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News Abstiegsangst schlägt Aufstiegshoffnung: Nach RB-Pleite in St. Pauli spricht Rangnick Klartext
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11:06 04.05.2015
St. Pauli feiert das Tor von Lennart Thy. Gegen RB Leipzig gelang den Hamburgern ein knapper 1:0-Sieg. Quelle: dpa
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Leipzig

Nach der 0:1-Niederlage am Millerntor sagte Daniel Frahn enttäuscht: „Der FC St. Pauli hat uns mit ganz einfachen Mitteln geschlagen. Sie haben gekämpft, mit Herz und Leidenschaft gespielt. Wenn wir mit denselben Tugenden gespielt hätten, hätten wir nicht verloren.“

Vom Durchmarsch aus Liga vier in die Beletage des Fußballs wollte am Sonntag keiner mehr reden, zu minimal ist die Chance bei drei verbleibenden Partien und sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. „Wir brauchen uns jetzt keine Gedanken mehr machen, dass wir noch aufsteigen. Das wäre schon mehr als ein Fußballwunder“, sagte Trainer Achim Beierlorzer. Torhüter Fabio Coltorti sprach von einem bitteren Rückschlag: „Wenn man die Zweikämpfe anschaut, haben die uns den Schneid abgekauft. Wir waren nicht bereit, dagegen zu halten.“

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Rangnick: "Konnte nicht erkennen, wie und was wir spielen wollen"

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick ließ seiner Enttäuschung freien Lauf: "Wenn es gegen uns reicht, dass man 90 Minuten kämpft, sagt das alles." Und: "Insgesamt war das sehr enttäuschend. Ich kann mich an keine richtige Chance erinnern. Das Tor von Fabio hat für eine schöne Feier in unserem Stadion gesorgt, hatte aber keine positiven Auswirkungen auf das Spiel hier in Hamburg. Ich konnte nicht erkennen, wie und was wir spielen wollen."

Die fehlende Überzeugung kreidete auch Verteidiger Tim Sebastian seinem Team an: „St. Pauli hat alles gegeben und bis zum Umfallen gefightet. Wir haben das letztlich zu wenig angenommen.“ Besonders ärgerlich: Nach dem 3:1-Sieg von Aue gegen Karlsruhe wären die Sachsen mit einem Erfolg wieder auf drei Zähler am Relegationsplatz dran gewesen. „In solchen Partien am Ende der Saison muss man eine Topleistung abrufen, das haben wir nicht geschafft“, sagte Beierlorzer.

Trotz des Aufwärtstrends in den vergangenen Wochen musste auch der Interims-Coach die eklatante Schwäche auf fremden Plätzen erkennen. 16 Punkte holte Leipzig in 16 Partien, fuhr gerade einmal drei Siege in anderen Stadien ein. Bedeutet Platz elf in der Auswärtstabelle. Ein weiterer Grund, warum es für die Leipziger nicht zum Aufstieg reichen wird: Wenn die Mannschaft einmal hinten lag, konnte sie das Ruder selten noch herumreißen. Bei 13 Rückständen ging RB nur dreimal als Sieger vom Platz. Eine Frage der Mentalität?

Winter-Neuzugänge treffen nicht

Omer Damari beim Fallrückzieher: Auch mit der Brechstange reichte es für RB Leipzig auf St. Pauli nicht zu einem Tor. Quelle: GEPA Pictures

Die Statistik zeigt auch: Bis auf Yussuf Poulsen - elf Treffer - erzielen die Leipziger Stürmer zu wenig bis gar keine Tore. Hinter dem dänischen Nationalspieler folgt Frahn mit drei Treffern auf Platz zwei, dabei bekommt der einstige Toptorschütze nur wenig Spielzeit. Torhüter Coltorti liegt mit seinem Treffer sogar noch vor den Wintertransfers Omer Damari und Emil Forsberg.

Ein entscheidender Faktor ist auch Dominik Kaiser. Ohne den Mittelfeldmotor, der in Hamburg wegen einer Gelbsperre zuschauen musste, wird es schwer. Viermal fehlte der 26-Jährige bisher in dieser Saison, in drei Spielen davon blieben die Leipziger ohne Treffer. Seine Tore (6) und Vorlagen (5) führten zu sieben Siegen und zwei Unentschieden. Der Kapitän übernimmt nach abgesessener Sperre am Freitag wieder das Amt. Sein Vertreter Tim Sebastian fehlt hingegen beim vorletzten Heimspiel der Saison gegen den SV Sandhausen nach seiner fünften Gelben Karte.

Fan-Verbrüderung am Millerntor

Immerhin gab es auf dem Hamburger Kiez auch eine Neuigkeit. Leipziger und Hamburger Fans verbrüderten sich teilweise, sangen gemeinsam und tauschten sogar Schals. „Abgesprochen war das nicht, aber ein schönes Erlebnis“, so ein Leipziger Schlachtenbummler. Rund 700 RB-Anhänger hatten sich am Sonntag gegen 7.15 Uhr mit einem Sonderzug auf die Reise begeben. Insgesamt feuerten etwa 2500 Leipziger ihr Team an. Ihr Zug erreichte gegen 20.40 Uhr wieder den Haltepunkt und Fanzug-Endstation Neue Messe.

Am kommenden Freitag greifen dann voraussichtlich wieder die üblichen Reflexe im Fanlager des Gegners. Die Anhänger des SV Sandhausen wollen die Partie in der Red-Bull-Arena boykottieren. Stattdessen stehen zu Hause ein Dosenwerfen mit anschließendem Public Viewing auf dem Programm. Was das bringt, hat Darmstadt 98 leidvoll erfahren. Ohne Unterstützung verloren die Hessen ihr Spiel in der Schlussminute gegen RB. 98-Trainer Dirk Schuster: „Wir respektieren die Entscheidung der Fans“, sagte der in Karl-Marx-Stadt geborene Coach. „Aber der Verein hat im Moment eine riesige Chance, da muss man alles in die Waagschale werfen. Da hätte uns die Unterstützung der Fans schon ein bisschen geholfen.“

Anne Grimm/Matthias Roth/Guido Schäfer

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