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News Schwerin reist mit Minikader nach Leipzig – wie Trainer Prokop einst auf Linkshänder umschulte
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SC DHFK
14:37 15.03.2012
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Leipzig/Schwerin

Für den Ostschlager ziehen die Grün-Weißen aus ihrem Wohnzimmer in der Ernst-Grube-Halle aus und wagen den Sprung über die Jahnallee in die Arena.

Das Ziel: ein neuer Zuschauerrekord in der Liga. Die alte Bestmarke liegt bei 6.211 Fans. Die Vorzeichen stehen günstig. „Wir haben schon knapp 6000 Karten abgesetzt“, sagt Karsten Günther, Geschäftsführer der Leipziger DHfK-Handballer. Restkarten gibt es am Freitag an der Tageskasse.

„Ob uns die Kulisse beflügelt oder hemmt, werden wir sehen“, so Gästecoach Prokop. Auch in Schwerin passen mehr als 5000 Gäste in die Halle. Mehr als 2.000 Zuschauer unterstützen den SV Post aber nur selten. „Wir wollen das Spiel genießen und vielleicht wird es wieder so umkämpft wie in Schwerin“, meint Prokop.

Dramatisches Hinspiel

In der Hinrunde gewannen die Gastgeber nach einer dramatischen Partie knapp mit 31:30. Leipzig lag teilweise mit fünf Toren in Führung, brach dann ein und musste einen Sechs-Treffer-Rückstand in der Endphase aufholen. In der Schlusssekunde pfiff der Schiedsrichter Siebenmeter und René Boese schnappte sich den Ball. Der sonst so sichere Rechtsaußen scheiterte an Torhüter Robert Wetzel. „Die Sache ist für mich abgehakt“, sagt Boese heute. Wenn die Mannschaft am Freitag in ihr Spiel finde, sollte die Revanche gegen die Mecklenburger glücken.

Zumal die Schweriner mit einem Mini-Kader anreisen. „Mir stehen nur noch neun Feldspieler zur Verfügung“, berichtet Prokop. Das ohnehin schon kleine Aufgebot sei durch Verletzungen noch weiter geschrumpft. Zwei-Meter-Rückraumschütze Ingo Heinze fällt ebenso aus wie der tschechische Rückraum-Allrounder Jakub Vanek.

„Wir wollen das Spiel lange offen halten“, gibt Prokop deshalb als erstes Ziel aus. Möglicherweise stapelt er damit aber auch nur tief. In den vergangenen Wochen haben die Post-Spieler beachtliche Resultate erzielt. Tusem Essen verlor im Norden ebenso wie die HG Saarlouis. Bei den starken Bittenfeldern gewannen die Schweriner sogar auswärts.

Die Entwicklung in Leipzig verfolgt der geborene Köthener Prokop aufmerksam. „Der SC DHfK ist doch ohnehin in aller Munde“, sagt er. Allein die Werbung durch Stefan Kretzschmar sorge für bundesweite Aufmerksamkeit. Einen Aufstieg schon in diesem Jahr hält er allerdings für zu früh. Ähnlich wie der frühere Bundesligaprofi und heutige Leipziger Spielerberater Erik Göthel schätzt auch Prokop nur GWD Minden als erstligatauglich ein. Alle anderen Zweitligisten würden in der ersten Liga kaum den Klassenerhalt schaffen, meint er.

Umschulung auf Linkshänder

Prokop kennt sich in der Eliteliga des deutschen Handballs aus. Dort hat er nach unterklassigen Stationen in Köthen, Bernburg und Dessau einst selbst für Wuppertal und Minden gespielt. Bis ihn eine Verletzung zurück warf und zu einer spektakulären Entscheidung zwang. Nach einem Knorpelschaden konnte Prokop sein linkes Knie nicht mehr voll belasten. Für einen Rechtshänder fatal, da er sich auf sein Sprungbein nicht mehr verlassen konnte. „Ich habe damals alles auf eine Karte gesetzt“, erinnert sich der frühere Profi. Kurzerhand beschloss er, von Rechts- auf Linkshänder umzuschulen. Dafür musste der Spieler eine Fehlstellung seiner Beine korrigieren lassen und ließ sich unter Vollnarkose den linken Oberschenkel brechen.

„Ich hatte X-Beine, dann O-Beine“, so Prokop. Mühevoll musste er das Laufen und die gesamte Koordination wieder neu erlernen. Hinzu kam das Wurftraining mit dem linken Arm. „Im DDR-Nachwuchs haben wir auch schon beidhändig trainiert“, erklärt der Sachsen-Anhalter. Am Ende erreichte er fast seine alte Wurfhärte wieder. Dennoch: Die Spielerkarriere war bald zu Ende. In Minden wurde ein neuer Trainer verpflichtet und der gab Prokop keine Chance mehr. Zudem schwoll sein Knie immer wieder an. Bereut hat er den medizinischen Eingriff trotzdem nicht. „Im Alltag ist schon eine Entlastung da, für Leistungssport reicht es nicht mehr“, so der 33-Jährige.

Vom Parkett wechselte Prokop sofort auf die Trainerbank, betreute schon die Zweitligisten von Hannover-Anderten und SC Magdeburg II. Nebenbei schloss er sein Lehrerstudium ab. Schwerin coacht Prokop seit dieser Saison. „Meine Handschrift ist jetzt zu erkennen“, sagt er. Große Sprünge erwartet er in diesem Jahr nicht von seinem Team. 30 Punkte will Prokop mit seinen Jungs einsammeln – für den Klassenerhalt. Zwei Zähler sollen am liebsten am Freitag dazukommen, in der stimmgewaltigen Arena Leipzig.

Matthias Roth

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