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„Wir brauchen keinen Plan B“ – SC DHfK Leipzig stellt die Weichen für die erste Liga

„Wir brauchen keinen Plan B“ – SC DHfK Leipzig stellt die Weichen für die erste Liga

Es ist ein neues Gefühl für die Spieler des SC DHfK Leipzig in der 2. Bundesliga: Erstmals sind die Grün-Weißen die Gejagten. Auf Platz eins geht die Mannschaft in die restlichen Spiele der Rückrunde.

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Karsten Günther, Geschäftsführer der DHfK-Handballer.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Fünf Punkte trennen sie von einem Nichtaufstiegsplatz. Geschäftsführer Karsten Günther (33) spricht im LVZ-Interview über die Vorbereitung, weitere Verstärkungen und RB Leipzig.

Frage:

Herr Günther, der SC DHfK hat auch in der Punktspielpause mit einigen Erfolgen aufhorchen lassen. Einem Unentschieden gegen TuS Lübbecke folgte der Sieg beim bestens besetzten Turnier in Dessau, allerdings auch eine deutliche Niederlage gegen Hannover-Burgdorf. Wo steht die Mannschaft wenige Tage vor dem ersten Punktspiel in diesem Jahr?

Günther:

Das ist ganz schwierig zu sagen, wir wissen es selbst nicht so richtig. Die Vorbereitungsspiele waren emotional schöne Erlebnisse, die uns auch Selbstvertrauen gegeben haben. Wir haben aber auch gesehen, was Erstligaklasse ausmacht. Hannover war nur mit einer halben Mannschaft bei uns, hatte viele A-Jugendspieler dabei. Von uns waren viele Spieler angeschlagen, wollten aber trotzdem spielen. Die Spannung wird in dieser Woche noch einmal ansteigen, bevor es dann am Sonntag in Baunatal wieder um Punkte geht.

Zum Auftakt stehen gleich drei Auswärtsspiele auf dem Programm, haben Sie Angst vor einem Fehlstart?

Günther:

Überhaupt nicht! Wir freuen uns alle drauf, dass es endlich wieder losgeht und wissen, was auf uns zukommt. Baunatal hat nichts zu verlieren, Coburg ist erster Verfolger, beim HSC zu Hause brennt jedes Mal der Baum. Zum Glück wollen uns schon jetzt 150 Fans begleiten. Bad Schwartau danach ist eine absolute Heimmacht. Nach diesen drei Spielen wissen wir wirklich, wo wir stehen.

Mit Max Janke vom SC Magdeburg II hat der SC DHfK einen weiteren Spieler verpflichtet, trumpft die Mannschaft in der Rückrunde noch stärker auf?

Günther:

Wir haben ihn nicht ohne Grund geholt. Vielleicht werden wir in der Spitze nicht stärker, man darf nicht vergessen, dass er noch ein junger Mann ist. Von ihm darf man also keine Wunderdinge erwarten. Er hat aber echtes Potenzial und kann im Angriff Philipp Pöter einige Pausen in dieser langen Saison verschaffen. Außerdem kommen die zuletzt verletzten Philipp Weber und Bastian Roscheck zurück, sie trainieren wieder voll. Pöter steigt diese Woche auch wieder ein. Nur Max Emanuel braucht nach seinem Mittelfußbruch noch ein, zwei Wochen.

Bei Fans und Sponsoren wird offen vom Aufstieg in die 1. Bundesliga gesprochen, haben Sie das Saisonziel inzwischen angepasst?

Günther:

Nein, wir brauchen nach außen nicht andere Parolen herausgeben. Wenn unsere drei Ziele, die wir vor der Saison genannt haben, klappen, nämlich: die Heimstärke ausbauen, die Mannschaft weiterentwickeln und das Umfeld hinter den SC DHfK bringen, dann werden wir automatisch auf einem der ersten drei Plätze stehen. Wir konzentrieren uns auf die tägliche Arbeit und werden gucken, was am Ende dabei herauskommt.

Handballfest vor 6400 Zuschauern

Dennoch: Die Euphorie wird sich kaum bremsen lassen. Allein das Pokalspiel gegen die Füchse Berlin war nach nur einem Tag ausverkauft. Waren Sie von dem Ansturm überrascht, schließlich spielt am selben Abend auch noch RB Leipzig gegen Bayern-Bezwinger Wolfsburg?

Günther:

Ja, das waren wir, da bin ehrlich. Natürlich haben wir gehofft, dass wir da eine ausverkaufte Halle bekommen. Ich hätte aber wirklich nicht gedacht, dass es so schnell geht. Das wird ein echtes Handballfest vor 6400 Zuschauern. Da freuen wir uns darauf und wollen dem aktuellen Pokalsieger so lange es geht die Stirn bieten. Auf der anderen Seite muss man aber auch klar sehen, wer bei den Füchsen im Kader steht. Da sind viele Nationalspieler dabei. Wichtig für uns: Vorfreude auf das Spiel ist erlaubt, wir dürfen aber die Aufgaben in der Liga nicht aus dem Auge verlieren.

Profitiert der SC DHfK auch finanziell von der erfolgreichen Hinrunde? Die Sponsoren müssten doch Schlange stehen?

Günther:

(lacht) Schlange stehen wäre ein luxuriöser Zustand. Das gibt’s vielleicht im Fußball, im Handball ist das komplizierter. Richtig ist aber, es gibt viel positives Feedback auf unsere Bemühungen neue Sponsoren zu finden. Einige neue Partner haben sich für uns schon entschieden. St-able.de aus Limbach-Oberfrohna ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir auch überregional wahrgenommen werden. Weitere werden folgen und das ist wichtig, um eine solide Basis für Erstliga-Handball in Leipzig zu legen.

