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SC DHfK Leipzig holt dank starker Schlussphase Heimsieg gegen ThSV Eisenach

SC DHfK Leipzig holt dank starker Schlussphase Heimsieg gegen ThSV Eisenach

Der SC DHfK Leipzig bleibt Tabellenführer der 2. Handball-Bundesliga. In einem intensiven Spiel gewannen die Grün-Weißen am Samstagabend vor 3021 Zuschauern in der Arena Leipzig 29:28 (10:15) gegen den ThSV Eisenach.

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Hatte in Halbzeit eins viel zu tun: DHfK-Torhüter Felix Storbeck.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Die Thüringer verlangten den Gastgebern alles ab und hatten sie lange Zeit am Rand einer Niederlage. Dank einer unglaublichen zweiten Halbzeit blieben die Gastgeber aber der verdiente Sieger.

"Vor allem anderen: Danke für diese Wahnsinnsathmosphäre. Das war Gänsehaut pur", sagte DHfK-Coach Christian Prokop nach dem Schlusspfiff. Zuvor hatten die Fans die Arena in ein echtes Tollhaus verwandelt. "Es war so laut", meinte Lukas Binder und Bastian Roscheck meinte: "Was hier passiert ist, kann ich gar nicht so richtig in Worte fassen. Das ist schlicht unfassbar."

Zu Beginn war die Partie von zwei starken Defensivreihen geprägt, die der jeweiligen Offensive wenige Wurfgelegenheiten ermöglichten. Schnell war klar: Gästecoach Velimir Petkovic hatte seine Jungs gut auf das Kreisspiel der Grün-Weißen eingestellt. Bjarki Ellison, Aivis Jurdz und und Daniel Luther griffen ordentlich zu. Bereits nach einer Viertelstunde hatte jeder von ihnen eine Zeitstrafe kassiert. Doch diesen Vorteil nutzten die Hausherren nicht und erzwangen keine weiteren Strafen gegen das Trio.

Probleme gab es auch an anderer Stelle. Da am Kreis wenig bis nichts zu holen war, hätte die Prokop-Sieben aus dem Rückraum oder über die Außen reagieren müssen, tat das aber nicht oder war an diesem Abend nicht dazu im Stande. Dennoch entwickelte sich zunächst ein ausgeglichenes Spiel, auch weil Felix Storbeck im Leipziger Tor mehrere starke Paraden zeigte.

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Leipzigs Trainer Christian Prokop

Quelle: Peter Endigdpa

In der 19. Minute kam es dann ganz dicke: Unmittelbar nach seinem Treffer zum 7:9 aus Sicht der Gastgeber kam Einsenachs Branimir Koloper im Leipziger Torraum zu Fall. Der ebenfalls beteiligte Alen Milosevic erhielt eine Zeitstrafe. Koloper stand aber zunächst nicht auf. Das brachte den neuen DHfK-Kapitän Lukas Binder derart in Rage, dass er heranraste und wie von Sinnen auf den am Boden liegenden Gegenspieler einschrie. Die logische Folge: zwei Strafminuten und volle 120 Sekunden doppelte Unterzahl. Nach deren Ende leuchtete ein 7:11 von der Anzeigetafel. "Der hat ja schon geschrien, da hatte er noch nicht mal den Ball", meinte der 22-Jährige später, zeigte sich aber reumütig. "Das wird mir nie wieder passieren. Das darf ich als Kapitän so nie machen."

Die Hausherren waren nun gänzlich von der Rolle. Vorn fanden sie kein Mittel gegen die sich immer wieder gut verschiebende Abwehr der Gäste. Teilweise wirkten die grün-weißen Angriffsbemühungen sogar ein wenig hilflos. Zudem blieben mehrere freie Würfe ohne zählbares Ergebnis. Hinten agierte die Defensive nicht mehr so konzentriert wie zu Beginn. "Wir haben in dieser Phase vorne und hinten nicht ganz das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten", räumte Bastian Roscheck ein. "Eisenach hat unsere Fehler ganz konsequent genutzt. Da konnte man dann auch ihre Erstligaerfahrung deutlich sehen", kommentierte Alen Milosevic. Bis zur Halbzeit konnten die Gäste so völlig verdient auf 10:15 davonziehen.

