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News Roscheck nach seinem EM-Aus im Interview: „Sind eine intakte Mannschaft
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SC DHFK
15:44 24.01.2018
Bastian Roscheck im Kreis der Nationalmannschaft.  Quelle: dpa
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Leipzig

Bastian Roscheck, was ist anstrengender: EM-Spiele auf dem Parkett bestreiten oder vor dem Fernsehgerät auf der Couch verfolgen?

Es ist immer angenehmer zu spielen. Schon allein auf der Bank zu sitzen, fällt mir schwer. Da kann man nichts tun und nur hoffen. Das ist brutal.

Wie sehr schmerzt es noch, nicht mehr bei der Mannschaft zu sein?

Mittlerweile geht es. Die ersten zwei, drei Tage tat es echt weh. Da war die Enttäuschung wirklich groß.

Aus heutiger Sicht: Lässt sich die Entscheidung nachvollziehen und war sie richtig?

Ich kann das einordnen. Mit Christian Prokop hatte ich ein konstruktives Gespräch. Er hat mir die Gründe klar gemacht. Deshalb ist das für mich auch ein stückweit nachvollziehbar gewesen, vor allem weil taktische Gründe den Ausschlag gegeben haben. Mit meiner sportlichen Leistung hatte der Wechsel nichts zu tun. Es wäre schwerer für mich gewesen, wenn ich zwei ganz schlechte Spiele abgeliefert hätte. Mit dem nötigen Abstand bin ich stolz, dabei gewesen zu sein. Und wenn ich noch gebraucht werde, mein Koffer steht gepackt im Keller.

Wie war das Verhältnis zu den Kollegen in der Nationalmannschaft, der Ruf nach Finn Lemke war von Anfang zu hören?

Es war immer klar, dass im 16er Kader noch einmal getauscht werden kann und die 20 nominierten Spieler gleichberechtigt sind. Das hat der Bundestrainer immer sehr deutlich gemacht, jeder hat die gleiche Wertschätzung. Mit der Personaldiskussion während des Turniers habe ich mich nicht beschäftigt, da können wir Spieler ohnehin keinen Einfluss nehmen. Wir sind eine ganz normale und intakte Mannschaft. Da wurde in den Medien auch viel aufgebauscht. Als ich beim Team war, wurde konzentriert gearbeitet und es ging immer um den Erfolg.

Christian Prokop steht in der Kritik, zu viele Wechsel, unklare Ansagen in der Auszeit, zu viel Taktiktafel. Können Sie diese Vorwürfe nachvollziehen und wie haben Sie den Trainer in Kroatien erlebt?

Ich habe Christian wie immer erlebt. Er ist ein akribischer Arbeiter und beschäftigt sich mit jedem Spieler. Wir haben in Deutschland unfassbar viele gute Handballer. Allein da schon einen Kern herauszufinden, ist brutal schwer. Im Spiel gegen Slowenien hat bei keinem etwas funktioniert. Da kann ich die Kritik an den Wechseln nicht verstehen. Viel wird dann auch sehr kleinlich berichtet. Klar, Medien sind da, um zu kritisieren. Wenn wir jetzt gegen Spanien gewinnen, wird darüber keiner mehr sprechen.

Versteht die Mannschaft die Spielphilosophie des Bundestrainers?

Definitiv ja!

Lässt sich das Leipziger Deckungssystem überhaupt auf die Nationalmannschaft übertragen?

Das ist schon möglich. Dieses System ist auch bei Christian gewachsen. Das haben wir auch in Leipzig nicht von Anfang so beim ihm gespielt, dafür ist es zu komplex. Es ist schon Wahnsinn, dass wir es nach all den Jahren beim SC DHfK gut spielen können. Es braucht aber auch seine Eingewöhnungszeit. Das ist auch bei der Nationalmannschaft so. Dort werden aber schon einige Elemente gespielt.

Was trauen Sie der Mannschaft im Turnier noch zu?

Die Mannschaft bringt alles mit und die Spitze ist super eng. Kleine Fehler können da schon den Ausschlag geben. Ich traue den Jungs zu, dass sie noch weit kommen. Sie haben alle Trümpfe selbst in der Hand. Die Spanier können eine Mannschaft sein, die den Deutschen liegt.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf weitere Länderspiele ein?

Meine Chance ist genauso groß wie für alle anderen auch. Um in die deutsche Nationalmannschaft berufen zu werden, muss man jede Woche in der Bundesliga gut spielen. Das ist meine Aufgabe, für mich geht es um nichts anderes jetzt. Alles andere wird sich zeigen. Ich sehe nicht, dass alle Türen für mich zu sind.

Sie steigen am Donnerstag wieder ins Training beim SC DHfK Leipzig ein. Lässt sich der Schalter einfach wieder auf Bundesliga-Modus umlegen?

Für mich ist der Einstieg ins Training gut. Ich brauche Alltag, mit solchen Sachen wie bei der Nationalmannschaft fertig zu werden. Nach Rückschlägen halte ich mich nie lange damit auf. Mit dem SC DHfK haben wir noch einiges vor und jetzt gleich ein schwieriges Auftaktprogramm. Wir haben viel Arbeit vor uns.

Sie haben für die Nationalmannschaft Ihre Hochzeit abgesagt, gibt es schon einen neuen Termin?

Einen neuen Termin gibt es noch nicht, dafür war die Zeit zu kurz. Ich würde die Entscheidung aber immer wieder so treffen.

Interview:  Matthias Roth

Bastian Roscheck ist am Mittwoch von 18.30 Uhr an bei SkySportNewsHD als Experte zu sehen.

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