In den vergangenen Wochen wurde bei den Fans heftig über ein Engagement von Red Bull beim SC DHfK spekuliert. Mal ganz ehrlich: Gab es ein Angebot?

Günther:

Diese Information ist an mir vorbei gegangen. Also ganz deutlich: Das ist Quatsch. Mit uns hat niemand darüber gesprochen. Wir haben mit den Verantwortlichen von RB einen sehr offenen und kollegialen Austausch, auch die Spieler untereinander. Ich bin froh, dass wir ordentlich miteinander arbeiten und uns in den operativen Dingen abstimmen. Wir sind zwei gut funktionierende Sportunternehmen in Leipzig. Dabei ist das eine aber bestimmt fünfzigmal größer als das andere.

Der SC DHfK wurde gerade zu Leipzigs Mannschaft des Jahres gekürt und von Sportbürgermeister Heiko Rosenthal in den Kreis der Schwerpunktsportarten aufgenommen. Was bedeutet das für die weitere Entwicklung?

Günther:

In den letzten Jahren sind wir schon viel in Vorleistung gegangen, weil auch die Bundesliga einiges fordert. Wir haben das Nachwuchszertifikat erhalten und sind DHB-Stützpunkt. Der neue Status erleichtert uns den Zugang zu der ein oder anderen Sportstätte. Außerdem hängt auch eine kleine Fördersumme daran, den genauen Betrag kenne ich aber noch nicht.

Der Gesamtverein hat Ende vergangenen Jahres mit der Verpflichtung von Kugelstoß-Weltmeister David Storl für Schlagzeilen gesorgt. Welche Rolle spielen die Handballer beim SC DHfK?

Günther:

Wenn man das mediale Interesse verfolgt, sind wir ganz klar das Aushängeschild. Der SC DHfK hat aber auch viele andere Topathleten, das zeigen allein die Ergebnisse von Annekatrin Thiele oder Martin Schulz bei der Sportlerwahl. Wir haben noch ein riesiges Potential an Synergien, die es zu heben gilt, gerade bei den Fans. Da befinden wir uns am Anfang und ich würde mir manchmal wünschen, dass es schneller geht.

Gesucht: abwehrstarker Rückraumspieler

Mit Benjamin Meschke und Marvin Sommer stehen bereits zwei Neuzugänge für die kommende Saison fest. Für welche Positionen suchen Sie noch Verstärkungen?

Günther:

Wir halten Augen und Ohren natürlich offen, besonders nach einem abwehrstarken Rückraumspieler. Auf die genaue Position legen wir uns jetzt noch nicht hundertprozentig fest. In der Rückrunde müssen wir auch gucken, wie es im Tor funktioniert. Eventuell müssen wir dort auch noch einmal was machen. Insgesamt, das ist aber das Allerwichtigste, sind wir mit der aktuellen Mannschaft sehr zufrieden. Wenn die Entwicklung so weiter geht, muss es uns nicht bange sein.

Sollte der Aufstieg scheitern: Wie sieht der Plan B aus? Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar sieht danach höchstens noch ein Zeitfenster von einem Jahr für den Sprung in die 1. Liga.

Günther:

Einen Plan B brauchen wir gar nicht. Der Plan A hat einen Zeitraum von drei Jahren vorgesehen. Das haben wir auch so mit dem Trainer als Rahmen festgelegt. Wir sind jetzt im zweiten Jahr und aktuell Tabellenführer. Wenn wir dieses Jahr Vierter werden, geht die Entwicklung ganz normal in der nächsten Saison weiter. Die Spieler sind dann ein Jahr älter und auch ein Jahr reifer. Darüber will ich aber gar nicht reden. Wir konzentrieren uns voll darauf, dass wir möglichst Spiele gewinnen.

Die Handball-WM ist gerade zu Ende gegangen, wie fällt Ihr Fazit bei meist leeren Rängen, einem zusammengekauften Gastgeberteam und einem siebenten Platz der deutschen Mannschaft aus?

Günther:

Ein generelles Fazit möchte ich mir nicht anmaßen, einzelne Aspekte kann ich aber beleuchten. Die Deutschen haben uns viel Freude bereit. Wenn jemand vor dem Turnier Platz sieben vorausgesagt hätte, dann hätten wir wahrscheinlich alle sofort unterschrieben. Klar war es schade, dass wir gegen Katar rausgeflogen sind und auch danach gleich gegen Kroatien verloren haben. Wenn man in so ein Land reingeht, weiß man, dass die Hallen nicht so rappelvoll sind wie in Deutschland oder Dänemark. Auf der anderen Seite: Wenn Handball nur ein europäisches Phänomen bleibt, wissen wir nicht, wie wir uns in den nächsten zehn oder 20 Jahren behaupten können. Darum ist es gut, wenn wir auch neue Nationen begeistern. Die Zusammenstellung der Mannschaft von Katar ist aktuell noch legitim, das muss aber sicher in Zukunft angepasst werden. Aber: Vielleicht gibt es jetzt den einen oder anderen Verein aus Katar, der sich weiterentwickeln will und dafür Know How bzw. Kooperationen aus Deutschland nutzt. Davon könnte der Internationale Trainerkurs (ITK) der Universität Leipzig profitieren, und vielleicht auch wir.

Das erste Heimspiel des SC DHfK steht in diesem Jahr am 6. März gegen Bayer Dormagen auf dem Programm. Einige Dauerkarten für die neun Rückrundenspiele sind noch für 99 Euro (ermäßigt 69 Euro) im Angebot. Die Spielserie endet am 7. Juni mit der Heimpartie gegen Hüttenberg.

Interview: Matthias Roth

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