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Sport Regional Leipzig noch immer ohne Eishalle – Kohlrabizirkus heiße Adresse
Sportbuzzer Sport Regional Leipzig noch immer ohne Eishalle – Kohlrabizirkus heiße Adresse
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21:01 18.04.2018
Super Stimmung, volle Ränge beim Eishockey: So wie hier in Dresden könnte die Sportart auch in Leipzig boomen. Quelle: Imago
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Leipzig

 Jonsdorf, Niesky, Weißwasser oder Crimmitschau. All diese Städte und Gemeinden haben zwar jeweils nicht mehr als 20 000 Einwohner, dafür aber eigene Eishallen. Sie garantieren den örtlichen Vereinen – immerhin je zweimal Regionalliga Ost und sogar DEL2 – sowie den freizeitlichen Schlittschuhläufern regelmäßige Eiszeiten. Ohne Provisorium, von der öffentlichen Hand getragen.

Schaut das nach Eishallen suchende Auge dagegen nach Leipzig, muss der Blick nach Taucha abschweifen. Zur Zeit ist die kw-Rent-Eisarena in der Nachbargemeinde der Großstadt die Heimspielstätte der Icefighters Leipzig. Gespielt wird seit Jahren in einem großen Zelt, für das die letztmalig erteilte Ausnahmegenehmigung der Behörden in wenigen Wochen ausläuft. Leipzig ist damit die einzige deutsche Großstadt mit über 500 000 Einwohnern, die über keine eigene Eishalle verfügt.

Bereits seit einigen Jahren basteln Eissport-Enthusiasten und Politiker an einer neuen, großen Lösung, der Sportausschuss der Stadt beschäftigte sich mehrfach mit dem Thema – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Der Stadtrat beauftragte 2016 die Verwaltung, Investoren zu gewinnen – auch hier gibt es noch keine Erfolgsmeldung aus dem Rathaus.

Fakt ist: Das Zelt soll perspektivisch durch eine feste Halle ersetzt werden. Dazu soll es in der kommenden Woche eine Gesprächsrunde bei OBM Burkhard Jung geben. Der SPD-Politiker hat die neue Eishalle bislang (noch) nicht zur Chefsache erklärt.

Gibt es Eislaufen und Eishockey künftig im Kohlrabizirkus?

Ein mögliches Szenario: Ein Umzug in den Kohlrabizirkus An den Tierkliniken. Eislaufen im Kohlrabizirkus – das gab es bis zum Jahr 2012 schon einmal auf 2200 Quadratmetern. Dies war die größte Eissporthalle Deutschlands. Mitglieder des Fachausschusses Sport schlugen das nun erneut vor. Ein riesiger Vorteil bestehe darin, dass kein Neubau nötig wäre und Millionen Euro eingespart werden könnten. Derzeit gebe es jedoch keinen Bedarf für eine Eishalle in Leipzig, so die Meinung der Stadtverantwortlichen.

So könnte die Eishalle im Leipziger Kohlrabizirkus aussehen. Quelle: svi

Seit Jahren kämpfen die Icefighters für eine Eishalle in Leipzig. Bereits im März 2016 fand die Petition „Eishalle für Leipzig“ 11 802 Unterstützer, davon 7620 Messestädter. Die Unterschriften wurden dem Petitionsausschuss der Stadt übergeben. Passiert ist nichts. Ein Antrag des Sportausschusses zum geplanten Umzug der Eisfläche in den Kohlrabizirkus sollte bis Ende Januar verwaltungsintern beraten und geprüft werden.

Doch die Vorlage der Stadtverwaltung lässt auf sich warten. Seit 2012 finanzieren Sponsoren die kw-Rent Eisarena. Dass es auch anders gehen kann, zeigen Beispiele aus Dresden, Chemnitz, Halle an der Saale, Erfurt, Rostock, Schierke oder Hannover.

Dresden macht jedes Jahr Millionen locker

Was in Leipzig abwegig erscheint, ist in Dresden selbstverständlich. Die Stadt leistet sich mit der Energieverbund-Arena ein mehrfunktionales Objekt – inklusive Eishalle. Jährlich werden dafür zirka 3,5 Millionen Euro fällig. Die Einnahmen lagen im vergangenen Jahr bei rund 2,8 Millionen Euro. „Die Differenz trägt die Stadt“, erklärt Pressesprecherin Diana Petters.

Mindestens eine Eisfläche ist im Zeitraum von Juli bis April in Betrieb, drei Eisflächen gleichzeitig von Oktober bis März. Neben den wöchentlichen DEL2-Spielen finden Großveranstaltungen im Eissport sowie im Sport-, Show- und Unterhaltungsbereich statt. Auf den Eisflächen werden je Saison etwa 8500 Nutzungseinheiten zu je einer Stunde vergeben. Doch warum leistet sich Dresden eine Eishalle – trotz der finanziellen Einbußen? „Aufgrunds der langjährigen Tradition und des starken Zulaufes im Eissport“, weiß Petters.

Eine neue Eisarena für 3050 Zuschauer erhielt 2013 auch Weißwasser. Die geplanten Baukosten von 15,7 Millionen Euro wurden sogar deutlich unterschritten.

