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SC DHfK schlägt Füchse Berlin – Europapokal-Sieger in Leipzig

Hammervorstellung in Grün-Weiß SC DHfK schlägt Füchse Berlin – Europapokal-Sieger in Leipzig

In der Pause führten die Favoriten aus Berlin noch deutlich. Doch mit einer leidenschaftlichen Vorstellung riss der SC DHfK das Spiel am Freitagabend an sich. Nicht nur zum Schlusspfiff, sondern auch schon vor der Partie gab es Emotionen pur.

Füchse-Torwart Silvio Heinevetter (l.) enttäuscht, DHfK-Keeper Jens Vortmann in Jubellaune.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Sensation in der Arena Leipzig! Der SC DHfK Leipzig hat sich am Freitagabend dank einer mitreißend leidenschaftlichen Vorstellung in der zweiten Halbzeit mit 25:23 (10:14) gegen die Favoriten von den Füchsen Berlin durchgesetzt. Vor 5509 frenetisch feiernden Zuschauern zeigten die Hausherren gegen die mit reichlich Nationalspielern angereisten Gäste ihr Kämpferherz und triumphierten trotz großen Problemen in Hälfte eins.

"Es ist unglaublich, dass wir nach den vielen tollen Erlebnissen in dieser Saison noch einmal so eine Sensation draufpacken können", kommentierte DHfK-Coach Christian Prokop, dem zunächst sichtlich die Worte fehlten. "Ich bin selber noch ganz platt." Platt waren auch Füchse-Trainer Erlingur Richardsson und Volker Zerbe. Beide sprachen von einem verdienten Sieg für die Hausherren. "Diese Niederlage tut weh, denn wir wollen natürlich in der kommenden Saison gern im Europapokal spielen", meinte Zerbe. Im Kampf um einen der begehrten internationalen Plätze wird jeder Punkt gebraucht. Richardsson monierte das schlechte Überzahlspiel in Hälfte zwei. "Wir haben da unsere Linie verloren."

Europapokal-Helden des SC DHfK Leipzig von 1966

Europapokal-Helden von 1966: Erwin Kaldarasch, Dieter Wöhler, Klaus Franke, Prof. Kurt Tittel, Otto Hölke, Lothar Fährmann, Wolf-Dietrich Neiling, Klaus Langhoff, Peter Randt, Rolf Schmitt und Hannes Eichhorn (v.l.)

Quelle: Christian Modla

Emotionen pur hatte es bereits vor dem Anpfiff gegeben. Auf den Tag genau vor 50 Jahren sicherte sich der SC DHfK Leipzig dank eines 16:14 gegen den Favoriten Honved Budapest den Titel im Europapokal der Pokalsieger. Die Helden von damals sind auch heute unvergessen. Unter dem tosenden Jubel der Fans liefen Lothar Fährmann, Wolf-Dietrich Neiling und ihre ehemaligen Teamkollegen am Freitag durch ein Ehrenspalier auf das Feld der Arena. Begleitet von feierlichen Klängen wurde im Anschluss ein Trikot mit den Namen aller Akteure unter die Hallendecke gezogen – dorthin, wo schon die Jerseys von Uli Streitenberger, René Boese und Maik Wolf hängen.

Die Sieger von 1966 hatten sich bereits am Nachmittag mit Marriott-Hotel getroffen und gemeinsam in Erinnerungen geschwelgt. Zur Arena ging es dann in einem alten Bus der Marke "Robur". Auch das war eine Reminiszenz an vergangene Tage. Busse dieser Art hatten das Team in den 60er-Jahren zu den Ligaspielen gebracht. In der Arena gab es zahlreiche Umarmungen. Vor allem DHfK-Torwarttrainer Wieland Schmidt freute sich über das Wiedersehen. Lange sprach er mit Klaus Langhoff. Der hatte bei Schmidts Olympiasieg 1980 in Moskau gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Paul Tiedemann das Trainergespann gebildet. Nach dem Spiel gegen die Füchse sollte es beim gemeinsamen Bier weitergehen. Am Samstag treffen sich die alten und neuen Helden zum gemeinsamen Brunch in der Champions Bar. Dann sollen auch alte Spielaufnahmen geschaut werden.

Erst einmal galt es jedoch, gegen den aktuellen Tabellenfünften der Bundesliga anzutreten. Nach ausgeglichenen Anfangsminuten gerieten die Hausherren dabei schnell in Rückstand. Gegen die großgewachsene Abwehr der Gäste um Fabian Wiede, Drago Vukovic, Jakov Gojun und Tim Bielzer fiel der heimischen Sieben zu wenig ein. Zudem zeigte sich Füchse-Keeper Silvio Heinevetter auf dem Posten. Auch hinten hatten die Leipziger mehr Probleme, als ihnen recht sein konnte. Die Tore der Hauptstädter fielen zu leicht, trotz eines glänzend aufgelegten Jens Vortmann Kasten.

