Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Sport Regional Kindheitstraum auf dem Golfplatz
Sportbuzzer Sport Regional Kindheitstraum auf dem Golfplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:21 07.11.2018
Laurids Lohr in Aktion. Quelle: privat
Leipzig

Laurids Lohr ist Golfprofi, mit 18 Jahren einer der jüngsten Profis in diesem Sport. Die LVZ berichtete schon im Oktober 2005 über den aufgeweckten Jungen mit der großen Schirmmütze. Das hochgelobte Talent musste auf dem Markkleeberger Platz nicht lange nachdenken, wenn es nach seinem Traumberuf gefragt wird: „Golfprofi.“ Damals sagte Laurids Papa Stefan, selbst ein leidenschaftlicher Golfer: Laurids hat Spaß, er treibt mich oft auf den Platz – wo das alles hinführt, kann man jetzt noch nicht sagen.“

Eltern, Trainer - und die erwachsene Konkurrenz beeindruckt

Seine ersten Berührungen mit dem Ballsport machte der Leipziger bereits mit zweieinhalb Jahren. Zufällig, als er in Bad Griesbach mit einem noch viel zu großen Schläger sein Talent offenbart und gleich jeden Ball trifft. Mit fünf Jahren erlangt er als bis dahin jüngster deutscher Golfer die offizielle Platzreife und gewinnt sein erstes Turnier in der Erwachsenenkonkurrenz nur ein Jahr später. Als Laurids acht Jahre alt ist, erkennt Trainer-Ass Robert Baker sein Talent. Er übernimmt die Ausbildung mit seinem Partner Tim Holroyd, ebenfalls ein Spitzentrainer, der Laurids Lohr bis heute betreut.

Basis schaffen für European Tour

Nach Siegen und vorderen Platzierungen bei weltweiten Junioren-Turnieren wechselte der junge Mann 2016 von den Jungamateuren ins Profilager. Dort spielt er auf verschiedenen Einstiegstouren, wie der ProGolf Tour und der Alps Tour. „Ich möchte vor allem Erfahrung sammeln.“ Unterstützt wird der ehrgeizige Jung-Golfer neben seinem angestammten Team auch von Alexander Kessler, dem Head-Pro des Golf & Country Clubs Leipzig in Machern. Dort fanden übrigens im August die 1. Leipziger Golf Open statt.

Lohr will die Basis schaffen, um in den nächsten fünf Jahren bis auf die European Tour, der europäischen Königsklasse, aufzusteigen. Langfristig liebäugelt er auch mit der US-PGA Tour, dem Non-Plus-Ultra der Profigolfer. Die meisten Golfprofis sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Selbst Weltklassespieler Bernhard Langer glänzt mit seinen 61 Jahren noch immer bei den Senioren.

An Erfahrung und Muskelmasse zugelegt

„Das ist eben das Schöne am Golf. Ich kann diesen Sport lange ausüben.“ Zu seinem frühen Karrierestart meint er: „Mein Wechsel kam natürlich extrem früh. Aber schwimmen lernt man eben nur im tiefen Wasser und ich habe dadurch schon sehr früh eine Menge gelernt.“ Laurids Lohr intensivierte seit Mai das Training stark und reduzierte die Turnierteilnahmen auf ein Minimum, um sich auf die kommenden Herausforderungen optimal vorzubereiten. Im Dezember geht es nach Spanien, wo bei Malaga das Qualifikationsturnier für die Alps Tour stattfindet. Ende Januar fliegt der Sachse in die USA, um erste Erfahrungen auf Profiturnieren zu sammeln.

