Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

SC DHFK
Google+ Instagram YouTube
THW-Coach Gislason: "In Leipzig kann alles passieren"

SC DHfK gegen Kiel THW-Coach Gislason: "In Leipzig kann alles passieren"

Für Spieler und Fans des SC DHfK Leipzig ist das Bundesligaspiel gegen den THW Kiel am Sonntag (Anpfiff 15 Uhr) in der ausverkauften Arena ein Saisonhöhepunkt. Im Interview mit LVZ.de spricht Kiels Trainer Alfred Gislason (56) über Stärken und Chancen der Leipziger, seinen Vorschlag, die Bundesliga zu verkleinern und die eigenen Aussichten in der Meisterschaft.

Kiels Trainer Alfred Gislason, hier beim Spiel seiner Mannschaft gegen Paris St. Germain im November.

Quelle: dpa

Leipzig. Herr Gislason, am Sonntag sind Sie mit dem THW Kiel in Leipzig zu Gast. Worauf werden Sie Ihre Mannschaft vor dem Spiel gegen den SC DHfK hinweisen?

Auf eine heimstarke Mannschaft und auf ein technisch starkes Team mit erfahrenen Akteuren, dessen Erfolge unter anderem gegen Hamburg und Magdeburg und zuletzt das Unentschieden gegen Wetzlar keine Zufallsprodukte waren. Und auf eine tolle Handball-Arena, in der ein begeisterungsfähiges Publikum sitzt.

Sind Sie überrascht, dass der Aufsteiger schon 15 Punkte eingesammelt hat?

Nein. Leipzig hat eine gewachsene Mannschaft, die vor dieser Saison gezielt verstärkt wurde. Hinzu kommt ein Umfeld, das den Aufstieg von langer Hand geplant hat und deswegen beim Zeitpunkt X wusste, was zu tun ist.

Mit Stefan Kretzschmar hat einer ihrer ehemaligen Spieler beim SC Magdeburg das Projekt in Leipzig mit vorangetrieben. Haben Sie noch regelmäßigen Kontakt und werden sie in dieser Woche miteinander telefonieren?

Wir haben regelmäßig Kontakt, was natürlich auch durch die hohe Zahl an Liveübertragungen unserer Spiele von Sport1 bedingt ist. Darüber hinaus wird auch ab und an telefoniert, aber ich denke nicht, dass wir das in dieser Woche tun werden …

Sie haben sich für eine Reduzierung der Bundesliga auf 16 Teams und die Aufstockung der Teams von 14 und 16 spielberechtige Akteure eingesetzt? Was steckt hinter dem Vorschlag und geht er nicht auf Kosten der kleinen Mannschaften wie Leipzig?

Es geht mir vor allem um die Gesundheit der Spieler. Das Spiel beim SC DHfK ist das 31. Pflichtspiel meiner Mannschaft seit dem Saisonbeginn am 15. August. Bei uns sind die so genannten englischen Wochen die Regel, nicht die Ausnahme. Und während der Nationalmannschafts-„Pause“ Anfang November hat ein Großteil meiner Spieler noch weitere drei Partien in drei Tagen und in allen Teilen Europas absolviert. Am Ende der Saison werden meine Top-Leute wieder rund 80 Mal für den THW Kiel und die Nationalmannschaft gespielt haben, um dann ohne großartige Pause zu den olympischen Spielen zu reisen und danach direkt wieder in den Ligabetrieb einzusteigen. Das ist nicht gesund. Die Liga ist aber nur dann international interessant, wenn hier auch die Top-Stars spielen. Ich fürchte einfach, dass diese aufgrund der Belastung einen Bogen um die Bundesliga machen werden. Um die Liga weiterhin attraktiv zu halten und die Spieler zu schützen, muss vieles auf den Prüfstand. Wir brauchen nicht jedes Jahr eine Welt- oder Europameisterschaft, und wir brauchen auch nicht immer mehr Qualifikationsturniere der Nationalmannschaften. Was wir aber sicher brauchen ist die Möglichkeit, 16 Akteure einsetzen zu können. So können die Top-Teams die enorme Belastung auf mehreren Schultern verteilen und junge Talente bekommen die Möglichkeit, durch die Arbeit mit den Profis wichtige Erfahrungen zu sammeln. In der Champions League, in der bereits jetzt 16 Spieler im Kader sein können, ist beispielsweise unser 19-jähriger Rückraumspieler Alexander Williams aus der eigenen Jugendarbeit regelmäßig dabei.

Verliert die Bundesliga derzeit an Stärke und Glanz?

Nein. Die Bundesliga ist noch immer die stärkste und ausgeglichenste Handball-Liga der Welt. Aber wir müssen etwas dafür tun, damit das so bleibt.

Die Rhein-Neckar-Löwen dominieren bisher in dieser Saison. Muss sich der THW auf eine Saison ohne deutschen Meistertitel einstellen?

Wir schauen nicht auf andere, sondern nur auf uns. Wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Und am Ende sehen wir dann, was dabei herauskommen wird. Meistertitel werden nicht im Dezember vergeben. Gut für die Bundesliga ist, aus meiner Sicht, wenn die stärkste Mannschaft der gesamten Saison die Meisterschaft holt. Wenn das am Ende nicht wir sind, dann hat ein anderes Team sich das verdient.

Der SC DHfK spielt gegen den THW erstmals vor ausverkauftem Haus. Hand aufs Herz: Haben die Leipziger Fans auch nur im Ansatz eine Chance, nach dem Spiel einen Heimsieg zu bejubeln?

Zwischen Anpfiff und Abpfiff liegen 60 Minuten Handball, in denen alles passieren kann. Ich werde meine Mannschaft aber so einstellen, dass sie die Aufgabe voll konzentriert und engagiert angeht, denn wir wollen in Leipzig gewinnen.

Interview: Matthias Roth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News