Überall das Gleiche: Stromkosten verhindern Gewinn

Die Stadt Chemnitz ist Eigentümerin ihres Eissportzentrums. Dort gibt es zusätzlicj eine Trainingshalle und eine 400-m-Eisschnelllaufbahn. Die Betriebs- und Instandhaltungskosten beliefen sich 2017 auf 1,9 Millionen Euro. Die Eissport und Freizeit GmbH Chemnitz generiert einen Umsatz von 900 000 Euro. „Eine Kostendeckung kann durch die hohen Strom- und weitere Nebenkosten nicht erreicht werden“, weiß Stadtsprecher Robert Gruner.

Insgesamt gibt es in der Saison zirka 80 000 Besucher zum öffentlichen Eislaufen. Rund 1000 Sportler trainieren auf den drei Eisflächen. 1300 Schüler und 50 Kindergärten kommen regelmäßig zu Besuch. Pro Saison gibt es etwa 100 Eishockeyspiele der Erwachsenen und im Nachwuchs.

In Halle existiert eine große Position im Haushalt

Auch in Halle und Erfurt ist die Stadt im Besitz der Eishalle. Der hallesche Eisdom wurde 2014 eröffnet, nachdem das Vorgängermodell am Gimritzer Damm im Saale-Hochwasser 2013 „abgesoffen“ war und abgerissen wurde. Seither ist die Stadtverwaltung Eigentümer und Vermieter. Für rund 4,6 Millionen Euro wurde der Eisdom gebaut. Die Kosten wurden über die Fluthilfe von Bund und Ländern finanziert. Die Betriebskosten für die Eishalle betragen jährlich rund 470 000 Euro. Im Haushalt der Stadt sind zirka 610 000 Euro für die Halle eingestellt.

Eishallen sind generell ein Zuschussgeschäft

Holger Wilhelm ist Geschäftsführer des MEC 04 und mietet sich in den Eisdom für eine hohe vierstellige Summe pro Monat ein. Die Stadt wiederum unterstützt im Rahmen ihrer Sportförderung die Vereine, die sich in der Halle einmieten. Also unter anderem auch die Saale Bulls – in dieser Saison Tabellenzweiter der Oberliga Nord vor den Icefighters. „Ohne die kommunale Hilfe würde es nicht funktionieren“, sagt Wilhelm. Das sei aber in fast keiner Halle in Deutschland anders. Rund 100 000 Besucher nutzen jährlich den Eisdom – im Rahmen von Eishockeyspielen der Saale Bulls, Spielen der Nachwuchsmannschaften, Eis-Theater-Veranstaltungen und öffentlichem Eislaufen.

Für die Erfurter Eishalle ist der kommunale Eigenbetrieb Erfurter Sportbetriebe (ESB) verantwortlich. Dessen Werkleiter und Sportdirektor ist Jens Batschkus. Er sagt: „Es ist auch eine politische Frage, ob sich die Stadt eine Halle leisten will und kann.“ Eissport sei immer ein Zuschussgeschäft. In Erfurt, wo neben der Eishalle für Eishockey und Eiskunstlauf noch die Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle für den Eisschnelllauf betrieben wird, will man. Auch wenn der Betrieb „weit weg von einer Kostendeckung“ sei.

Köln dient als Vorbild für Rostocker Riesenprojekt

In Rostock gibt es ebenfalls eine Eishalle – und das bereits seit knapp 50 Jahren. Doch die in die Jahre gekommene Sportstätte bedarf einer Sanierung. Die würde rund zwölf Millionen Euro kosten. Stattdessen spricht die Stadt über einen möglichen Neubau – dann in Kombination mit einer Schwimmhalle – für rund 25 Millionen Euro. Langfristig könnte die Stadt so Betriebskosten sparen, denn die Abwärme der Eis-Anlagen könnte zum Erwärmen des Badewassers genutzt werden. Bereits im März sollen die Fraktionen im Stadtrat konkrete Pläne auf dem Tisch haben. Als Vorbild für die Rostocker Pläne gilt der 2011 eröffnete Lentpark in Köln – ein rund 25 Millionen Euro teurer Neubau nach Plänen des Architekturbüros Schulitz + Partner aus Braunschweig.

Die kombinierte Eis- und Schwimmhalle in Köln gilt als Vorbild für den geplanten Neubau in Rostock. Quelle: Jörg Hempel

Für Leipzig ist dieses Projekt besonders interessant: In fast jeder Rede weist Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) auf den Bedarf an gleich zwei neuen Schwimmhallen hin. Von einer Eishalle spricht der Politiker höchst selten. Die Kombination aus Eis- und Schwimmhalle wäre für die wachsende Stadt Leipzig vielleicht eine elegante Lösung.

