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„Uns steht eine positive Zukunft bevor“ – DHfK-Trainer Prokop im Interview

Handball-Bundesliga „Uns steht eine positive Zukunft bevor“ – DHfK-Trainer Prokop im Interview

Trainer Christian Prokop sorgt mit seinen Handballern des SC DHfK Leipzig für Aufsehen in der 1. Bundesliga. Der Aufsteiger belegt einen hervorragenden neunten Platz. Im Interview mit LVZ.de spricht er über seine Gefühlslage nach dem Sieg gegen Magdeburg, darüber, was die Konkurrenz von Leipzig lernen kann und welcher Spieler ihn am meisten überrascht hat.

Stets engagiert an der Linie: Christian Prokop.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Trainer Christian Prokop sorgt mit seinen Handballern des SC DHfK Leipzig für Aufsehen in der 1. Bundesliga. Der Aufsteiger belegt einen hervorragenden neunten Platz. Im Interview mit LVZ.de spricht er über seine Gefühlslage nach dem Sieg gegen den SC Magdeburg, darüber, was die Konkurrenz von Leipzig lernen kann und welcher Spieler ihn am meisten überrascht hat.

Herr Prokop, nach einem Drittel der Saison hat ihre Mannschaft ein positives Punktekonto und steht in der Tabelle vor dem SC Magdeburg. Wenn vor dem ersten Spieltag jemand mit Ihnen auf diese Konstellation gewettet hätte, wie viel hätten Sie gesetzt?

Nicht viel, das war schließlich nicht zu erwarten. Wir liegen über dem Soll und dem, was wir bei allem Realismus einplanen konnten. Zu Beginn wussten wir nicht genau, wo wir standen. Jetzt sind wir super zufrieden. Es ist aber nur eine Momentaufnahme, mehr nicht.

Im Sommer haben Sie 24 Punkte als magische Grenze für den Klassenerhalt genannt. Bleiben Sie bei dieser Prognose?

Das ist ein Wert aus der Vergangenheit und hat bei 18 Teams gereicht. Vielleicht brauchen wir auch weniger Punkte oder aber etwas mehr. Unser Ziel muss es sein, in jedem Spiel Punkte zu sammeln. Wir hätten jedenfalls nichts dagegen, den Klassenerhalt schon vorfristig zu erreichen.

Sie könnten zum Jahreswechsel schon fast durch sein.

Stopp. Von der Papierform kann man kein Spiel vorhersagen. Wir sind sicher in der Lage, immer zu punkten. Aber es ist auch klar, die kommenden Partien gegen Wetzlar und den Bergischen HC zu Hause sowie Balingen-Weilstetten auswärts sind völlig offen.

Wann korrigieren Sie das Saisonziel Klassenerhalt?

Es gibt überhaupt keinen Grund dieses Ziel zu verändern. Zur Erinnerung: Wir spielen in der stärksten Liga der Welt. Ich sage klar, dass wir Realismus und Demut walten lassen müssen. Es ist nicht gesagt, dass wir alle Spiele gewinnen, die wir auch gewinnen müssen. Der Klassenerhalt wäre nach wie vor eine Sensation.

Was fehlt dem SC DHfK noch zu einem gestandenen Erstligisten?

Zunächst müssen wir noch mehrfach beweisen, dass wir im sportlichen Bereich das Level der Liga mitgehen können. Richtig ist aber auch, wir haben eine junge Mannschaft und zeigen von den Teams im unteren Tabellenbereich die konstanteste Leistung bisher. Gestandene Erstligisten haben mehrere Nationalspieler in ihren Reihen, die wir erst noch entwickeln oder verpflichten müssen. Ich glaube aber, uns steht eine positive Zukunft bevor.

Sie haben die Mannschaft vor der Saison auf wichtigen Positionen verändert. Welcher Spieler hat bisher den stärksten Eindruck hinterlassen, und bei wem sehen Sie noch Reserven?

Wir haben in jedem Spiel unterschiedliche Matchwinner gehabt. Ich habe oft gefordert, dass ein, zwei Spieler über Normalform agieren müssen, um zu gewinnen. Absolut begeistert und überrascht bin ich von Philipp Pöter. Seine Auftritte in der 1. Bundesliga habe ich so nicht erwartet. Er hat für mich die größte Entwicklung vollzogen und bildet mit Alen Milosevic eine stabile Achse. Ich bin aber auch mit unseren Rückraumspielern Christoph Steinert und Max Janke zufrieden. Nicht vergessen darf man Abwehrchef Bastian Roscheck und Torhüter Milos Putera. Unsere beiden Außenspieler Lukas Binder und Lucas Krzikalla haben auch in der ersten Liga Erfolg. Mehr erwarten dürfen wir uns noch von Philipp Weber, Benjamin Meschke und Sergey Zhedik. Philipp muss mehr Dominanz und Power zeigen. Er ist eines der größten Talente in Deutschland. Im Zweikampf muss er aber noch stärker werden. Für Sergey war der Wechsel aus Russland ein Kulturschock. Ihm fehlt aber nicht mehr viel und er wurde für die Zukunft geholt, weil er in Abwehr und Angriff spielen kann. Jetzt muss er vor allem die deutsche Sprache noch besser lernen.

DHfK-Trainer Christian Prokop im Gespräch mit LVZ-Redakteur Matthias Roth

DHfK-Trainer Christian Prokop im Gespräch mit LVZ-Redakteur Matthias Roth.

Quelle: Dirk Knofe

Die Neuen schwärmen von der Trainingseinstellung der Kollegen und vom Zusammenhalt im Team. Was macht der SC DHfK anders als andere Mannschaften?

