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"Spornen uns mit RB Leipzig gegenseitig an" - Karsten Günther im Interview

SC DHfK Leipzig "Spornen uns mit RB Leipzig gegenseitig an" - Karsten Günther im Interview

Die Handballer des SC DHfK Leipzig heben ihren Etat für die kommende Saison auf 3,2 Millionen Euro an. Wo das Geld herkommt, welche Rolle der Nachwuchs spielt und welche Überschneidungen es mit RB Leipzig gibt, erklärt Geschäftsführer Karsten Günther im Interview.

Geschäftsführer Karsten Günther

Quelle: Christian Modla

Leipzig. 2007 starteten die Handballer beim SC DHfK ihr Projekt Bundesliga. Von Anfang an dabei ist Karsten Günther. Für den Abteilungsleiter und Geschäftsführer der Handball GmbH bleibt die Nachwuchsarbeit ein wichtiger Schwerpunkt. Zugpferd bleiben aber die Bundesligaprofis. Sie spielen am Sonnabend gegen den TVB Stuttgart (Anwurf ist um 19 Uhr).

Frage: Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, in der Arena Leipzig die große Variante zu wählen? Es würden dann 7000 statt knapp über 4000 Zuschauer Platz finden.

Karsten Günther: Darüber nachgedacht haben wir schon und dann entschieden: Es bleibt bei der bisherigen Variante. Das muss nicht immer und ewig so bleiben, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Mit dieser Variante der Halle sind wir stark geworden, alles andere ist Zukunftsmusik.

Aber nach dem EM-Triumph der Nationalmannschaft wird doch mit größeren Zuschauerzahlen gerechnet?

Es wird darauf gehofft, sicherlich, aber maßgeblich für die Zuschauerentwicklung wird weiterhin unsere Leistung sein, mit der wir bislang sehr zufrieden sind. Der aktuelle Schnitt liegt bei 4300 Zuschauern, da ist also noch Luft nach oben. Gleichzeitig sind es 2000 Besucher mehr als in der Vorsaison. Wir freuen uns, dass wir so positiv wahrgenommen werden, das zeigt sich auch in der aktuellen Fernsehpräsenz, da liegen wir mit über 22 Millionen Kontakten im Bundesliga-Ranking immerhin auf Platz vier hinter Kiel, Flensburg und Magdeburg.

Welchen Anteil haben die Zuschauereinnahmen an Ihrem Etat?

Etwa 25 Prozent. Dieser Anteil wird sich nicht grundsätzlich verändern, wenn wir in der kommenden Saison unseren Etat auf 3,2 Millionen Euro erhöhen werden.

Das ist eine halbe Millionen mehr als bislang. Haben Sie mehr Sponsoren gewonnen oder haben die bisherigen ihre Zahlungen erhöht?

Wir haben etwa 200 Sponsoren, von denen uns viele seit langem die Treue halten. Im letzten Jahr sind über 40 dazugekommen. Das zeigt, dass unsere Leistungen honoriert werden und auch das DHfK-Netzwerk sehr attraktiv ist. Engagement bei uns lohnt sich.

Warum?

Weil wir ein gutes Gesamtpaket anbieten. Jeder, der sich als Sponsor einbringt, unterstützt aktiv die Weiterentwicklung im Bundesliga- und im Nachwuchsbereich. Wir wollen mit einem erfolgreichen Bundesliga-Team Vorbilder für den Nachwuchs entwickeln und Talenten die Chance geben, einmal selbst als erfolgreicher Bundesliga- oder Nationalspieler ein Vorbild zu werden. Gleichzeitig gibt es einen aktiven Austausch unserer Sponsoren und Partner untereinander, wir können sehr attraktive Werbeflächen anbieten und, das ist das wichtigste, es macht Spaß!

RB Leipzig hat angekündigt, künftig mehr auf Sponsoren aus der Region zu setzen. Werden die Rasenballer dabei nicht den DHfK-Handballern in die Quere kommen?

