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Prokop offiziell neuer Bundestrainer - DHB gibt Biegler nicht für Leipzig frei

SC DHfK Leipzig Prokop offiziell neuer Bundestrainer - DHB gibt Biegler nicht für Leipzig frei

Es war keine Überraschung mehr: Bei einer Pressekonferenz am Freitagabend wurde Christian Prokop offiziell als neuer Bundestrainer vorgestellt. SC-DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther ist über den Weggang des langjährigen Leipziger Trainers immer noch unglücklich.

Handschlag zum Abschied: Christian Prokop (rechts) verlässt Leipzig um künftig die Nationalmannschaft zu trainieren. SC-DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther (links) konnte sich über Aufstieg seines Freundes noch nicht freuen.

Quelle: Christian Prokop

Leipzig. Eine Überraschung ist es nicht mehr. Christian Prokop, Trainer des SC DHfK Leipzig, übernimmt ab 1. Juli den vakanten Posten des Handballbundestrainers. Als DHB-Präsident Andreas Michelmann und sein Vize Bob Hanning am Freitagabend auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Rahmen des DKB All Star Games die frohe Botschaft überbringen, ist niemand mehr erstaunt. Bereits am Vormittag, als das DHB-Präsidium zur Causa tagte, war die Entscheidung durchgesickert.

Hanning konnte so nur noch Details liefern. „Christian wird bei den beiden Qualifikationsspielen im Juni auf jeden Fall bereits auf der Bank Platz nehmen. Ob das auch im Mai der Fall sein wird, hängt von der dann herrschenden sportlichen Situation beim SC DHfK ab“, so der für den Leistungssport verantwortliche Funktionär. Beim im März anstehenden Freundschaftsspiel wolle man sich „selbst helfen“. „Wir sind sehr glücklich, dass die Entscheidung nun doch schneller gefallen ist, als es in den vergangenen Tagen zu erwarten war.“ Prokop erhalte einen Fünf-Jahres-Vertrag „ohne Netz und doppelten Boden“, sprich ohne Ausstiegsklausel. Eine solche hatte die Bundestrainerdebatte ja erst entfacht, als Dagur Sigurdsson von ihr Gebrauch machte.

Christian Prokop selbst, der nur eine gute Stunde nach der offiziellen Verkündung seines Wechsels das DKB All Star Team betreute, gab sich demütig. „Dass ich heute hier sitze, habe ich dem SC DHfK zu verdanken. Dreieinhalb Jahre lang hat mir hier niemand Stöcke zwischen die Beine geworfen. Ich konnte in Ruhe eine junge Mannschaft entwickeln. Erst durch ihre Leistung ist man auf mich aufmerksam geworden.“

Möglich, dass diese Worte dem ebenfalls im Podium sitzenden SC-DHfK-Geschäftsführer, noch einmal ganz besonders das Dilemma der vergangenen Wochen vor Augen führten. Karsten Günther war unter den Anwesenden der Einzige, der sich kein Lächeln abringen konnte. „Ich bin ehrlich. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Natürlich sind wir, bin ich, wahnsinnig stolz auf Christian. Wir sind durch mehr verbunden als einen Arbeitsvertrag.“ Gleichzeitig sei Prokops Weggang aber auch ein absoluter Verlust für den Verein. „Mein Lächeln wird irgendwann zurückkehren. Heute fällt es zu schwer.“

Wieviel der Deutsche Handball-Bund sich das Engagement von Prokop kosten lässt, ließen sich die Anwesenden nicht entlocken. Stattdessen war wahlweise von „schwieriger und langer Suche“, „nicht einfachen, manchmal kontroversen Verhandlungen“ und einem Club die Rede, der „hart um seinen Trainer gekämpft hat“. Von 500.000 Euro war im Vorfeld die Rede. „Wir haben diese Zahl nie bestätigt“, sagte Günther am Freitagabend und schob mit Grabesstimme hinterher: „Es gibt kein Geld der Welt, das aufwiegt, was wir verlieren.“

Ausdrücklich nicht Bestandteil des Deals zwischen dem SC DHfK und dem DHB ist die Personalie Michael Biegler. Der betreut derzeit die deutschen Frauen, gilt aber auch als Wunsch-Kandidat dafür die Prokop-Nachfolge in Leipzig. „Unser Präsident hat von Anfang an gesagt, dass die Frauen-WM im eigenen Land im Dezember absolute Priorität genießt“, so Bob Hanning, der damit auch einer möglichen Doppel-Funktion eine Absage erteilte. „Er hat eine Einbeziehung von Michael Biegler in die Verhandlungen immer abgelehnt. Hätte der SC DHfK darauf bestanden, wäre das für uns ein KO-Kriterium gewesen.“

Antje Henselin-Rudolph

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