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1. FC Lok Polizei verhindert Attacke von Leipziger Fußballfans auf Kicker des FC St. Pauli
Sportbuzzer 1. FC Lok Polizei verhindert Attacke von Leipziger Fußballfans auf Kicker des FC St. Pauli
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16:07 20.03.2012
Am Leipziger Hauptbahnhof (Archivbild) wollten sich Anhänger von Lok Leipzig mit Spielern des FC St. Pauli anlegen. Durch ein Einschreiten der Bundespolizei konnte Schlimmeres verhindert werden. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Nach dem Sieg ihrer Mannschaft gegen Erzgebirge Aue II am Sonntagnachmittag griffen mutmaßliche Lok-Anhänger an der Jahnallee nicht nur Fans von RB Leipzig an (wir berichteten), sondern wollten auf dem Leipziger Hauptbahnhof auch Spielern des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli an den Kragen. Durch das Eingreifen der Bundespolizei konnte ein Übergriff aber verhindert werden.

„Gegen 18 Uhr hatten sich etwa 80 Lok-Fans auf dem Hauptbahnhof versammelt und feierten lautstark ihren Sieg“, erklärte Polizeisprecher Jens Damrau am Dienstag gegenüber LVZ-Online. Die Bundespolizei war zur Absicherung mit etwa 40 Beamten dabei, hatte die Lage vor einem Schnellrestaurant auf Höhe der Bahnsteige im Griff. Als zeitgleich allerdings auch die Spieler des Hamburger Bundesligisten den Bahnhof betraten, um nach ihrem Auswärtsspiel in Aue von hier in die Heimat zu fahren, drohte die Lage zu kippen. „Wir wurden ziemlich überrascht, uns hatte niemand Bescheid gegeben, dass die auch kommen würden“, sagte Damrau.

Pauli-Sprecher Bönig: "Einige wollten sich ja sogar mit uns fotografieren lassen

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Laut Christian Bönig sei so etwas sonst auch eigentlich nicht notwendig. „Es muss doch in Deutschland möglich sein, dass wir mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren können. Wir wollen uns ja extra nicht abschotten“, sagte der Sprecher des FC St. Pauli gegenüber LVZ-Online. Wie schon bei der Hinfahrt, habe die Mannschaft den Weg über den Leipziger Hauptbahnhof gewählt. Am Sonntagabend wollten Deniz Naki, Fabio Morena und Co. vor der Heimfahrt allerdings noch kurz durch die Promenanden schlendern, als die Lok-Fans sie entdeckten. „Einige wollten sich ja sogar mit uns fotografieren lassen“, sagt Bönig. Andere Blau-Gelbe hatten jedoch weniger Freundliches im Sinn.

„Wir haben das erst gar nicht mitbekommen, bis uns dann jemand darauf hinwies“, sagte Polizeisprecher Damrau. Die Leipziger Fans brüllten da schon Schmährufe in die Promenaden hinab. In Höhe des DB-Infopoints eilten mehrere Dutzend dann die Rolltreppen hinab. „Meine Kollegen nahmen die Treppen und waren einfach schneller“, sagte Damrau und lacht. In den Promenaden konnten die Beamten so die Hooligans in Empfang nehmen und zurückdrängen. Dabei kamen laut Damrau auch vereinzelt Schlagstöcke zum Einsatz, weil einer der Blau-Gelben nicht ablassen wollte. „Da helfen Worte dann irgendwann nicht mehr, da hilft nur noch Gewalt“, sagte der Polizeisprecher. Gegen die Angreifer wurde ein Platzverweis ausgesprochen, der bis zum Bahnhofsausgang durchgesetzt wurde.

„Für uns war es ja nicht so dramatisch“, sagte Pauli-Sprecher Bönig. Bis auf ein paar Pöbeleien und Provokationen habe die Mannschaft nichts vom versuchten Übergriff mitbekommen. Von einem größerem Groll gegen die Messestadt oder gegen den Verein könne auch keine Rede sein: „Ganz im Gegenteil: Viele der Jungs waren zum ersten Mal hier und fanden die Stadt einfach wunderschön.“

Lok Leipzig schickt schriftliche Entschuldigung nach Hamburg

Das wird auch Carsten Muschalle freuen. Der Lok-Sprecher erklärte am Dienstag gegenüber LVZ-Online, der Probstheidaer Verein habe St.-Pauli-Geschäftsführer Helmut Schulte einen Brief geschrieben und sich für die Vorfälle entschuldigt. „Mehr können wir aber nicht machen“, sagte Muschalle, der sich von den – wie er sagte – Vollidioten auf dem Bahnhof auch entschieden distanzierte.

Seit langem habe der Club die Situation im eigenen Stadion im Griff. „Seit fünf Jahren ist bei uns nichts mehr passiert, seit den Vorfällen beim Aue-Spiel 2007“, sagte Muschalle. Vorfälle, wie am Sonntag im Bahnhof, seien unschön, „aber wir können als Verein wenig machen, wenn die Polizei keinen Personendaten aufnimmt. Wir können nur Sanktionen ergreifen, wenn wir Namen haben“, erklärte der Lok-Sprecher, der neben dem Hamburger nun auch seinen Verein als Leidtragenden der Hooligans empfindet. Laut Polizeisprecher Damrau wurden die Daten der Angreifer tatsächlich nicht erfasst – weil niemand verletzt wurde: „Wir hatten ja nur den Platzverweis durchzusetzen und das haben wir gemacht.“

Matthias Puppe

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