Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

SC DHFK
Google+ Instagram YouTube
SCM-Manager Schmedt: "In Leipzig erleben wir ein Familientreffen"

Interview mit LVZ.de SCM-Manager Schmedt: "In Leipzig erleben wir ein Familientreffen"

Marc-Henrik Schmedt führt seit 2010 als Geschäftsführer die Geschicke des SC Magdeburg. Unter seiner Regie ging es beim Traditionsverein aus der Börde wieder bergauf. Vor dem Gastspiel am Mittwoch beim SC DHfK spricht er im Interview mit LVZ.de über seinen Erfolgsweg und die Chancen der Leipziger.

SCM-Geschäftsführer Marc Schmedt.

Quelle: dpa

Magdeburg/Leipzig. Marc-Henrik Schmedt kam nach einer Banklehre 1991 nach Magdeburg. Der Rheinländer arbeitete zunächst bei einer Privatbank und wechselte später zur Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Seit 2010 ist er Geschäftsführer des SC Magdeburg.

Frage: Herr Schmedt, Leipzig gegen Magdeburg lautete die Ansetzung in der ersten Liga zuletzt vor 24 Jahren. Am letzten Spieltag  der DDR-Oberliga gewann der damalige SC Leipzig mit 23:18, der SCM feierte dafür den Meistertitel. Welche Bedeutung hat die Begegnung heute, ist es nur eine schöne Ansetzung für Handball-Nostalgiker?

Schmedt: Ich finde zunächst einmal, das Leipzig ein sensationeller Standort ist. Neulinge wie der SC DHfK oder auch Stuttgart bereichern die Szene. In Leipzig erleben wir am Mittwoch auch ein stückweit ein Familientreffen, schließlich wurden fünf Spieler bei uns ausgebildet. Ich hoffe, dass sich Leipzig in der Bundesliga hält und ein starker Standort wird.

Zwischen dem SC DHfK und dem SC Magdeburg liegen Welten. Am deutlichsten wird das bei einem Blick auf den Etat: Sechs  Millionen Euro bei Ihnen stehen rund 2,4 Millionen Euro in Leipzig gegenüber. Wie begeistern Sie Sponsoren für den Club und wer sind die Geldgeber?

Die sechs Millionen Euro bei uns wurden kolportiert. Wir selbst geben keine Etatzahlen mehr heraus. Man kann ohnehin nur die Spieleretats miteinander vergleichen. Es gibt viele weitere Komponenten die einen Etat weiter aufblähen können. Ich schätze, wir liegen in der Bundesliga wirtschaftlich auf dem fünften oder sechsten Rang. Handball ist an jedem Standort eine regionale Veranstaltung. Natürlich sind wir in Magdeburg in einer strukturschwachen Region unterwegs, wir haben aber eine unheimliche Reputation in der Fläche. Allein unser Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen haben 375.000 Zuschauer im Fernsehen verfolgt. Sie kommen in erster Linie aus den neuen Bundesländern. Wenn Sie an jedem Bundesligastandort einen Zirkel einstechen würden und so den Radius der Handballinteressierten bestimmen würden, behaupte ich, der Kreis um Magdeburg wäre am größten.  Wenn die großen Konzerne fehlen, muss man viel im vier- und fünfstelligen Bereich akquirieren. Das gelingt uns ganz gut, wir haben gerade unseren fünften VIP-Raum eröffnet und jetzt Platz für 800 Partner. Der IHK-Bezirk in Magdeburg verfügt über 50.000 Mitglieder  Unternehmen, davon haben wir 350 bei uns. Ganz platt gesprochen bleiben noch 49.650 übrig.

In Ihren  Marketingaktivitäten wählen Sie auch ungewöhnliche Wege, etwa durch die  Kooperation mit Fußball-Erstligist VfL Wolfsburg. Was steckt dahinter und was bringt das beiden Vereinen?

Wir haben in der letzten Saison zusammengearbeitet, das ist richtig. Es ging um Themen der Corporate Social Responsibility (Unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft, Anm. d. Redaktion). Uns macht es nicht dümmer, wenn wir uns informieren, wie manche Dinge im Fußball funktionieren. Die VfL wollte zudem seine Aktivitäten über die Landesgrenzen von Niedersachsen hinaus kommunizieren. Interessant sind auch die Aufgaben für die Zukunft, wenn der Fußball möglicherweise komplett zum Pay-TV abwandert. Vielleicht hat der  Handball dann die Chance, sich wieder für die Öffentlich-Rechtlichen zu positionieren.

Geir Sveinsson

SCM-Trainer Geir Sveinsson.

Quelle: dpa

Sie haben 2010 die Geschäftsführung in einer schwierigen Zeit in Magdeburg übernommen. Die Mannschaft schnitt in der Saison gerade mit Platz elf so schlecht wie noch nie in der 1. Bundesliga ab, dazu kam eine bedrohliche Schuldenlast. Wie haben Sie den SC Magdeburg zurück in die Erfolgsspur geführt?