Mehr Stabilität in Hälfte zwei

Mit Wiederbeginn galt es für die Grün-Weißen nun, Vieles anders und vor allem besser zu machen. Das gelang auch. Christian Prokop warf Thomas Oehlrich ins Getümmel am Kreis. Ein echter Glücksgriff, der deutlich mehr Stabilität brachte. Zudem profitierten die Hausherren von ihren Fans, die einen Höllenlärm machten und es schafften, ganz viel von ihren Emotionen auf das Feld zu übertragen. Fast erinnerte die Stimmung in der Arena an die guten alten Zeiten in der Ernst-Grube-Halle. Auf dem Parkett nahm die Intensität folglich zu und die Eisenacher zeigten bisweilen Nerven. In der Defensive gab es nun immer mal eine Lücke. Zudem konnten die Hausherren den einen oder anderen erfolgreichen Konter setzen. In der 50. Minute konnte der SC DHfK schließlich erstmals den Anschluss herstellen. Philipp Weber traf zum 24:25.

"Wir haben uns in der ersten Halbzeit mit allem Möglichen beschäftigt, mit den Schiedsrichtern, mit den Gegnern, miteinander, aber nicht mit uns, nicht mit unserem Spiel. Das war in der zweiten Halbzeit anders", analysierte Lukas Binder später. "Da waren wir eine Mannschaft." 

Diese Mannschaft ging in eine intensive und mitreißende Schlussphase. Der inzwischen im Tor agierende Henrik-Ruud Tovas hielt, was zu halten war. Als Alen Milosevic in der 56. Minute das 27:27 erzielte, kochte die Halle. Zum Entsetzen der Fans kassierte ausgerechnet der starke Oehlrich wenige Sekunden später gleich eine doppelte Zeitstrafe und verursachte so vier Minuten Unterzahl. Prokop setzte alles auf eine Karte und brachte im Angriff den in vorherigen Spielen mehrfach bewährten zusätzlichen Feldspieler. Das half. Die Gastgeber überstanden die brenzlige Situation unbeschadet. "Da wurden bei uns einfach nochmal enorme Energien freigesetzt", so der Coach.

37 Sekunden vor Ultimo nahm er beim Stand von 28:28 noch einmal eine Auszeit. Im folgenden Angriff zog Milosevic einen Siebenmeter. Pöter verwandelte zum 29:28. Es war die erste Führung überhaupt für die Hausherren im Spiel. Dank eines Wechselfehlers der Gäste mit anschließendem eigenem Ballbesitz war es auch der Endstand einer unglaublichen Partie.

"Solche Spiele erlebt man sehr selten", war sich Prokop später der Besonderheit des Augenblicks sehr wohl bewusst. "Dieser Kampf, dieser Einsatz, dieser Wille es noch rumzureißen. Das war unglaublich." Sein Gegenüber Velimir Petkovic hatte nichts zum Spiel zu sagen. Er blieb der Pressekonferenz nach dem Spiel fern, sprach statt dessen lange mit seiner Mannschaft und stand später lediglich für ein TV-Interview zur Verfügung.

Leipzig:

Tovas; Storbeck; Semper; Emanuel (5); Krzikalla (3); Pöter (6/3); Oehlrich; Binder (4); Roscheck; Weber (9/2); Milosevic (2); Pechstein; Streitenberger; Greß; Boese.

Eisenach:

Villadsen; Gorobtschuk; Elisson (4/3); Wöhler (3); Jurdzs (2); Jonsson (4); Luther (2); Forstbauer; Schliedermann; Hansen (1); Heinemann (4); Lilienfelds (5): Koloper (3); Seifert.

Strafen:

Leipzig 7; Eisenach 8.

Siebenmeter:

Leipzig 5/6; Eisenach 3/4.

Antje Henselin-Rudolph

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