Das Geheimnis liegt in der Zusammensetzung unseres Kaders. Wir wägen genau ab, wer charakterlich und auch von der Einstellung zu uns passt. Bei uns gibt es eine große Gruppe, die unglaublich ehrgeizig an sich arbeitet. Das steckt an. Und auch wichtig ist: Wir haben keinen Star, für den alle spielen müssen.

Sie waren selbst Bundesligaprofi. Was hätte der Spieler Prokop vom Trainer Prokop lernen können?

Abwehrverhalten. Ich war ein ganz schwacher Deckungsspieler. In meiner Zeit bei GWD Minden war ich quasi eine Person mit Frank Carstens. Er hat immer in der Abwehr gespielt und ich bin dann in den Angriff gewechselt. Trotzdem ist es mir als Trainer gelungen, eine sehr gute Abwehr zu formen.

Sie haben gerade auf dem Trainersymposium der Handball-Bundesliga einen Vortrag über Anschlussförderung gehalten? Was können die Konkurrenten von den Leipzigern lernen?

Erstmal war es schön, mit allen Erst- und Zweitligisten an einem Tisch zu sitzen. Durch die jüngsten Erfolge, auch im Nachwuchs, war der SC DHfK ein kleines Aushängeschild. Bei uns funktioniert die Struktur auch durch die Zusammenarbeit mit Vereinen wie der SG LVB, dem HC Elbflorenz oder Germania Zwenkau. Spieler können sich bei den Partnern entwickeln. Viele andere Bundesligisten müssen mehr Mut haben und junge, deutsche Spieler einsetzen. Die Jungs lernen schnell und werden so besser. Dafür braucht man aber auch ein Management, welches mit Rückschlägen umgehen kann.

Der Sieg zu Saisonbeginn gegen Hamburg galt noch als Überraschung, die Niederlage von Magdeburg als Ausrutscher des Favoriten. Waren Sie über die Erfolge auch überrascht?

Gegen Hamburg mussten wir gleich zum Auftakt spielen. Da weiß keine Mannschaft, wo sie unter Wettkampfbedingungen steht. Durch den Trainerwechsel und die zehn Neuen konnte der HSV noch nicht eingespielt sein. Da war die Hoffnung auf ein Erfolgserlebnis groß und es ist aufgegangen. Magdeburg war dann das absolute Highlight. Nach dem Siegtor von Marvin Sommer war meine Gefühlslage noch intensiver als beim Aufstieg. Es kam einer Sensation nahe, aber meine Mannschaft hat all ihre Stärken in das gesamte Spiel investiert und auch verdient gewonnen.

Gegen Melsungen war die Partie allerdings schon nach zehn Minuten verloren. Wie haben Sie dieses Spiel erlebt?

Die wichtigsten Erkenntnisse habe ich eigentlich in den Spielen danach gewonnen. Da sind wir nicht eingebrochen und haben die Niederlage weggesteckt. Gegen Melsungen haben wir mit der Zufriedenheit aus dem Hamburg-Spiel zehn Prozent weniger gezeigt, das hat schnell zum Rückstand geführt. In diesem Spiel haben wir einen wichtigen Entwicklungsprozess allein in der ersten Halbzeit gemacht. Schon die zweite Hälfte war viel stärker von uns.

Aufsteiger werden gern unterschätzt. War das bisher auch ein Vorteil für den SC DHfK?

Ich glaube nein. Für uns hat das nicht gegolten. Das hat vor allem mit der starken Öffentlichkeitsarbeit und der medialen Präsenz zu tun. Wir haben mit unserem Aufsichtsratsmitglied Stefan Kretzschmar ein starkes Sprachrohr. Auf ihn weisen die anderen Vereine auch immer hin. Das motiviert die Gegner eher noch.

Der SC DHfK hat einen Zuschauerschnitt von 4200 Besuchern. Sehen Sie sich als sportliche Nummer 2 hinter RB in Leipzig?

Ja, das kann man so sagen mit Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre. Das haben wir uns auch verdient. Fest steht aber auch: Alle Vereine und Sportarten sind für eine moderne Stadt wie Leipzig wichtig.

Videostudium, Spielvorbereitung, Training: Wie viel Freizeit bleibt da noch, und gibt es für Sie ein Leben neben dem Handball?

Durch die spielfreie Zeit kann ich mit meiner Freundin jetzt zwei Tage in den Wellness-Urlaub fahren. Unsere kleine Tochter bleibt bei den Großeltern. Ich komme sonst aber gut mit der Arbeitsbelastung klar. So richtig kann man in dem Beruf aber nie abschalten. Auch wenn es komisch klingt, der Sport kommt für mich zu kurz. Wenn der Trainingstag beendet ist, bleibt für eigene Aktivitäten wenig Zeit und Lust. Ich lasse aber inzwischen das Auto stehen und fahre in Leipzig alle Wege mit dem Fahrrad.

Bis auf die Rhein-Neckar-Löwen lassen in dieser Saison auch die Spitzenteams überraschend Punkte liegen. Wie erklären Sie sich das?

Der THW Kiel hat an Dominanz verloren. Das hängt mit den namhaften Abgängen zusammen. In der Liga herrscht bis auf die Löwen Spannung pur. Alles ist zusammengerückt, das gefällt mir und ist eine positive Entwicklung. Bei der Qualität in der Breite ist es noch immer die stärkste Liga der Welt.

Am kommenden Mittwoch müssen Sie nun beim ungeschlagenen Tabellenführer antreten. Wie machen Sie Ihren Spielern klar: Auch dort können wir Punkte holen?

Das ist für uns ein Spiel zum Genießen in der SAP-Arena. Wir wollen mit Freude in dieses gehen, sind stolz gegen solche Weltklassespieler antreten zu dürfen und werden versuchen den Löwen es so schwer wie möglich zu machen.

Interview:Matthias Roth

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