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SC DHfK Leipzig entscheidet packendes Derby gegen den EHV Aue 26:24 für sich

SC DHfK Leipzig entscheidet packendes Derby gegen den EHV Aue 26:24 für sich

Derbysieg! Der SC DHfK Leipzig stand im innersächsischen Duell mit dem EHV Aue am Rand einer Niederlage, rang die Erzgebirger aber dann doch 26:24 (14:11) nieder.

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Philipp Weber kehrte nach langer Verletzungspause zurück und hatte mächtig Grund zum Jubeln.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Vor 2352 Zuschauern waren Philipp Weber und Franz Semper die überragenden Akteure auf Leipziger Seite. Schöne Premiere: Erstmals überhaupt in der Geschichte des grün-weißen Handballs wurde eine Partie speziell für Blinde erlebbar gemacht. Axel Ackermann, der diesen ganz speziellen Service auch bei Heimspielen von Fußballzweitligist RB Leipzig anbietet, kommentierte die Begegnung für die anwesenden Sehbehinderten.

"Wann hat es das schon mal gegeben", war DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther nach der Schlusssirene völlig aus dem Häuschen. "Die Zuschauer standen 15 Minuten und haben alles gegeben. Wahnsinn!" Auch Coach Christian Prokop wusste um die entscheidende Rolle, die die Fans auf den Rängen am Ende gespielt hatten "Wir hatten heute zum richtigen Zeitpunkt die nötige Unterstützung."

Leipzig mit starkem Start

Von Beginn an war deutlich zu spüren: Die Rückkehr von Philipp Weber nach längerer Verletzungspause tat dem Leipziger Spiel gut. Der 22-Jährige verteilte nicht nur die Bälle klug, sondern sorgte auch wieder für ordentlich Gefahr aus dem Rückraum. Vier Tore erzielte er in Hälfte eins selbst, mehrere legte er mustergültig auf. Am Ende hatte er zehn Treffer auf dem Konto. "Aue hat die Außen gut zugestellt. Sie wussten, dass wir da stark sind. Da ist es umso wichtiger, dass der Rückraum stark ist", so Leipzigs Kapitän Lukas Binder, der dank einer Art Wunderheilung trotz anderthalbfachen Außenbandrisses spielte. "Da sieht man, was er für ein Kapitän ist", verteilte sein Trainer ein Sonderlob.

Gestartet waren die Hausherren im Übrigen furios. Nach sechs Minuten leuchtete ein 4:0 von der Anzeigetafel, wenig später ein 8:1. Der EHV Aue fand im Grunde in der ersten Viertelstunde gar nicht statt, weder offensiv noch defensiv bekamen die Erzgebirger Zugriff. "Da haben wir das Spiel verloren", kommentierte EHV-Coach Runar Sigtryggsson später. Erst allmählich besserte sich die Partie aus Gästesicht, auch weil der SC DHfK nach der extrem konzentrierten Anfangsphase ein wenig nachließ. So haderte Philipp Pöter mit dem Wurfglück und im Tor zeigten sich zu diesem Zeitpunkt weder Felix Storbeck noch der in der 25. Minute in den Kasten gerückte Henrik-Ruud Tovas so sicher wie gewohnt.

Probleme bereitete den Gastgebern vor allem Aues Ladislav Brykner, der auf Halbrechts wirbelte und auch in der Defensive ordentlich zupackte. Zwar war er bereits nach 20 Minuten mit zwei Zeitstrafen vorbelastet. Das hinderte ihn aber vor allem im Angriff nicht daran, sehenswerte und vor allem zählbare Akzente zu setzen. Zur Halbzeit war der Leipziger Vorsprung auf 14:11 zusammengeschmolzen. "Vielleicht haben wir uns da auch einfach die Ruhe nehmen lassen", sagte Franz Semper später.

Pure Emotionen

Diese Entwicklung setzte sich in Hälfte zwei fort. Die Hausherren kassierten rasch nach Wiederanpfiff drei Strafen in Folge und ließen es vor allem an der Konzentration fehlen, die sie zunächst so stark gemacht hatte. Zudem gelang es den Auer nun mittels einer angemessen aggressiven Defensivarbeit immer besser, die Kreise der Gastgeber wirkungsvoll zu stören. In der 47. Minute war es schließlich Brykner, der die Begegnung erstmals zum 20:20 ausglich. Arni Sigtryggsson setzte das 20:21 oben drauf. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft", sagte Aues Coach Sigtryggsson. "Wir sind zurückgekommen und waren dran."

Nun war endgültig Feuer in der Bude. Die mitgereisten Auer Fans machten mit Hilfe ihrer zehn (!) Trommeln einen Höllenlärm, trieben ihre Mannschaft nach vorn. Auch die Leipziger Fans riss es nun von den Sitzen. Sie sahen ein Duell mit beiderseits offenem Visier, viel Feuer, jeder Menge Emotion. Zweieinhalb Minuten vor Ultimo lagen die Grün-Weißen 25:23 vorn. Dann traf Jan Faith vom Punkt, der überragende Franz Semper nahm allen Mut zusammen, verwarf aber gleich doppelt, Tovas bekam im Gegenzug die Hand an den Ball und Alen Milosevic holte zehn Sekunden vor dem Ende noch einen Strafwurf raus. Weber zeigte in der tosenden Arena keine Nerven. 26:24...Schluss.

"Die zweite Hälfte war scheiße", fasste Lukas Binder kurz aber prägnant zusammen. "Aber vielleicht darf man ein Derby auch gar nicht mit zehn Toren Unterschied gewinnen. Vielleicht muss es knapp sein, vielleicht muss es weh tun. Am Ende zählen die zwei Punkte."

Leipzig: Tovas; Storbeck; Semper (9); Emanuel; Krzikalla (2); Pöter; Oehlrich; Binder (4); Greß; Roscheck; Weber (10/5); Milosevic (1); Pechstein; Naumann.

Aue: Musil; Petursson; Meinhardt (3); Roch; Brykner (9); Mägi (3); Sigtryggsson (1); Sommer (4/2); Faith (2/1); Gunnarsson; Mazur; Kempe (1); Runarsson; Sigthorsson (1).

Siebenmeter: Leipzig 5/5; Aue 3/4.

Strafen: Leipzig 5; Aue 4.

Antje Henselin-Rudolph

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