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News Vor dem Zweitliga-Kracher: Kult-Coach Peter Neururer über sich, RB Leipzig und Bochum
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10:16 24.10.2014
Im Klartext-Interview spricht Bochums Trainer über sich, RB, Gott und die Welt. Quelle: Axel Heimken
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Leipzig

Hallo, Herr Neururer, wir möchten nicht noch mehr Öl ins Feuer ...

Öl? Feuer? Was meinen Sie?

Nun ja, in der Sport Bild haben Sie sich ja recht deftig über RB Leipzig geäußert.

Haben Sie den kompletten Text gelesen?

Aber ja doch.

Dann haben Sie sicher auch gelesen, dass ich die Arbeit von Ralf Rangnick und Alexander Zorniger ausdrücklich lobend erwähnt habe. Die machen einen sensationellen Job. Was ich nicht gut finde, ist es, wenn Spieler zwischen Salzburg und Leipzig hin und hergeschoben werden. Statuten, die so etwas erlauben, gehören überprüft. RB macht ja nichts Illegales. Aber das widerspricht meinem Empfinden von sportlicher Fairness. Zu dieser Kritik stehe ich.

Sie haben auch gesagt, dass Sie niemals ein Angebot von RB annehmen würden.

Nach meinem Herzinfarkt 2012 habe ich mir geschworen, dass ich nur für drei Vereine auf die Trainerbank zurückkehren würde.

Real, Bayern und Milan?

Nein, Köln, Schalke und Bochum.

Stimmt es, dass Sie den Job beim VfL auch ohne Geld machen würden?

Ich bin bescheiden, brauche nicht viel zum Leben, müsste nicht mehr arbeiten. Ich bin zwar Idealist und der VfL ist kein reicher Club. Aber ein paar Euro für den Cheftrainer sind schon noch drin. Ich wäre übrigens 1999 fast mal in Leipzig gelandet, hatte mit dem VfB verhandelt.

Herr Neururer, Sie standen auch schon 1998 auf der Wunschliste des VfB. Und Dynamo Dresden war auch an Ihnen dran.

Ja, Dynamo, ich erinnere mich, da habe ich in einem Dresdner Hotel verhandelt. Mit dem verrückten

...Rolf-Jürgen Otto. Ein hessischer Polterer und Baulöwe, der mal meinungsstarker Präsident bei Dynamo war.

Ja, Otto hieß der. Sehen Sie, ein Mann wie ich sucht nicht, der wird gefunden.

Was verbindet Sie mit Leipzig?

Ich war mit meinen Mannschaften öfter in Leipzig.

Neururer: „Man muss mich einfach lieb haben!"

Mit welchen von Ihren 15?

Mit Schalke hatten wir ein Freundschaftsspiel beim FC Sachsen. Ich kenne aber auch das Plache-Stadion und das alte Zentralstadion von innen.

Kennen Sie RB-Coach Alexander Zorniger persönlich?

Nein, ich kenne den Kollegen nicht. Wir haben bisher immer in unterschiedlichen Ligen gearbeitet. Und das ist nicht herabwürdigend gemeint.

Zorniger freut sich auf Sie, nennt Sie einen absoluten Typen.

Ja, man muss mich einfach lieb haben. Im Ernst: Ich kann bisher nur seine Arbeit beurteilen. Und die macht er offenbar richtig gut. Leipzig spielt mit viel Tempo aggressiv nach vorne, attackiert permanent, kann in der zweiten Liga jede Mannschaft schlagen. Das heißt aber nicht, dass sie unverwundbar sind.

Welche Schwächen haben Sie entdeckt?

Das werde ich Ihnen nicht verraten.

Das von Ihnen sonst geforderte Aufbauspiel von hinten durchs Mittelfeld wird in Leipzig nicht zu bewundern sein.

Das wäre gegen diese Truppe ja auch Wahnsinn. Die attackieren dich mit fünf Mann, machen das sehr gut. Wir müssen das anders lösen, haben im Training an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet. Klar ist, dass wir daheim zu viel Punkte liegen gelassen haben (sechsmal 1:1; Red). Die wollen und müssen wir jetzt auswärts holen. Meine Jungs sind heiß auf Leipzig und auf Punkte.

Neururer: „Am liebsten wäre mir Platz eins."

Wo landet RB am Ende der Saison?

Das ist kein normaler Aufsteiger, die spielen um den Aufstieg mit.

Mit Blick auf den schmalen Bochumer Etat und Verbindlichkeiten von 7,5 Millionen Euro schließt sich ein Spitzenplatz eigentlich für den VfL aus. Ist das so bis zu den Bochumer Fan auch durchgestellt?

Bochum hat ewig in der Bundesliga gespielt, da ist es normal, dass man ein gefühlter Erstligist ist. Aber wir wissen um unsere Situation und um unsere jüngere Vergangenheit. Wir bekommen hier pünktlich unsere Gehälter, alles ist gut und professionell geregelt.

In den beiden letzten Spielzeiten wurde der Abstieg in die dritte Liga kurz vor knapp verhindert. Ist Platz acht vor diesem Hintergrund ein guter Platz?

Am liebsten wäre mir Platz eins, aber wir können mit der aktuellen Lage ganz gut leben. Wir haben eine gute und ehrgeizige Truppe zusammen. Viel darf bei uns aber vor allem in der Defensive mit Verletzten  nicht passieren. Da sind wir dünn besetzt.

Verteidiger Lukas Klostermann hat den VfL im Sommer in Richtung Leipzig verlassen. Sauer auf Klostermann?

Nein, absolut nicht. Lukas ist ein hochanständiger Kerl. Ich wünsche ihm alles Gute und Gesundheit.

Und einen anderen Berater.

Ja, auch dazu stehe ich. Als Lukas den VfL verlassen hat, wurde er falsch beraten.   

Interview:  Guido Schäfer

Guido Schäfer

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