Das war damals eine schwierige Zeit mit vielen Personalveränderungen. Ich glaube, dass mein Partner Steffen Stiebler und ich grundsätzlich  an den Standort geglaubt haben.  Auch in den schlechtesten Zeiten sind noch mehr als 4.000 Zuschauer zu uns gekommen. Das zeigt die Grundsubstanz, die da ist. Es wurden die Strukturen geändert und zum Beispiel das Präsidium neu besetzt und massiv bei der Verwaltung eingespart. In einem Traditionsverein sind über die Jahre viele Dinge gewachsen. Jeder wollte, dass sich etwas ändert nur nicht in seinem Bereich.  Da sind wir in aller Klarheit durch die Wand gegangen und haben gesagt: Wollen wir weiter um Platz zwölf spielen oder stellen wir feste Regeln auf. Das betraf kleine Dinge, wie den Zugang zum VIP-Raum und hörte bei der Überprüfung von Dienstleistern auf.

Die Zuschauer haben den Weg längst wieder in die Halle gefunden, fast 6200 Fans wollten vergangene Saison die Spiele im Schnitt sehen. Nebenan im Stadion wirbt der 1. FC Magdeburg ebenfalls um Besucher. Wie ist das Verhältnis zwischen beiden Vereinen und kann der Fußball zur Bedrohung für den Handball werden?

Das Verhältnis ist gut, die Spieler besuchen sich gegenseitig und die Verantwortlichen sprechen miteinander. Es ist für beide Mannschaften Platz da. Schwierig wäre es, wenn wir auch Fußball spielen würden. Ich werde einen eingefleischten Fußballfan nicht dazu bewegen, zu uns zu wechseln. Wirtschaftlich sind zum Beispiel die Werbemöglichkeiten ganz unterschiedlich. Wir haben zu jedem Spiel einen neuen Brustsponsor, der FCM muss das mit einem Unternehmen stemmen. Bodenaufkleber sind auf dem Rasen auch schwer zu platzieren und zudem sind wir eine Hallensportart und damit nicht vom Wetter abhängig. Ich muss vor allem aber sehen, dass mein Produkt immer attraktiv bleibt. Im Moment gelingt das beiden Vereinen. Wir hatten 2010 zusammen vielleicht 3800 Dauerkarten. Heute haben beide Clubs gemeinsam rund 10.000 Saisontickets verkauft.

Heute gehört der SC Magdeburg  wieder zu den Spitzenteams in Deutschland und tritt auch im Europapokal an. Was ist für den SCM sportlich in dieser Saison möglich?

Wir hatten letzte Saison mit dem vierten Platz und dem Pokalfinale ein hervorragendes Jahr. Wenn uns das wieder gelingt, hätten wir schon eine Menge geschafft. Im Dezember kommt dann der Europapokal dazu, da wollen wir auch soweit wie möglich kommen. Die ersten drei Klubs in der Bundesliga mit Kiel, Flensburg und den Rhein-Neckar-Löwen sind noch zu weit weg. Dann kommen Mannschaften wie Magdeburg, Melsungen, Hannover, Göppingen und Berlin. Sie werden die Plätze vier bis acht untereinander ausmachen.

Robert Weber (li.) und Zeljko Musa und bedanken sich bei den Fans.

Robert Weber (li.) und Zeljko Musa und bedanken sich bei den Fans.

Quelle: dpa

Sie haben es angesprochen, beim SC DHfK Leipzig spielen heute fünf Jungs, die in Magdeburg ausgebildet wurden. Dazu kommt Trainer Christian Prokop, der ebenfalls schon bei Ihnen gearbeitet hat. Wie könnte die Zusammenarbeit beider Vereine in der Zukunft aussehen?

Wir haben keine Kooperationsvereinbarung und es funktioniert gut. Ich tue mich immer schwer, Dinge festzuschreiben, sie müssen sich ergeben. Kein Problem habe ich damit, wenn ein Spieler aus unserer zweiten Mannschaft sagt: Ich gehe jetzt nach Leipzig, wenn er den Sprung bei uns noch nicht schafft. Er findet beim SC DHfK ein gutes Umfeld und einen guten Trainer, das passt. Leipzig wird in dieser Saison aber auch den Druck haben, die Klasse zu halten und braucht hier sicher eine Kombination aus Nachwuchs und Erfahrung. Da ist es die Frage: Kann ich auf einen 18- oder 19-Jährigen setzen?

Philipp Weber gehört zu den großen Stützen in Leipzig. Haben Sie nie daran gedacht, ihn zum SCM zurückzuholen?

Philipp Weber ist ein interessanter Spieler, das ist doch gar keine Frage. Das jemand, der seine Ausbildung  in Magdeburg gemacht und über einen Stallgeruch verfügt, einen Bonus hat, ist doch klar. So ein Mann ist für uns immer hoch interessant. Wenn man sieht, was unser Torhüter Dario Quenstedt am Sonntag gegen die Rhein-Neckar-Löwen geleistet hat, dann war für ihn der Umweg über Nettelstedt zurück nach Magdeburg sinnvoll. Aktuell gibt es zwar kein Angebot für Philipp Weber, wir beobachten aber den Markt.

Der SC Magdeburg ist ein Besuchermagnet. Voraussichtlich werden bis zu 6000 Zuschauer am Mittwoch in der Arena sein. Was erwarten Sie für ein Spiel und was trauen Sie dem Aufsteiger aus Leipzig zu?

Leipzig kann uns ärgern, definitiv. Wir müssen das Spiel vom Sonntag aus den Köpfen bekommen und haben das hoffentlich schon geschafft.  Je früher am Mittwoch klare Fronten herrschen, desto besser. Wenn Leipzig die Partie aber lange offen hält und wir uns Nachlässigkeiten erlauben, dann kann der Schuss nach hinten losgehen.

Interview: Matthias Roth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News