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Sport Regional Leipziger Trio auf Hawaii
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19:11 10.10.2018
Der Leipziger Alex Martin (l.) posiert auf Hawaii mit Weltmeister und Olympiasieger Jan Frodeno. Quelle: privat
Leipzig/Kona

Wer morgens gegen 7 Uhr zum Schwimmen in den Kulkwitzer See springt, ist auch an den herrlichsten Sommertagen garantiert einer der Ersten. In Kailua-Kona – einem elfeinhalb Monate lang verschlafenen Nest auf Big Island/Hawaii – erleben Triathleten derzeit, wie jedes Jahr im Oktober, ein anderes Phänomen. „Wenn wir 7 Uhr schwimmen gehen, kommen uns Hunderte Athleten entgegen, die schon fertig sind mit dem Frühtraining“, berichtet die Leipzigerin Leila Künzel. Die 39-Jährige hat sich gemeinsam mit ihrem Freund Alexander Martin (35) im Dezember 2017 in China für die Langstrecken-WM qualifiziert und langfristig vorbereitet. Zum dritten Mal nimmt das Paar vom RSV Speiche am Sonnabend im Triathlon-Mekka bei extremer Hitze die 3,8 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie den Marathon in Angriff.

Kühlen Kopf bewahren

„Hier heißt es: Kühlen Kopf bewahren und das Rennen gut nach Hause bringen“, sagt Alex Martin, dessen Freundin vor jedem Rennen gern die Weisheit in die Runde wirft: „Am Ende kackt die Ente.“ Hawaii sei immer eine Wundertüte, Fehler würden aufgrund der Bedingungen besonders hart bestraft.

Seit gut einer Woche haben sich beide ebenso wie Manuela Süß aus Großpösna vor Ort akklimatisiert. Ihr morgendliches Ritual: Nach dem Schwimmen mit Stopp am „Coffee Boat“ gibt es gegenüber vom Strand stets ein leckeres Kona-Omelett zum Frühstück.

Von Hawaii nach Australien

Am Mittwoch trafen die Leipziger die Triathlon-Ikone Jan Frodeno, der schon zweimal auf Hawaii triumphiert hat. „Er hat uns motiviert, viel Glück gewünscht und hatte viel Geduld für Fotos und Gespräche“, berichtet Leila. Das Paar hatte am Abend vor der Abreise viele Freunde im „Burgerheart“ in der Gottschedstraße versammelt. Dort findet am Sonnabend ab etwa 18 Uhr auch ein Public Viewing statt. Ihr drittes Hawaii-Abenteuer nutzen Leila und Alex für eine kleine Weltreise. Beide haben seit Januar nicht nur viel trainiert, sondern im Job zahlreiche Überstunden geschrubbt. Erst Silvester kommen sie wieder heim. Von Hawaii geht es nach Australien. Mit einem weiteren Triathlon in Perth? Nicht ausgeschlossen.

Deutscher Meistertitel in der AK 40 schon in der Tasche

Manuela Süß fühlt sich bei ihrer dritten WM-Teilnahme schon heimisch auf Hawaii. „Mein Mann und ich haben uns diesmal für eine Unterkunft in den Bergen entschieden. Da ist es kühler, man schläft besser und geht dem Trubel etwas aus dem Weg.“ Ihre Saison sei schon jetzt ein voller Erfolg. Egal, wie es am Samstag ausgeht: Den deutschen Meistertitel in der Altersklasse 40 kann ihr niemand nehmen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als ihr die Vulkanasche Atemprobleme bescherte, sei diesmal alles im grünen Bereich. „Die Luft ist klar. Die Einheimischen sagen: Der Vulkan war schon zehn Jahre nicht so ruhig wie seit August.“

Genussmensch Frodeno mehr als diszipliniert

Jan Frodeno kann wegen eines Ermüdungsbruches diesmal nicht in den Titelkampf eingreifen. In einer Autobiografie schildert er seinen Weg zu einem der besten Triathleten der Welt. Er leidet nicht gern und bezeichnet sich als Genussmensch, der Essen und Kochen liebt. Man sieht es Jan Frodeno nicht an. 76 bis 77 Kilogramm bei 1,94 Metern Größe, Körperfettanteil etwa fünf Prozent. Denn der Genussmensch ist mehr als diszipliniert.

In einem Focus-Interview sagte er dieser Tage: „Seit 2017 esse ich kein Fleisch mehr.“ Scherzend fügte er an: „Morgens schlafe ich aus, trinke Latte Macchiato, esse ein paar Schoko-Croissants und Muffins.“ Schließlich korrigierte sich „Frodo“: „Zum Frühstück gibt es einen Espresso. Mehr nicht.“ Einen Burger mit Pommes esse er nur, „wenn ich wieder Weltmeister werde. Alles andere ist einfach nur Gift für den Körper.“

Der ehrgeizige Bub brachte einst Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figuren das Fliegen bei. Selbstdisziplin ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Leben des 37 Jahre alten Familienvaters, gebürtig aus dem Rheinland, lange Jahre in Südafrika lebend, seit einigen Jahren mit Wohnsitzen in Spanien und Australien. Seine Biografie trägt den Titel: „Jan Frodeno. Eine Frage der Leidenschaft. Mit Mut und Motivation zum Erfolg.“ Er ist der einzige, der nach Olympia-Gold die Ironman-WM gewinnen konnte, obwohl daheim Sport einst keinen Stellenwert hatte: Wenn früher bei der Tagesschau der Sport an der Reihe war, schalteten die Eltern um. Erst zum Wetter ging’s wieder zurück. Fußball war nie seine Stärke. Detailreich und pointiert gibt das Buch einen Einblick in die Welt des Ausnahmesportlers. Frodeno blendet auch das Thema Doping nicht aus: „Es darf keine Chance für einmal überführte Betrüger geben.“

Der Sport ist für ihn auch Identitätsfinder. „Nichts würde ich lieber machen als Triathlon“, sagt er. Das sehen Leila, Manu und Alex – die drei WM-Starter aus Leipzig – nicht anders.

Von Frank Schober, Jens Marx

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