Coach Christian Prokop reagierte nach 19 Minuten, brachte Lukas Binder für Marvin Sommer und Benjamin Meschke für Alen Milosevic. Als wirkungsvollste Maßnahme erwies sich allerdings etwas später die Hereinnahme von Franz Semper. Mit seiner unbekümmerten und energiegeladenen Spielweise markierte er noch vor Ende der ersten Hälfte drei Treffer in Serie. Ein Mut machendes Signal trotz des 10:14 zur Pause. "Er war heute einer der mitentscheidenden Spieler", kommentierte Milosevic später. "Wie er reinkommt, wie er dann spielt. Das tut uns gut."

Mit Wiederbeginn nahm die Partie deutlich Fahrt auf. Jetzt waren mehr Emotion und Tempo im Spiel. "Wir haben viele Typen und Charaktere in der Mannschaft. Die haben sich in der Kabine selber zusammengerauft", so Prokop. An seiner Halbzeitansprache könne die Leistungssteigerung nicht zwingend gelegen haben. "Da gab es in dieser Saison weitaus bessere als heute."

Der SC DHfK Leipzig hat sich am Freitagabend mit 25:23 (10:14) gegen die Favoriten von den Füchsen Berlin durchgesetzt. Vorr gut 5500 Zuschauern triumphierten die Hausherren trotz großer Probleme in Hälfte eins. Fotos: Christian Modla

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Der SC DHfK biss sich zurück in das Duell, und zwar mit Erfolg. Die Angriffe rollten nun mit deutlich mehr Wucht in Richtung Berliner Tor. Die Grün-Weißen gewannen mehr und mehr Zweikämpfe. In der 35. Minute stand ein 13:14 zu Buche. Die Arena begann immer mehr zu kochen. In der 43. Minute, inzwischen hieß es 17:18, erhoben sich die Zuschauer erstmals von ihren Plätzen. "Die Reaktion der Fans, diese Stimmung, das pusht uns natürlich ungemein", sagte Rechtsaußen Peter Strosack später. "Für uns ist das Gold wert. Den Gegner verunsichert es mit jeder Minute mehr."

Jetzt war es ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, auch weil die Berliner sich von der plötzlichen Energie ihrer Gastgeber überrascht zeigten. Das Problem: Die Grün-Weißen schafften den Ausgleich nicht. Mal hielt Heinevetter, mal verzogen Philipp Weber oder Benjamin Meschke.

Lärmexplosion dann in der 49. Minute: Lukas Binder traf unter den frenetischen Rufen der Anhänger zum 19:19. "Es war so wichtig, dass wir das schaffen", kommentierte Milosevic. "Danach waren wir fast schon übermotiviert." Die Sensation, sie war nun spürbar, auch weil "Milo" selbst wenig später trotz Unterzahl zum 20:19 einnetzte. Und auch in doppelter Unterzahl lief es jetzt. Tempogegenstoß, Binder, 21:19. Storbeck hielt den folgenden Siebenmeter. Philipp Weber brillierte mehr als einmal. Was für ein Wahnsinn!

Die Schlussphase war Adrenalin pur. Jens Vortmann hielt sich in eine Art Rausch. Die Arena trug ihre Mannschaft der Sensation entgegen. "Es bestand durchaus die Gefahr, dass sich dieses Spiel zu einem zweiten Gummersbach entwickelt. Ich denke, das zeigt auch den Reifeprozess der Jungs in dieser Saison. Das genau das eben nicht passiert ist", lobte Christian Prokop, der sein Team ganz im Geiste der Pokalhelden von 1966 sah. "Die Mannschaft damals hat die Gemeinschaft ausgezeichnet. Es gab keinen Star, der jedes Spiel entschieden hätte. Das waren junge Studenten, Freunde. Sie sind es bis heute geblieben." So sei das auch jetzt. "Die Jungs motivieren sich gegenseitig, kämpfen füreinander. Es passt einfach."

Dass auch für die Abschlussfahrt des Teams alles passt, dafür sorgte die Versteigerung des Spielballs. 2000 Euro kamen so schließlich noch in die Mannschaftskasse.

Von Antje Henselin-Rudolph

Statistik

SC DHfK Leipzig: Vortmann; Storbeck; Semper (6); Steinert (2); Herth; Jurdzs; Binder (2); Janke (1); Sommer; Roscheck; Weber (8); Strosack (1); Meschke (3); Milosevic (2).

Füchse Berlin: Heinevetter; Stochl; Wiede (7/1); Elisson (2); Vukovic (1); Struck; Gojun (1); Nenadic (6/3); Bielzer; Zachrisson (3); Nielsen (2); Drux (1); Vrazalic.

Siebenmeter: Leipzig 0/1; Berlin 4/6.

Strafen: Leipzig 4; Berlin 1.

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