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Sportbuzzer RB Leipzig News Ein harter Kampf: RB-Verteidiger Christian Müller und die Rückkehr auf den Platz
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11:33 12.11.2014
Die schwere Verletzung am Knie zog sich Christian Müller beim Testspiel gegen Vaduz zu. Quelle: GEPA pictures
Leipzig

r. Besteigt der Sportkamerad gerade einen Berg oder quarzt er zu viele Filterlose? Weder noch, der 30-Jährige macht sich im ambulanten Reha-Zentrum Medica lang, arbeitet sechs Stunden täglich an einer Rückkehr auf den Fußball-Platz. Das Handy bleibt während der knallharten Einheiten im Spind. Es ist sechsmal die Woche im Spind. Weil das Leben ernst genug ist, bietet sich eine leichtfüßige Gesprächseröffnung an: „Na, was macht das Holzbein, Herr Müller?“

Rückblick, 11. Januar, Trainingscamp Türkei, RB testet gegen Vaduz. Nach einem harmlos aussehenden Zweikampf geht der Rechtsverteidiiger zu Boden, schreit wie am Spieß. Weil der Mann das theatralische Fach nur vom Hörensagen kennt, wissen alle: Da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein. Im linken Bein des gebürtigen Offenbachers ist nichts mehr wie es war.

Leipzig. Zehn Monate nach seiner Horror-Verletzung im Testspiel gegen Vaduz kämpft RB-Leipzig-Verteidiger Christian Müller härter denn je um seine Gesundheit und ein Comeback bei den Rasenballern. Sechs Stunden täglich schwitzt der 30-Jährige in der Reha. Müller hat inzwischen das Laufen neu gelernt und sagt: "Ich will Fußball spielen, weil ich den Fußball liebe.“

Der gestählte Unfall- und Clubarzt Frank Striegler wird später sagen, dass er derartige Verletzungen nur von schweren Motorradunfällen kennt. Auf eine genauere Beschreibung des irrwitzig verdrehten Knies wird an dieser Stelle verzichtet. Die Erstversorgung auf dem Platz übernehmen Striegler und die RB-Physiotherapeuten Alexander Sekora und Sven Worbser. Sie machen alles richtig, verhindern einen Kollaps und brutale Folgeschäden.

Müller exakt zehn Monate und zwei Operationen nach jenem Alptraum: „Bei 25 Prozent dieser Art von Verletzungen  muss im Nachgang der Unterschenkel amputiert werden. Ja, Herr Schäfer, dem Holzbein geht es gut.“

Wobei gut im vorliegenden Fall ein relativer Begriff ist. Müller kann wieder gehen, kann auch vorsichtig Treppensteigen. Das ist für Otto-Normalverbraucher schön und gut, für einen professionellen Fußballer viel zu wenig. „Ich muss Geduld haben, hatte Glück im Unglück.“

Die Geduld der Berufsgenossenschaft ist endlich. 18 Monate nach einem Berufsunfall muss die Rückkehr in den Job vollzogen sein. Danach ist Schicht im Schacht, wird die Berufsunfähigkeit festgestellt, greifen Umschulungsmaßnahmen. Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick hat Hilfe für den Plan B (der nach der Karriere) avisiert.

Müller will Plan A, will kämpfen und wieder kicken. „Es geht nicht um Geld, Applaus und Anerkennung. Ich will Fußball spielen, weil ich den Fußball liebe.“ Das muss nicht zwingend bei RB Leipzig sein, dürfte sich, wenn überhaupt, in niederen Gefilden abspielen.

Müllers Genesung vollzieht sich in kleinen Schritten, die sich aber einbrennen im Gedächtnis des Patienten. Im Mai kamen im Hause Müller zwei freudige Ereignisse zueinander: Papa Christian und Töchterchen Luna (damals zwölf Monate) konnten: laufen. Der eine wieder, das Baby zum ersten Mal. Mama Carolin (28) standen die Tränen in den Augen.

Der Kontakt zur Mannschaft ist intakt, Müller fiebert bei jedem Heimspiel mit. Dass die Erwartungshaltung in Leipzig nach zwei Aufstiegen ungesunde Maße angenommen hat, erfährt der Medica-Stammgast beim täglichen Üben. „Manche Leute haben vergessen, dass sich im Leipziger Fußball ewig gar nix getan hat. Und denen kann es jetzt nicht schnell genug gehen“, appelliert Müller an den Sinn für die Realitäten. „Mit einem Sieg gegen St. Pauli sind wir wieder ganz vorne dabei.“

Man beachte das „wir“. Der Fußballspieler Müller akzeptiert noch kein „Ex“ vor seiner Berufsbezeichnung.

Guido Schäfer

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