„Nichts im Golf geht schnell“, sagt Laurids Lohr. „Alles braucht Zeit. Talent zu haben ist gut. Aber noch lange keine Garantie dafür, dass man es ganz nach oben schafft. Die Luft dort oben ist sehr dünn, und schon auf den unteren Touren wird unglaublich gutes Golf gespielt.“ Gefragt, woran er denn gerade arbeite, grinst er: „Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren sechs Kilogramm Gewicht zugelegt – reine Muskelmasse. Das war wichtig, um weitere Distanzen schlagen zu können, aber auch, um mich besser vor Verletzungen zu schützen.“

Vorbilder? „Ich schaue mir bei jedem Spieler an, was er besonders gut kann.“ Dennoch seien Francesco Molinari, Tommy Fleetwood oder Adam Scott sehr inspirierend. Persönliches Motto des Begabten: „Ich möchte sehr gutes Golf zeigen. Alles andere ergibt sich dann.“ Neben dem harten Übungspensum mit seinem Team um Vater/Manager Stefan Lohr bleibt wenig Zeit für Freizeit. „Ich habe meine Freunde auf dem Golfplatz, viele davon sind selbst Tour-Professionals.“

Per Fernschule zum Abitur

Der Leipziger lernt per Fernschule fürs Abitur, das er im Oktober 2019 abschließen will. Thema Sponsoren. „Turniere, Training und Material bezahlen sich nicht von selbst. Alleine könnten wir die Kosten kaum tragen“, sagt Laurids Lohr und Vater Stefan ergänzt: „Auf den unteren Touren decken die Einnahmen noch lange nicht die Kosten. Ohne Sponsoren geht da gar nichts.“ Deshalb teilen sich Laurids Lohr und seine Tour-Kollegen oft Apartments sowie die Unterhaltskosten und bilden nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften zu den Turnieren. Flüge in der Business-Class, Luxushotels und Drei-Sterne-Restaurants gibt es nicht. „Deswegen sind wir für jede Unterstützung dankbar.“

Wunsch nach mehr öffentlicher Wahrnehmung

Wie lauten die Wünsche für die Zukunft? „Dass der Golfsport einen höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit bekommt. Schließlich stellen die Golfer in Deutschland den zehntgrößten Sportverband und dafür sind wir in der öffentlichen Wahrnehmung schlicht unterrepräsentiert, was es auch für uns Profigolfer schwerer als nötig macht.“ Auf das immer noch elitäre Image des Golfsports angesprochen sagt er: „Das ist kalter Kaffee und trifft in weiten Teilen sicher nicht mehr zu. Golf ist definitiv ein Breitensport und in Hamburg und Berlin sogar Prüfungsfach bei der Sportprüfung im Abitur.“ Bei den Spitzenamateuren und im Profibereich sei das echter Leistungssport. Dennoch werden die Athleten noch oft belächelt.

„Wir Profigolfer schlagen etwa 72 Mal mit hoher Dynamik auf einer Runde, immer unter wechselnden Bedingungen – und unsere Landezone ist um ein Vielfaches kleiner als zum Beispiel im Kugelstoßen. Jeder Schlag zählt voll und wir haben keine fünf Versuche. Da ist Golf wie das richtige Leben.“ Und auf die Frage, wie er mit dem Druck umgeht, den der Leistungssport mit sich bringt antwortet Lohr mit einem Lächeln: „Druck ist wichtig. Diamanten entstehen auch nur unter hohem Druck!“

Von Wim Lukowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
News „Paradies“ fast ausverkauft - RB Leipzig zu Gast im legendären Celtic Park

Die Celtic-Anhänger gehören zu den friedlichsten Fußballfans Europas und erhielten dafür sogar schon den Fairplay-Preis der FIFA. Am Donnerstagabend werden mehr als 55.000 Schotten RB Leipzig zum Rückspiel in der Europa League im legendären Celtic Park empfangen.

07.11.2018

Fast 800 .000 Euro soll der 1. FC Lok Leipzig einem MDR-Bericht zufolge Miese gemacht haben. Auf einem Fan-Abend am Montag wurden für diese Anschuldigungen deutliche Worte gefunden. „Die Behauptungen in dem Beitrag sind sehr fern von der Wahrheit“, so Präsident Thomas Löwe. 

05.11.2018

Der Landessportbund Sachsen (LSB) hat am Montagabend in Dresden 67 Sportlerinnen und Sportler in sein „Team Tokio 2020“ berufen. Die Sportler erhalten bis zu den Olympischen Spielen ideelle und aufwandsbezogene Unterstützung.

08.11.2018