Das kann in dem einen oder anderen Fall durchaus passieren, ist aber nicht schlimm. Wir haben mit RB ein sehr kollegiales Verhältnis und spornen uns gegenseitig an, immer besser zu werden. Viele Partner sind in beiden Vereinen aktiv, und auch dadurch entsteht ein guter Austausch untereinander, das passt schon.

Die jüngste lange Pause zwischen den Heimspielen machte das Ringen um Aufmerksamkeit bestimmt nicht leichter. Zuletzt hat der SC DHfK am 19. Dezember in der Arena gespielt, als gegen Lübbecke 26:24 gewonnen wurde.

Diese lange Pause ist sicher nicht ideal. Aber es hilft auch nichts, darüber zu jammern. Die Situation ist so, wie sie ist. Die Leichtathletik ist für Leipzig und die Arena sehr wichtig und mittlerweile auch wieder in unserem Verein beheimatet. Da gilt es, gemeinsame Lösungen zu finden, um für alle bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Der nötige Dialog muss jedoch schnellstens in die Gänge kommen.

Sie haben 2007 begonnen, den ambitionierten Leipziger Männerhandball beim SC DHfK zurück in die deutsche Spitze zu bringen. Staunen Sie nicht manchmal selbst darüber, wie reibungslos das geschafft wurde?

Da muss ich gleich in mehrfacher Hinsicht widersprechen. Erstens war ich zum Glück nicht alleine, sondern hatte immer engagierte Mitstreiter, die am gleichen Strang gezogen haben. Und zweitens verlief ganz gewiss nicht alles reibungslos, ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen. Wenn ich nur an die Saison 2012/13 denke, als wir fast aus der zweiten Bundesliga abgestiegen wären ... Aber das hat uns auch gelehrt, demütig zu bleiben. Rückschläge kann es im Leben immer geben, und im Sport ist erst recht nicht alles planbar. Um so wichtiger ist, dass wir wirtschaftlich und sportlich eine gute Basis haben und den Nachwuchs konsequent fördern.

Haben Sie jetzt mehr Zulauf im Nachwuchs?

Wichtig ist, dass viele Vereine mehr Zulauf haben und die Basis wieder größer wird. Da wollen wir helfen und gehen mit den Bundesligaspielern Sachsenweit in Schulen, um Handball im Sportunterricht vorzustellen. "Hand am Ball - SC DHfK macht Schule" heißt unser Projekt, am Donnerstag geht’s los, da ist Daniel Andrä, unser Kindersportkoordinator, in Taucha. An manchen Schulen gibt es keine Handbälle, so dass die Sportlehrer zwangsläufig mit unserem Sport ein Problem haben. Mit Unterstützung des Verbandes und unserer Sponsoren können wir das beheben und Bälle sowie weiteres Lehrmaterial an alle Schulen übergeben. Ziel ist es das viele Kids "Feuer fangen" und sich einem Handballverein in ihrer Stadt anschließen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit den Vereinen aus der Region?

Alles in allem bin ich zufrieden. Unsere A-Jugend trägt zum Beispiel in jedem Jahr eines ihrer Bundesliga-Spiele in Großenhain aus. Die SG Zwenkau/Leipzig in der Oberliga sowie die SG LVB in der 3. Liga haben viele unserer Jugendspieler im Kader und bieten gute Entwicklungsmöglichkeiten im Männerbereich. Seit diesem Jahr arbeiten wir auch mit dem EHV Aue zusammen, helfen uns bei der Talentsichtung und haben mit der 2. Bundesliga eine weitere Entwicklungsebene für unsere Talente im Portfolio. Wenn wir das weiter ausbauen und auch an der Basis die Kräfte noch weiter bündeln, ist mir nicht bange um den sächsischen Männerhandball.

Interview: Winfried Wächter

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