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"Ära zu Ende": Umbruch im deutschen Damen-Tennis

Tennis "Ära zu Ende": Umbruch im deutschen Damen-Tennis

Seit 2005 war Barbara Rittner Teamchefin der deutschen Tennis-Damen. Mit der Fed-Cup-Auswahl stand sie im Endspiel, sie stieg ab und wieder auf, zum erhofften Titel hat es nie gereicht. Nun übergibt sie den Posten an einen in der Öffentlichkeit eher Unbekannten.

Barbara Rittner (r) wird Angelique Kerber und Co nicht mehr auf der Spielerbank betreuen.

Quelle: Daniel Maurer

Frankfurt/Main. Sie zeigt die Becker-Faust, sie springt auf, sie klatscht, sie feuert an. So kennen Tennis-Fans Barbara Rittner seit 13 Jahren als Fed-Cup-Teamchefin. Doch nun räumt die 44-Jährige ihren Platz auf der Bank der Auswahl um Angelique Kerber.

Vor vier Monaten war Rittner in der erfolgreich gemeisterten Relegationspartie gegen die Ukraine letztmals in dieser Position Trainerin, Motivationskünstlerin und Seelsorgerin. Zur Saison 2018 löst der bislang nur Insidern bekannte Jens Gerlach sie ab. Rittner ist künftig übergeordnete Chefin für den deutschen Damen-Bereich.

"Es geht eine Ära zu Ende", sagt Rittner über ihren selbstgewählten Abschied vom einen und dem Aufstieg in das andere, neu geschaffene Amt. "Ich denke, dass es interessant ist für die Generation um Kerber und Petkovic, noch mal eine andere Ansprache zu erleben und auch selber noch mal eine andere Verantwortung zu übernehmen."

Wie Gerlach seine Worte wählt, wie er sich Spielerinnen und Öffentlichkeit präsentiert, wie er seinen Posten versteht, bleibt vorerst noch eine der spannenden Fragen rund um die spektakuläre Personalrochade des Deutschen Tennis Bundes. Der Vorstellung der neuen Aufgabenverteilung im DTB und dem Trubel um den neuen Herren-Chef Boris Becker war der 44-Jährige am Mittwoch im Frankfurter Römer ganz bewusst und planmäßig ferngeblieben.

Der neue Fed-Cup-Kapitän soll Ende September seine eigene Bühne bekommen, ohne einen Weltstar wie Becker, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Rittner hält viel von dem Tennis-Experten aus Stuttgart, dessen höchste Platzierung in der Weltrangliste vor 20 Jahren Position 1102 war. Gerlachs Mission dürfte sein, den ersehnten Titel im Fed Cup zu gewinnen und den Generationswechsel zu moderieren.

Auf der WTA-Tour war Gerlach Trainer (und kurzzeitig auch Lebenspartner) der Russin Anastassija Myskina, die er 2004 zum French-Open-Titel führte. Momentan arbeitet der Schwabe im Allgäu beim TC Schwangau und wird auf der Webseite des Vereins unter anderem als Trainer, Vergnügungswart, Platzwart und Frauenreferent aufgelistet. Der Vater einer Tochter gilt als unaufgeregt und diszipliniert, von 2009 bis 2012 war er beim Schweizer Tennisverband als "Head Coach Damen" beschäftigt. Das Studium in den USA schloss er mit einem Master of Business Administration und Master of Science in Sports Management ab, seit 2015 besitzt er die DTB-A-Trainer-Lizenz.

Für die goldene Generation um Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges oder Sabine Lisicki, aber auch für die nachrückenden Kräfte wie Carina Witthöft bedeutet der Wechsel auch eine große Umstellung. Sie kannten bislang nur Rittner als Führungskraft und Ansprechpartnerin und bedankten sich bereits am Mittwoch in den sozialen Netzwerken mit warmen Dankesworten bei ihrer nun baldigen Ex-Teamchefin. So sprach Kerber sprach von "unvergesslichen Momenten".

"Alles hat seine Zeit", sagte Rittner sichtlich bewegt. "Bevor ich die Leidenschaft einbüße oder verliere und den Zeitpunkt verpasse, einen Schlussstrich zu ziehen und in eine neue Herausforderung wechseln zu dürfen, ist es so perfekt. Ich habe mit Jens Gerlach jemanden gefunden, bei dem ich ein gutes Gefühl habe."

Zum Titel hat es unter Rittners Regie trotz eines Endspiels in Prag und eines Halbfinals in Russland nie gereicht. Vielleicht schafft es Gerlach, neue Impulse zu setzen und die zuletzt etwas schwächelnden Damen wieder ganz nach oben zu bringen. Die gesamte neue Konstellation soll zum Aufschwung beitragen: "Wir versprechen uns größere Erfolge, um auch die Differenzen zu anderen großen Nationen, wo wir ein bisschen Boden verloren haben, wieder aufzuholen", sagte DTB-Präsident Ulrich Klaus.

dpa

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