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Sport Regional Prokop bekommt Rückendeckung - „Wochenlang durch den Kakao gezogen“
Sportbuzzer Sport Regional Prokop bekommt Rückendeckung - „Wochenlang durch den Kakao gezogen“
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20:37 18.02.2018
Bekommt Rückendeckung: Christian Prokop. Quelle: dpa
Leipzig

Wenn am Montag das zehnköpfige Präsidium des Deutschen Handball Bundes (DHB) in einem Flughafenhotel in Hannover zusammenkommt, dann steht nur ein Tagesordnungspunkt auf dem Programm: Das Abschneiden der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Kroatien. DHB-Sportdirektor Axel Kromer wird die Ergebnisse der mehrwöchigen Analyse vorstellen. Anschließend wird voraussichtlich über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop abgestimmt.

Auch an diesem Wochenende haben Kromer und auch Prokop noch einmal in Hamburg und Kiel Gespräche mit Spielern der Auswahl geführt. Mindestens zwei der deutschen Stammkräfte machten nach LVZ-Informationen ihren Verbleib in der Nationalmannschaft von der Zukunft Prokops abhängig. Bleibt der Coach im Amt, dann wollen sie zurücktreten.

Kretzsche spricht Klartext

Genau dieses Vorgehen bringt den Ex-Profi und heutigen TV-Kommentator Stefan Kretzschmar auf die Palme. „Da sind einige Spieler dabei, die unter Dagur Sigurdsson glücklich Nationalspieler geworden sind. Sie haben sich dann bewiesen, weil auch ein Mangel an Alternativen da war. Es sind aber keine Duvnjaks, Karabatics oder Mikkel Hansens dabei. Ich glaube, da bewertet man sich als Spieler auch ein bisschen über“, sagte der 45-Jährige bei Sky.

Nach zwei Wochen der Ruhe entflammte am vergangenen Freitag wieder das Medieninteresse am Thema Prokop und der deutschen Auswahl. Beim DHB wird das als gesteigertes Interesse am Thema Nationalmannschaft gewertet, in ereignisreichen Zeiten mit Olympia und Fußball-Bundesliga an einem Tag. Nicht alle Verantwortlichen in der Handball-Bundesliga finden diese Öffentlichkeit angebracht.

Schmäschke hinterfragt Verantwortlichkeiten

„Ich habe Respekt vor beiden Seiten, den Nationalspielern und dem Trainer. Dabei müssen alle Seiten vernünftig beleuchtet werden. Wichtig ist aber, dass die Diskussion darüber nicht in der Öffentlichkeit geführt wird, das führt häufig zu unsachlichen Emotionalitäten“, sagte Dierk Schmäschke, Manager der SG Flensburg-Handewitt, gegenüber LVZ.de. Bewertet werden müssten zudem alle Verantwortlichkeiten in den Gremien und auch die Eigenverantwortlichkeiten aller aktiv Beteiligten.

Rückendeckung aus der Bundesliga

Meldeten sich zuletzt vor allem Prokop-Kritiker wie der Melsunger Manager Axel Geerken zu Wort, gibt es auch eine Reihe von Fürsprechern für den Köthener. „Christian Prokop ist ein richtig guter Trainer. Ich stehe ohne Wenn und Aber hinter ihm und wünsche mir, dass er Bundestrainer bleibt“, sagte der Manager von Frisch Auf Göppingen und Vizepräsident der Handball-Bundesliga (HBL), Gerd Hofele. Dass Prokops Mentor beim DHB, Bob Hanning, weiter hinter dem Coach steht, ist bekannt.

Massive Rückendeckung bekommt der Bundestrainer auch von seinem alten Verein aus Leipzig. Manager Karsten Günther findet ausgesprochen deutliche Worte für die wochenlange Hängepartie um die Personalie und den Umgang mit dem Coach.

Karsten Günther: „Bundestrainer am Pranger ist unerträglich“

„Vor einem Jahr haben alle Verantwortlichen beim DHB und der HBL die Verpflichtung von Christian Prokop als entscheidendes Puzzleteil verkauft und ohne Rücksicht auf Verluste durchgeboxt“, so Günther. Mit ihm habe sich die Mannschaft souverän für die EM qualifiziert und wurde bis zum ersten Turnierspiel als stärkstes DHB-Team ever gehyped, ohne zu reflektieren, dass ziemlich genau die gleiche Mannschaft 2017 im Achtelfinale der WM gescheitert sei. „Dass man jetzt, nach dem ersten Rückschlag in dieser Konstellation, den Bundestrainer an den Pranger stellt und zulässt, dass er drei Wochen lang durch den Kakao gezogen wird, ist unerträglich“, fährt Günther fort.

Anstatt einen Schuldigen zu suchen, sollten sich mal alle wieder auf das besinnen, was bis zum Spiel gegen Montenegro noch super war und gemeinsam die Fehler analysieren und abstellen, die von allen Beteiligten gemacht wurden, erklärt der Manager weiter. „Ich hab den Eindruck, hier wird aus Angst vor Namen und medialem Echo viel Politik gemacht, anstatt konstruktiv die Kräfte für eine erfolgreiche Heim-WM zu bündeln und kann nur hoffen, dass man jetzt endlich damit anfängt“, fordert Günther.

Spekulationen um Nachfolger

Ungeachtet der Fürsprecher wurden am Wochenende bereits Namen für einen neuen Bundestrainer gehandelt. Ganz oben auf der Spekulationsliste steht der Name Alfred Gislason, der zwar beim THW Kiel noch Vertrag hat, in dieser Saison mit den Zebras bisher hinter den erfolgsverwöhnten Ansprüchen blieb. Seit Sonntag kommt ein weiteren Name hinzu: Markus Baur. Er wurde nach einer Serie von 0:20 Punkten zwar gerade beim TBV Stuttgart entlassen, war aber im vergangenen Jahr neben Prokop der heißeste Kandidat für den Posten des Bundestrainers und besitzt den Bonus eines Weltmeisters von 2007. Das Turnier wurde damals wie das nächste im kommenden Jahr in Deutschland ausgetragen.

Von Matthias Roth

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