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Sport Regional Leipziger Zwillinge zieht es in die Volleyball-Welt
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21:00 04.07.2018
Die Leipziger Volleyball-Zwillinge Anton (l.) und Louis Brehme. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Bis vor zwei, drei Jahren waren sie noch gleichgroß. Warum Anton Brehme im Gegensatz zu seinem (zweieiigen) Zwilling Louis noch einmal einen solchen Wachstumsschub bekommen hat, wissen sie nicht. Fakt ist: Mit 2,04 m sowie 1,93 m besitzen die beiden 18 Jahre alten Leipziger gleich für mehrere Sportarten Gardemaße. Die Trainer im Schwimmen, Rudern, Hand- oder Basketball wären froh über solche Talente in ihren Reihen – und blicken neidisch zu den Volleyball-Kollegen.

Vater ist sportliches Vorbild

Ein Hauptgrund, warum Anton und Louis am Netz und nicht im Wasser gelandet sind, liegt mehr als 30 Jahre zurück. Ihr Vater Kay gehörte beim SC DHfK zu den Leistungsträgern im Schwimm-Nachwuchs. Quasi über Nacht musste er seine Karriere wegen West-Verwandtschaft beenden. Der heute 50-Jährige fand bei den Volleyballern des SV Reudnitz eine neue Heimstätte – und Gefallen am Mannschaftssport. Der Weg der Zwillinge war geebnet. „Wir hätten uns seine Medaillensammlung gern angeschaut – aber unser Dad hat alles weggeworfen, was an Schwimmen erinnert“, erzählt Anton.

Für Louis und seinen wenige Minuten älteren Bruder begann also alles beim SV Reudnitz. Als kleine Jungs klebten sie sich eine Klopapierrolle auf den Kopf – und fingen damit immer wieder einen Federball auf. Koordinatives Techniktraining für eine Profilaufbahn im Volleyball. Inzwischen sind die Zwillinge zwei der hoffnungsvollsten Nachwuchsspieler in Deutschland. Ab nächster Woche schlägt Anton bei der U20-EM in den Niederlanden und Belgien auf, Louis brachte es immerhin auch bis zum Ersatzmann.

Bammel vor dem Auswahl-Debüt

Anton durfte 2017 bereits A-Auswahl-Luft schnuppern. Wie wird man aufgenommen als unbekannter Jungspund bei den besten deutschen Spielern? „Ich hatte echt etwas Bammel, aber alles war entspannt. Wenn man zeigt, dass man Volleyball spielen kann, versteht man sich mit allen gut.“

Seit drei Jahren spielen beide beim VC Olympia Berlin. Sie leben in einem Internat in der Hauptstadt – anfangs im gemeinsamen Zimmer, inzwischen allein. „Wir vermissen Leipzig, aber die Bedingungen in Berlin sind einfach besser“, meint Louis. Wer etwas werden will in ihrer Sportart, muss Leipzig eben verlassen. Doch sie wissen, wo ihre Wurzeln sind: Vor wenigen Wochen holten sie mit den früheren Kumpels der L.E. Volleys Silber bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Beide hoffen, dass die Volleys dank der starken Jugend den Abstieg in die 3. Liga bald korrigieren können.

Erfahrung in der Bundesliga

Beide haben für den VCO in der Bundesliga bereits wenige Minuten Erfahrung gesammelt. Louis erinnert sich: „Beim Debüt in der ersten Liga wurde ich zum Aufschlag eingewechselt. Das ist das Schlimmste. Du stehst da und zitterst am ganzen Körper. Aber dank solcher Situationen wächst man und wird besser.“

Das VCO-Team der Jahrgänge 99/2000 am Olympiastützpunkt ist nahezu identisch mit der Junioren-Auswahl. Alle zwei Jahre spielt das Team in der Bundesliga, um sich mit Blick auf die JWM an das Spiel im Profibereich zu gewöhnen.

Training im Kraftraum

Und natürlich, um sich zu zeigen. In einem Jahr schließen beide ihr Abitur ab, danach hoffen sie auf einen Profivertrag. Und auf eine steile Karriere: „Italien, Russland, Polen, das sind die Top-Ligen, da wollen wir hin. China eher zum Karriere-Ausklang“, sagen sie schmunzelnd. Bis dahin ist noch viel zu tun. Jeden Tag steht zwei Mal Techniktraining an – und zwei Mal Kraft. „Das ist immer geil! Pumpen macht fast jedem Jungen Spaß“, lacht Anton.

Louis stimmt ihm zu – die Freude an der Arbeit im Kraftraum ist an ihren breiten Schultern und dicken Armen zu erkennen. Doch das reicht noch nicht. „Ich muss noch viel schneller werden“, nennt Anton als Hauptreserven. Louis glaubt, er braucht noch „mehr Athletik, mehr Kraft. Die Männer in der ersten Liga sind deutlich massiver.“ Kaum vorzustellen, die Brüder sind schon jetzt absolute Hünen.

Brüder unterstützen sich gegenseitig

Früher gab es zwischen den Zwillingen einigen Konkurrenzkampf. „Bei Turnieren wollte jeder als ,Bester Spieler’ geehrt werden, wir waren etwas verbissen“, erzählt Mittelblocker Anton: „Jetzt haben wir unterschiedliche Positionen und unterstützen uns. Wenn wir merken, bei dem anderen läuft es gerade nicht im Spiel, dann reden wir miteinander. Wenn wir schlechte Phasen haben, bauen wir uns auf!“

Louis weiß genau, wie er seinen Bruder zu Höchstleistungen treiben kann: „Bei Anton mache ich es so, dass ich ihm sage, was er gut kann. Ich gebe ihm die positive Energie, daran zieht er sich hoch.“ Anton ergänzt: „Er gibt mir viele mentale Tipps, ich ihm die taktischen.“

Ehrliche Einschätzung vom Vater

Große Hilfe finden sie in der Familie. Die drei Jahre ältere Schwester Thea versuchte sich mit einigem Erfolg bei MoGoNo als Diskuswerferin, sie ist stolz auf die „kleinen“ Brüder. Die Eltern versuchen, so viele Spiele der Söhne wie möglich zu besuchen. „Vom Papa kriegt man immer eine ehrliche Einschätzung, das ist sehr wichtig. Für Mama sind wir immer die Besten“, sagen die Jungs.

Feinschliff für Nachwuchs-EM

Derzeit holt sich Anton in Frankreich den Feinschliff für die U20-EM, am 14. Juli geht’s los. Vorrundengegner sind Portugal, Tschechien, Weißrussland, die Niederlande und Finnland. Ambitionierte Ziele hat er: „Zuerst in den endgültigen Kader kommen – und dann möglichst bis ins Finale!“ Mit großem Stolz wird ihr einstiger Jugendtrainer Rolf Arnold die U20-EM und den weiteren Weg der Zwillinge beobachten.

Der Coach vom SV Reudnitz weiß schon jetzt: Die Übungen mit der Klopapierrolle und dem Federball haben sich mehr als gelohnt.

Von Anton Kämpf und Frank Schober

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