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Schachlegenden in Leipzig: Zwei Gentlemen am Zug

Schachlegenden in Leipzig: Zwei Gentlemen am Zug

Das ist schon ein besonderer Moment, als Viktor Kortschnoi gestern gegen 14.45 Uhr auf das Podium gebracht wird. Da weht ein Hauch von Geschichte durch den Hörsaal 9 der Uni Leipzig.

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Zwei Legenden begrüßen sich: Wolfgang Uhlmann (l.) und Viktor Kortschnoi vor dem ersten Zug.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Kortschnoi! Die Schachlegende, 83, Vizeweltmeister, Dissident, jetzt im Rollstuhl und von den Jahren gezeichnet. Dann der historische Schachtisch, an dem bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig gespielt wurde. Blitzlichtgewitter ("Kortschnoi: "Machen wir hier Kino?"), leuchtende Augen bei den rund 300 Zusehern im gut gefüllten Hörsaal. Die ersten sind über eine Stunde vor Beginn gekommen.

Die sahen auch sofort, dass aus dem angekündigten Duell mit Boris Spasski nichts wird. Denn am Tisch sind die schweizer und die deutsche Fahne geflaggt, auf den Namensschildern: Viktor Kortschnoi und Wolfgang Uhlmann. "Boris Spasski hat aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen, wir haben bis zuletzt gehofft und gebangt", erklärt Veranstalter Gerhard Köhler. Der Unternehmer spielte Donnerstagabend zehn Blitzschachpartien gegen seinen Freund Kortschnoi. "Drei habe ich, sieben hat er gewonnen", erzählt Köhler stolz.

Für Spasski (hat einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt hinter sich) springt Wolfgang Uhlmann ein, auch der eine Legende. Der Dresdner ist der bekannteste und erfolgreichste Schachspieler der DDR, vielleicht der Einzige mit dem Prädikat Weltklasse, heute feiert er seinen 79. Geburtstag. Er war seit Tagen "in Bereitschaft", falls Spasski - wie nun passiert - doch nicht kommen kann. Uhlmann nennt das Duell "eine wunderbare Sache", er kennt Kortschnoi gut. "13 Mal haben wir gegeneinander gespielt, 1963 das erste Mal", erzählt der Sachse. "Ich habe einmal gewonnen, das war 1971 in Moskau, er viermal, dazu kommen acht Remis." Das Verhältnis zu Kortschnoi bezeichnet Uhlmann so: "Wir achten und schätzen uns." Das war aber nicht immer so. "Ich war einmal Sekundant von Karpow, das hat mir Viktor übel genommen. Aber das ist längst ausgeräumt und vergessen." Eines stellt Uhlmann zum Duell noch klar: "Der Ehrgeiz ist immer da, jeder will gewinnen."

Bevor das Spiel beginnen kann, haben die beiden Schachgrößen dutzende Autogramme zu schreiben. Es folgen Grußworte und eine Laudatio von Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Emanuel-Lasker-Gesellschaft. Mit einem Glas Wasser prostet Kortschnoi den Zuschauern zu, Heiterkeit, dann endlich geht's los. Viktor Kortschnoi spielt die weißen Figuren, immer ein Vorteil. Den nutzt er auch, nach reichlich zwei Stunden und 38 Zügen gibt Uhlmann auf. Experten analysieren: "Königsindische Partie mit Averbach-Variante, Kortschnoi kraftvoll und dynamisch, Uhlmann zu passiv. Bald hatte Weiß einen Raum-, später einen Materialvorteil. Da blieb nur aufgeben." Heute (11 Uhr) ist Revanche, da spielt Wolfgang Uhlmann die weißen Steine. "Bin schon extrem gespannt", sagt Wolfgang Köhler. Da ist er nicht der Einzige.

iAm Montag (15 Uhr) spielt Viktor Kortschnoi an der Uni noch simultan an zehn Brettern. Interessierte können sich unter der Mail-Adresse roeder@wifa.uni-leipzig.de bewerben, maximale Elo-Punktzahl 2000.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.03.2014

Uwe Köster

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