist, dass wir den nächsten Schritt nach vorn machen und auch zuhause eine Macht werden.

Absteiger Eisenach hat das Team zusammengehalten, Großwallstadt hat ordentlich nachgebessert. Wer sind die Favoriten im Aufstiegskampf für Sie?

Eisenach ist für mich der Topfavorit. Sie haben sich sogar noch verstärkt. Danach folgen Emsdetten, Großwallstadt, Nordhorn, Bittenfeld und auch wir. Diese Teams werden um die beiden anderen Aufstiegsplätze kämpfen.

Das Auftaktprogramm hat es für den SC DHfK in sich: Bittenfeld im Pokal und drei Tage danach auch noch im Punktspiel, Essen und Aue heißen die nächsten Gegner. Hätte es zum Start leichter sein dürfen?

Die Diskussion über den Spielplan haben wir doch jedes Jahr. Er ist, wie er ist. Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, müssen wir möglichst jedes Spiel gewinnen. Es ist aber richtig, wir haben einen attraktiven Auftakt.

Mit welchem Etat gehen Sie in die neue Saison?

Der Etat bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich. Wir haben im vergangenen Jahr erheblich in den Nachwuchs investiert. Der Lohn war der Deutsche Meistertitel unserer B-Jugend. Der Gesamtetat der neuen Saison liegt für Nachwuchs und Profis gemeinsam wieder bei rund 1,4 Millionen Euro.

RB Leipzig ist aufgestiegen und lockt mit attraktiven Gegnern die Zuschauer zum Fußball. Bleiben die anderen Leipziger Mannschaften jetzt auf der Strecke?

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Soll mit Spitzen-Handball die Arena füllen: DHfK-Trainer Christian Prokop.

Quelle: Christian Nitsche

Es wird auf jeden Fall nicht einfacher mit einem Fußball-Zweitligisten in der eigenen Stadt. Wir haben letztes Jahr schon die berechtigte Euphorie bei RB gespürt, viele Zuschauer kamen auch von außerhalb. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir mit unserer attraktiven Sportart und den Ambitionen die Arena Leipzig zu Beben bringen können. Das wichtigste dafür ist eine erfolgreiche Mannschaft.

Die erste Bundesliga geht nach dem Lizenzstreit um den HSV Hamburg mit 19 Teams in die neue Spielzeit. Nur zwei Mannschaften sind abgestiegen. Ein Vorteil für die Spitzenteams in Liga zwei?

Das ist sicher kein Nachteil. Wenn Balingen noch zusätzlich in der Liga wäre, hätten wir einen richtigen Hochkaräter vor der Nase. Für die Spitzenteams ist es nun etwas leichter.

Wie sehr hat der Lizenzstreit dem Handball in den vergangenen Wochen geschadet?

Für den Handball war es eine Katastrophe. Die Spielplanung und die Außenwirkung waren keine gute. Jetzt müssen wir die Weichen so stellen, damit sich so ein Fall wie mit Hamburg nicht wiederholt.

Sie sind gerade ins Präsidium der Handball-Bundesliga gewählt worden. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Ich bin von den Zweitligisten nominiert worden, um ihre Interessen zu vertreten. Alle acht Mitglieder im Präsidium sind sich aber einig, insgesamt für den Handball die besten Lösungen zu finden. Das genaue Aufgabenspektrum erarbeiten wir gerade.

Was bedeutet so eine Funktion für den SC DHfK?

Ich bin jetzt enger an der Informationsfindung dran. Die Aufgaben in der HBL und im Verein muss man aber trennen. Es geht nicht darum, Vorteile für den SC DHfK zu ziehen. Wir können uns nun aber aktiv einbringen, damit es im Handball insgesamt vorwärts geht. Wenn das gelingt, werden wir auch in Leipzig positive Effekte spüren.

Interview: Matthias Roth

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