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News Bullenrotes Fanblut in Buchform: Ein Loblied auf RB Leipzig auf 240 Seiten
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11:31 16.10.2015
Das 240 Seiten starke Buch will eine "Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt" sein. Quelle: Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
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Leipzig

Endlich! Endlich hat es einer getan. Endlich gibt es, mit Cover in Signalrot, also genau der richtigen Farbe, die Fibel, die nun wirklich ins Buchregal jedes wirklichen Leipzigers gehört: die Geschichte von einer endlich erblühten Landschaft. Geschrieben hat sie ein Fan der ersten Kicker-Stunde - mit bullenrotem Fanblut, heftig pochendem Fanherz und aufstiegsklarer Fanbrille.

Der Mann heißt Matthias Kämmerer, ist Mitte 30 und tief eingetaucht in die Geschichte jenes Fußballvereins, der bundesweit als Brauseklub geschmäht wird, der etwas stockbeinig in die neue Saison gestolpert ist und  am Sonntag als Zweitliga-Fünfter mit vier Punkten Rückstand bei Tabellenführer Bochum antritt, auf dem aber  alle Hoffnungen diesseits und jenseits der Pleiße ruhen. Auch wenn die RB-Geschichte mal gerade sechs Jahre alt ist. So manche Episode, so manches Detail, so mancher Name aus den Anfangstagen dürften bereits in Vergessenheit geraten sein. Oder bringt noch jeder Fan die Namen der Trainer zusammen?

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Kino- und RB-Fan

Jahrelang konnte man sich mit unserem Autor Norbert Wehrstedt vortrefflich über französisches Kino, tolle Schwarz-Weiß-Filme oder die Puhdys unterhalten und über den (meist missratenen) jüngsten Tatort oder Hollywood-Blockbuster
streiten. Zum Lebensmotto des LVZ-Filmkritikers gehörte auch stets das berühmte „No Sports“, das vor mehr als 50 Jahren Winston Churchill zugeschrieben wurde. Eines Tages aber wurde Wehrstedt auf wundersame Weise vom RB-Virus befallen. Seit zwei Jahren verpasst er auf Sky kaum einen Auftritt der Roten Bullen. Fliegt Wehrstedt während eines RB-Spiels zur Tochter nach Seattle, bekommt er das Ergebnis aufs Handy – und kann die Landung kaum erwarten.

Dafür gibt es nun als Gedächtnisstütze diesen Blick zurück. Natürlich kann man sich streiten, ob Matthias Kämmerer auch wirklich alle wichtigen Spieler (Röttger, Rockenbach, Kammlott, Wallner) aus den dunklen Jahren missglückter Aufstiege nennt und charakterisiert. Oder Daniel Frahn (heute Heidenheim) eine stimmige Bewertung (auch seines RB-Abschieds) bekommt. Worüber man nicht streiten kann, ist, dass Kämmerer es versteht, die Namen in Verbindung mit Höhen und Tiefen des Clubs zu bringen.

Was natürlich auch für die Cheftrainer gilt. Bei denen, angefangen bei der einjährigen Markranstädt-Übernahme Tino Vogel, bemüht er sich, die Unterschiede in Spielanlage und Spielsystem zu finden - und landet letztlich wieder da, wo auch Fußball-Kommentatoren immer wieder landen: bei Schlagwörtern. Vorpressing, Umschaltspiel, direkter Weg zum Tor. Das nickt Kämmerer ab - ohne auf die Zorniger-Götterdämmerung einzugehen. Also auf hölzernes Gedribbel,  unendlich viele sinnfreie Bogenlampen-Bälle, die daneben gingen (und damit viele Spiele), hilflose Angreifer ohne Tore oder die ständig sträflich vernachlässigte linke Angriffs-Seite (es sei denn, der agile Anthony Jung ist wieder mal im vollen Einsatz).

Kämmerer bleibt immer ein höflicher Fan. Sein flott hingelegtes RB-Buch nickt eher ab, als dass es irgendwelche kritischen Einwände zu Spielanlage und Spielerauswahl macht. Selbst Rebic, Damari, Reyna oder Boyd, alles eklatante Fehleinkäufe, kommen freundlich in dieser Vereins-Historie weg, die vor allem eines bleibt: Vereins-Hymnus.

Was das RB-Fördermitglied Kämmerer allerdings über das Vereins-Umfeld, die RB-Jugendarbeit (bis zum Frauenfußball-Aufbau), RB-Sponsoring, RB-Philosophie und RB-Fans schreibt, dass ist einigermaßen überraschend - weil es in dieser Kompaktheit wohl zuvor noch nicht wirklich wahrgenommen wurde. Liest man das, erübrigt sich rasch jede Diskussion darüber, ob die Stadt, die Region, der Osten den Club in diesem innerstädtischen Stadion braucht. Da mögen Lok- und Chemie-Enthusiasten noch so sehr aus dem Häuschen geraten. Da ist auch das Loblied auf Ralf Rangnick, den Sportdirektor und Trainer, durchaus angebracht.

Dass RB aufsteigen wird, steht für Kämmerer so fest wie Tim Sebastian in der Abwehr. Denn selbstverständlich sieht sich Fan Kämmerer auch die gegenwärtigen Kicker an, von Coltorti über Forsberg (goldrichtiger Einkauf), Poulsen („dänische Granate“) und Teigl (zeigte Stürmern letzte Saison, wie Tore gehen) bis zu Kaiser, ohne den ja nun gar nichts geht. Gehört RB in die Bundesliga? Ja, sagt Kämmerer, weil die Spitzenliga mehr starke, wirtschaftlich gesunde Vereine braucht. Ein Grund. Es gibt sicher noch 222 andere.

Matthias Kämmerer: 111 Gründe, RB Leipzig zu lieben. Eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt. Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 240 Seiten, 9,99 Euro

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