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Murray böse auf dem Platz, ruhig außerhalb

Tennis Murray böse auf dem Platz, ruhig außerhalb

Andy Murray gehört zu den Tennisprofis, die ihre Gefühle auf dem Platz zeigen. Oft sieht es aus, als beschimpfe er sein Team auf der Tribüne. Dort fehlt bei den French Open die bisherige Trainerin Amélie Mauresmo. War ihr die Meckerei etwa zu viel?

Paris. Die zwei Gesichter von Tennis-Star Andy Murray erinnern manchmal an die berühmte Novelle seines schottischen Landsmanns Robert Louis Stevenson über die Verwandlung des ehrenwerten Dr. Jekyll in den kriminellen Mr. Hyde.

Bei Interviews wirkt Murray ruhig und fast gelangweilt, auf dem Platz lässt er seinem Frust freien Lauf und schaut dabei meist zu seiner Entourage auf der Tribüne - so auch wieder bei den French Open, wo Murray im Viertelfinale am Dienstag gegen den Franzosen Richard Gasquet antreten soll.

In der Box des Weltranglisten-Zweiten sitzt in Paris allerdings nicht mehr Amélie Mauresmo. Murray hatte die ehemalige Wimbledon- und Australian-Open-Siegerin vor zwei Jahren engagiert. Dass sich ein Weltklassespieler von einer Frau trainieren lässt, sorgte damals für Aufsehen und erheblichen Medienrummel. Bei der Trennung war das nicht anders. Als ein möglicher Grund galten die Schimpftiraden von Murray in Richtung seines Teams. Das habe sich Mauresmo nicht mehr bieten lassen wollen, mutmaßten Medien schnell.

"Andy ist eine komplexe Person. Auf dem Platz kann er das Gegenteil von dem sein, was er im Leben ist" sagte Mauresmo in einem Interview, das vor Turnierbeginn erschien. Der Wimbledon- und US-Open-Sieger könne gut zuhören und analysieren, sei neugierig und lernwillig. Das Fazit der einstigen Nummer eins: "Das macht große Champions aus."

Die Schimpfe richte sich meist gegen ihn selbst und diene als Ventil angesichts des Drucks, erzählte Murray der Sportzeitung "L'Equipe". Manche sagten, er solle seine Emotionen herauslassen, das sei gut. Andere rieten ihm das Gegenteil. Er sei schnell frustriert, wenn er verliere und lasse seinen Gefühlen bei Siegen genauso freien Lauf. "Bin ich das? Ist das die Situation? Sind es die Einflüsse?", fragte sich Murray angesichts seiner Emotionen. "Es hat sich gezeigt, dass es da ist, seit ich elf oder zwölf bin."

Mauresmo hatte das Gefühl, nichts mehr verbessern zu können. Das Ende der Zusammenarbeit sei unvermeidlich gewesen. "Jeder hat gewisse Dinge sehen können", erklärte Frankreichs Fed-Cup-Teamchefin und sorgte damit für Spekulationen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes im vorigen August hatte sich die 36-Jährige eine sechsmonatige Auszeit genommen, fehlte bei den Australian Open und wollte im März beim Turnier in Miami nicht mehr dabei sein. Mauresmo räumte ein, sie habe Murray in einer schwierigen Phase nicht helfen können.

Der 29-Jährige wies in Paris die Vermutung über eine Trennung im Bösen zurück. "Das ist einfach nicht wahr", betonte Murray. Ein Gespräch beim Turnier in Madrid vor einigen Wochen sei sehr ruhig verlaufen, nicht hitzig. Wer das behaupte, lüge. Das Ende der Zusammenarbeit habe auch nichts mit seinem Verhalten auf dem Platz zu tun. Aber natürlich sei darüber gesprochen worden. Doch letztlich nannte der Tennis-Weltreisende Murray die arg wenig gewordene gemeinsam verbrachte Zeit als Grund für seine Entscheidung.

Immerhin stimmten die Ergebnisse: In Madrid verlor Murray erst im Finale gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, eine Woche später in Rom gelang ihm im Endspiel die Revanche gegen den Serben. In Paris musste er in den ersten beiden Runden über fünf Sätze gehen, danach schaltete er die Aufschlagriesen Ivo Karlovic und John Isner vergleichsweise problemlos aus - natürlich nicht geräuschlos.

dpa

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