Zurück nach Rostock: Die Kosten für die Betreibung der jetzigen Eishalle in der Ostseestadt betragen durchschnittlich 800 000 Euro im Jahr, die Einnahmen liegen bei etwa 130 000 Euro. Das macht ein Defizit von knapp 670 000 Euro. Andreas Häse ist ICE-Marketing-Geschäftsführer und seit 1993 Betreiber der Eishalle in Rostock. Dort gehört die 1970 gebaute und 1800 Zuschauer fassende Halle der Stadt. „Wir mieten diese für einen sechsstelligen Betrag im Jahr“, sagt Häse. Die Stadt vermiete die Halle zusätzlich noch an Vereine, wie den Rostocker Eishockey-Club Piranhas, der wie die Icefighters Leipzig in der Oberliga Nord spielt.

Städtische Unterstützung gilt als unverzichtbar

Da die Rostocker Halle die einzige in Mecklenburg-Vorpommern ist, kommen Besucher aus einem Radius von bis zu 80 Kilometern in die Hansestadt – macht rund 200 000 Gäste pro Jahr. „In der Gesamtheit rechnet sich das nicht für die Stadt“, erklärt Häse. Doch Städte würden viele Einrichtungen unterstützen, die sich nicht rechnen. Als Beispiel nennt der ICE-Geschäftsführer Schwimmhallen. Diese seien wesentlichen teurer im Unterhalt. „Bei Eishallen sind es nur die relativ hohen Energiekosten, verursacht durch die Kühlung.“ Aber auch dies sei nur ein hausgemachtes Problem, da die Energieversorger meist der Stadt selbst gehören.

Der Rostocker Eishallenbetreiber fasst die Situation so zusammen: Seiner Meinung nach sei es die Aufgabe einer Stadt, ihren Bewohnern eine Eishalle zur Verfügung zu stellen – haben doch Eishockey und Eislaufen deutlich mehr Zulauf als andere Sportarten, die mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. „Man wird nicht reich“, sagt der Betreiber. Er könne aber sein Personal von den Einnahmen und Zuschüssen bezahlen.

Neubau in Schierke: Kosten verdreifachten sich

Ende 2017 wurde in Schierke, einem Ortsteil von Wernigerode, die neue Eissport-Arena eingeweiht. Wurden die Kosten anfangs noch auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt, verdreifachten sie sich am Ende auf fast neun Millionen Euro. Einige Monate vor Fertigstellung drehte das Land Sachsen-Anhalt der Stadt den Geldhahn zu. Die Mehrkosten musste Wernigerode allein tragen.

Die Stadt schichtete im Haushalt um, entzog dafür anderen Projekten Geld. „Ziel war die Steigerung der touristischen Attraktivität des Standortes“, erklärt Projektleiter Andreas Meling.

Das Eisstadion in Schierke wurde im Dezember 2017 eröffnet. Quelle: Frank Drechsler

„Touristische Attraktionen stärken die gesamte Oberharzregion, schaffen Arbeitsplätze und tragen dazu bei, dass die wirtschaftliche schwierige Situation des Oberharzes stabilisiert wird.“

In den ersten acht Wochen seit der Eröffnung im Dezember wurden 20 000 Gäste begrüßt – ein guter Schnitt. Trotzdem sieht das Projekt finanziell keinen Gewinn vor. „Es fallen Kosten von zirka 500 000 Euro an. Dem gegenüber stehen Einnahmen in Höhe von voraussichtlich 300 000 Euro. Das Defizit von jährlich 200 000 Euro ist einkalkuliert“, so Meling. Anfangs war das Projekt nicht unumstritten. Im Stadtrat von Wernigerode gab es 2014 eine knappe Mehrheit von 21:16 Stimmen für das Bauvorhaben.

Auslastung so hoch wie möglich halten

In der Hus-de-Groot-Eisarena in Mellendorf bei Hannover spielen neben den Hannover Scorpions, die in der Oberliga Nord knapp hinter den punktgleichen Leipzigern einkamen, auch mehrere Hobby-Vereine. Betreiber ist die Sport und Freizeit GmbH. Diese erhält von der Gemeinde einen Betreiberzuschuss von 170 000 Euro pro Jahr. Im Gegenzug werden kostenfreie Eiszeiten an örtliche Vereine vergeben. Darüber hinaus benötigte Zeiten müssen Vereine dann bezahlen, erklärt der Sport-und-Freizeit-Geschäftsführer Ingo Haselbacher. „Feststeht: Einen Zuschuss muss es immer geben. In Deutschland gibt es keine Halle, die ohne Mittel der öffentlichen Hand auskommt“, sagt Haselbacher.

In Europa könne man diese an einer Hand abzählen. Sein Unternehmen versuche, die Auslastung so hoch wie nur möglich zu halten. „Das geht von der türkischen Großhochzeit bis zur Vogelzüchterausstellung.“ Haselbacher versuche alles heranzubekommen, was ein Dach braucht und die Halle für einen Tag buchen könnte.

Zurück zur hiesigen Realität: Im Tauchaer Eiszelt beginnen am Freitag (20 Uhr) die Playoffs gegen Sonthofen. Ob und wie es nach der Zelt-Ära – der Abbau ist beschlossene Sache – mit dem Eissport weitergeht, hängt vor allem vom politischen Willen ab.

Von Mathias Schönknecht, Stephanie Helm, Frank Schober

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