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Ein Student führt den HC Leipzig zum Pokalsieg – Handballparty vor mehr als 5000 Fans

Ein Student führt den HC Leipzig zum Pokalsieg – Handballparty vor mehr als 5000 Fans

Leipzig. Ein 26 Jahre alter Student hat geschafft, was seinen prominenten Vorgängern Heine Jensen, Stefan Madsen und Thomas Örneborg versagt blieb – als Trainer mit dem HC Leipzig den DHB-Pokal gewinnen.

Coach Max Berthold holte sich mit seinem HCL am Sonntag vor 5369 Zuschauern den Pott in der heimischen Arena. Im Finale besiegten die Gastgeberinnen das Überraschungsteam von der HSG Blomberg-Lippe mit 36:26 (17:10).

 

„Es ist einfach nur Wahnsinn hier heute“, freute sich Berthold nach dem Schlusspfiff. So richtig konnte er sein Glück gar nicht fassen. Erst im Januar hatte er die Mannschaft vom entlassenen Thomas Örneborg übernommen und gemeinsam mit Wieland Schmidt in wenigen Wochen zurück in die Erfolgsspur geführt. Den Finalgegner kannte Berthold gar nicht richtig. „In meiner Zeit haben wir nie gegen Blomberg gespielt“, so der 26-jährige Feuerwehrmann, der im Sommer den Trainerstuhl für Norman Rentsch räumt. Am Sonntag genoss er den Augenblick. Direkt zwischen den Tribünen hatten die Veranstalter einen Siegerbalkon für die Pokalübergabe eingerichtet. Feuerfontänen und jede Menge Konfetti begleiteten die Ehrung. Berthold hielt sich zunächst im Hintergrund, bekam dann aber von der Mannschaft den Pokal in die Hand gedrückt und war der Held in der Arena.

 

Gänsehaut-Atmosphäre herrschte schon vor dem Anpfiff. Der ehemalige Thomaner Martin Lattke sang a capella die Deutsche Nationalhymne auf dem Parkett und stimmte so das Publikum ein. Was folgte war ein Handballfest für die Leipzigerinnen. Die HSG hatte von Anfang an keine Chance. Der HCL agierte nach Belieben und zog Tor um Tor davon.

 

In der 22. Minute erzielte Luisa Schulze das 15:5 und brachte ihr Team erstmals mit zehn Toren Unterschied in Front. HSG-Coach André Fuhr versuchte alles, nahm zwei Auszeiten, stellte die Abwehr um und fand in dieser Spielphase doch kein Rezept gegen seine Gegnerinnen. Bertholds Mädels trafen von allen Positionen und spielten in der Abwehr kompromisslos. Zudem zeigte Torhüterin Melanie Herrmann gleich eine Reihe von Glanzparaden, erntete dafür mehrfach Sonderapplaus vom bestens aufgelegten Publikum und wurde am Ende zur besten Keeperin des Turniers gewählt. Was ein stimmgewaltiger Anhang wert ist, weiß RB-Trainer Alexander Zorniger, der sich unter die Besucher gemischt hatte. „Eine große Kulisse hat uns vergangene Woche gegen Darmstadt auch zum Sieg getragen“, so der Fußball-Lehrer.

 

Den sicheren Sieg vor Augen, starteten die Leipzigerinnen mit einer Schlafeinlage in die zweite Halbzeit. Blomberg nutzte die Ruhephase und kämpfte sich auf 17:14 heran. Berthold nahm eine Auszeit und rüttelte seine Spielerinnen wach. „Da musste ich die Mannschaft daran erinnern, was wir uns vorgenommen haben“, meinte der Trainer.

 

Maura Visser zweifelte nicht am Sieg. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir verlieren könnten“, sagte sie. Die Niederländerin feierte später mit ihrer Medaille um den Hals besonders ausgelassen. „Da ist mir die Saison durch den Kopf gegangen, da gab es auch schwierige Phasen für mich“, so die Rückraumspielerin. Nicht nur sportlich befindet sie sich im siebten Himmel, auch privat. Ihre Liebe, CFC-Torhüter Philipp Pentke, verfolgte das Finale in der Halle. „Ein perfektes Wochenende für uns, Chemnitz hat gestern schon den Klassenerhalt perfekt gemacht“, freute sich Visser.

 

Der HCL ließ in den letzten 20 Minuten nichts mehr zu. Isa-Sophie Rösicke stellte in der 47. Spielminute mit dem 28:18 das alte Kräfteverhältnis wieder her. Die Schlussphase begleiteten die Fans mit stehenden Ovationen. Sonderbeifall für Karolina Kudlacz: Sie wurde zur besten Spielerin der Pokalendrunde gewählt.

 

Die Leipzigerinnen gewinnen damit sechs Jahre nach dem letzten Triumph (damals hieß der Trainer noch Morten Arvidsson) wieder den deutschen Pokal, insgesamt holen sie ihn zum achten Mal. Blomberg darf sich zumindest mit einem Startplatz im Europapokal der Pokalsieger trösten, weil der HC Leipzig in der Champions League antritt.

 

Trainer Berthold bleibt auch künftig dem Handball erhalten. „Es gibt schon Pläne, welche, werde ich aber heute nicht verraten“, gab er sich verschlossen. Auch wenn Manager Kay-Sven Hähner selbst nichts vorbereitet hat, die Nacht zum Montag wird lang für den HC Leipzig. In der Innenstadt feiert die Mannschaft ihren ersten Titel nach der Meisterschaft 2010.

 

HC Leipzig:

Plöger, Herrmann, Roth – Visser 1, Mazzucco, Müller, A. 3, Bont 1, Schulze 8, Kudlacz 7, Hubinger, Lang 8, Müller, S. 7/3, Rösike 1

 

HSG Bomberg-Lippe:

Monz, Roch – Wahle 1, Rüffieux 1, Klaunig 3, Müller 4, Smits, Jongenelen 11/3, Frey, Magelinskas, Bormann-Rajes 5, Großheim, Berndt, Guberinic, Malestein 1

 

Siebenmeter:

HCL 4/3, Blomberg 4/4

 

Zeitstrafen:

HCL 2, Blomberg 4

                      

Zuschauer:

5369

Matthias Roth

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