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Vom DHfK-Kapitän zum Nothelfer

Handball in Leipzig Vom DHfK-Kapitän zum Nothelfer

Thomas Oehlrich nimmt beim SC DHfK Leipzig seinen Abschied auf Raten. Eine ungewisse Zukunft beim Aufsteiger hat Rückraumspieler Max Emanuel.

Thomas Oehlrich im Angriff mit Lucas Krzikalla.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Am Mittwochabend im drittletzten Zweitliga-Spiel gegen Hamm (19.30 Uhr, Arena) wird Thomas Oehlrich wieder auf der Bank sitzen und einspringen, wenn er gebraucht wird. Am Kreis und als eisenharter, gefürchteter Abwehrrecke mit seinen 1,98 Meter und 102 Kilo. In der neuen Saison, in der Bundesliga, rückt der 30-Jährige sogar ins dritte Glied, wird nur noch zweimal pro Woche trainieren und auf Wunsch des Vereins als Standby-Profi zur Verfügung stehen.

"Als Backup bei Verletzungen", wie Trainer Christian Prokop erklärt, "seine Erfahrung könnte dann wichtig für uns sein." Der SC DHfK hat mit Benjamin Meschke einen weiteren Kreisläufer neben Alen Milosevic und Bastian Roscheck geholt - und drei sind genug. Oehlrich weiß das, akzeptiert seine künftige Nothelfer-Rolle. "Ich habe das Angebot des Vereins dankend angenommen, ein Jahr Bundesliga nehme ich gerne noch mit", sagt er, "und ich habe endlich mehr Zeit für die Familie." Ehefrau Claudia und Töchterchen Mia Isabella, 2, sind oft zu kurz gekommen, und da ist ja auch noch sein 30-Stunden-Job bei der Polizei. Lange hat Oehlrich als Bereitschaftspolizist die Knochen hingehalten, inzwischen arbeitet er auf dem Revier oder vollstreckt Haftbefehle.

Viele Jahre Leistungssport haben zudem körperlich geschlaucht, "ich merke das vor allem in der Regeneration". Oehlrich hat zahllose Handball-Schlachten geschlagen, stieg 2005 mit Delitzsch in die Bundesliga auf und postwendend wieder ab. 2010, nach der Concordia-Insolvenz, wechselte er zum damaligen Drittligisten SC DHfK, wurde sofort Kapitän, führte sein Team in die zweite Liga, galt als unverzichtbare Stütze.

Doch der Erfolg frisst seine Kinder. In dieser Saison war er nicht mehr erste Wahl, und als Prokop im Winter Lukas Binder zum neuen Spielführer bestimmte, traf das Oehlrich hart. "Das kam unvermittelt, war schwer zu verstehen, ich hatte wochenlang daran zu kauen", gesteht er, "aber die Entscheidung des Trainers musste ich respektieren." Und auch das Leistungsprinzip, "obwohl es ein komischen Gefühl war, oft nur noch von der Bank aus zuzuschauen". Reingehauen hat er sich dennoch in seinen 30 Einsätzen als Reservist. Ohne Rücksicht auf Verluste, und er will dies weiterhin tun: "Wenn ich helfen kann, werde ich voll da sein." Verlassen mag er den SC DHfK nicht: "Ich habe doch in Leipzig alles, was ich brauche."

Bei Max Emanuel stehen die Zeichen dagegen auf Trennung. Weil ein erfahrener Linkshänder den rechten Rückraum neben Franz Semper verstärken wird, hat Prokop dem 20-Jährigen trotz Vertrags bis 2016 einen Vereinswechsel ans Herz gelegt. "Es wäre für beide Seiten der beste Schritt", begründet der Coach, "Max braucht für seine Entwicklung dringend Spielpraxis, ich möchte nicht, dass er bei uns in der Bundesliga versauert." Prokop will den Nachwuchs-Nationalspieler im Auge behalten und irgendwann zurückholen. "Aber jetzt braucht er eine neue Herausforderung." Einige Zweitligisten, unter anderem Rostock, haben Interesse bekundet. Emanuel selbst wollte sich nicht zu seiner Zukunft äußern: "Alles ist noch in der Schwebe." Steffen Enigk

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