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Sigurdsson verlässt DHB-Auswahl – Tauziehen um Leipzigs Christian Prokop

Handball Sigurdsson verlässt DHB-Auswahl – Tauziehen um Leipzigs Christian Prokop

DHB-Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat sich entschieden: Der Isländer verlässt die Auswahl nach der WM 2017, teilte der Handball-Verband am Dienstag mit. Das macht den Verbleib von Christian Prokop in Leipzig nicht einfacher.

Dagur Sigurdsson wird das DHB-Team verlassen. (Archivfoto)
 

Quelle: dpa

Leipzig/Berlin. Nun ist es also offiziell: Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson beendet nach der Weltmeisterschaft im kommenden Januar seine Tätigkeit beim Deutschen Handballbund (DHB). Der Isländer sagt Ende Januar „Bless!“, wie Auf Wiedersehen in seiner Heimatsprache heißt. „Jetzt wissen alle Bescheid, und wir können uns mit aller Energie auf die WM konzentrieren“, so Sigurdsson.

Der 43-Jährige soll künftig die japanische Handball-Auswahl auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten. Sigurdsson betreute die DHB-Mannschaft als Nachfolger des erfolglosen Martin Heuberger seit August 2014. Zuvor war er Vereinstrainer des Bundesligisten Füchse Berlin. Unter seiner Führung wurde das deutsche Team im vergangenen Jahr bei der EM in Polen Europameister und ließ in diesem Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Bronzemedaille folgen.

In Leipzig haben die Verantwortlichen die Entscheidung am Dienstagmorgen zur Kenntnis genommen ohne aber in hektischen Aktionismus zu verfallen. Seit Wochen ist bekannt, dass DHB-Vizepräsident Bob Hanning um die Dienste von DHfK-Coach Christian Prokop buhlt. Der 37-Jährige hat Interesse am höchsten deutschen Trainerjob bekundet. Das Problem: Prokop verlängerte erst wenige Tage vor Hannings Anfrage seinen Vertrag in Leipzig bis 2021 ohne Ausstiegsklausel.

Der SC DHfK könnte aus rein juristischer Sicht also den Daumen nach unten senken und auf Erfüllung des Kontraktes pochen. So ticken die Grün-Weißen aber nicht. Sie pflegen auch in der Führungsetage ein offenes, nahezu familiäres Verhältnis und sprechen über alle Möglichkeiten. Dennoch gilt: „Wir möchten Christian gern behalten“, so Geschäftsführer Karsten Günther. Die Worte nach der Vertragsverlängerung hallen noch immer nach. Beide Seiten bekundeten, noch viel miteinander vor zu haben. Prokop erklärte später aber auch: „Es geht um das höchste Amt im deutschen Handball, dass ich mich damit beschäftige ist doch menschlich.“

DHfK-Geschäftsführer: Wir kämpfen weiter um den Trainer

Ein Abschied aus Leipzig wäre mit einer Ablösesumme verbunden. Bei einem noch fast fünf Jahre gültigen Vertrag müsste der DHB ordentlich in die Tasche greifen. Bisher liegt allerdings keine offizielle Anfrage beim SC DHfK vor. „Wir warten erstmal ab und kämpfen weiter um den Trainer“, sagte Günther am Dienstagmorgen. Deshalb sei auch kein Fax mit einer konkreten Transfersumme für Prokop vorformuliert. Über mögliche Beträge äußert sich derzeit niemand.

Auch der DHB gibt sich im Augenblick betont gelassen. Wann und wie die Stelle des Bundestrainers neubesetzt wird, „entscheiden wir mit Ruhe und Bedacht“, betonte Hanning. „Wir wollen eine optimal zur konzeptionellen Ausrichtung des Deutschen Handballbundes passende Person engagieren – dabei geht Qualität vor Tempo. Der mit zwei Siegen gegen Portugal und die Schweiz gelungene Start in die Qualifikation zur EHF Euro 2018 gibt uns zusätzliche Zeit.“ Erst im Mai 2017 stehen gegen Slowenien die nächsten Pflichtspiele in der Qualifikation auf dem Programm. Ein möglicher Wechsel von Prokop ist nach Informationen von LVZ.de ohnehin erst für den kommenden Sommer vorgesehen.

Neben den bestätigten Kontakten zwischen dem DHB und Prokop wird ein zweiter Name nach wie vor hoch gehandelt: Markus Baur. „Es ist inzwischen ganz normal: Wenn irgendwo ein Trainerposten frei wird – auch wenn es ein Bundestrainer-Posten ist – dann steht auf einmal Markus Baur dabei“, sagte der Coach des TVB Stuttgart zuletzt im SWR. Er fügte an, er habe beim TVB „einen sehr interessanten Job“, weshalb er sich keine Gedanken mache, „solange keine Gespräche stattgefunden haben“. Denkbar ist, dass Hanning hinter den Kulissen auch mit weiteren Kandidaten verhandelt. Von einer Findungskommission beim DHB war in den vergangenen Wochen die Rede, ohne aber konkret zu sagen, wer neben Hanning darin mitarbeitet.

Die Fans des SC DHfK hatten am Sonntag vor, während und nach dem Spiel gegen GWD Minden ein eindeutiges Bekenntnis für Christian Prokop abgegeben. Hundertfach hielten sie Blätter mit den Initialen „CP“ in die Luft und riefen den Namen des Übungsleiters. Auf Transparenten war zu lesen: „Machs wie wir - bleib hier“ oder „Christian, wir brauchen Dich“. Viele Zuschauer trugen zudem einen grünen Button mit dem Schriftzug „Wir sind Pro Prokop“. Trainer und Geschäftsführer reagierten während der Aktion sichtlich gerührt und mussten in ihren Augen wischen.

Von Matthias Roth

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