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Sport Regional Sportbürgermeister Heiko Rosenthal über das Jahr 2009 und schwierige Sponsorensuche
Sportbuzzer Sport Regional Sportbürgermeister Heiko Rosenthal über das Jahr 2009 und schwierige Sponsorensuche
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07:52 30.12.2009
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Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Sportjahr 2009?

Heiko Rosenthal: Aus Sicht des Sportbürgermeisters war es bei der Gesamtbetrachtung ein gutes Sportjahr. Ich bin vor allem zufrieden mit den intensiven Diskussionen über die Infrastruktur in unserer Stadt. Wir haben im Haushalt für 2010 über 10 Millionen Euro für bauliche Maßnahmen. Das sind die Mittel aus dem Konjunkturprogramm und Mittel, die von vornherein geplant waren. Leuchtpunkte sind dabei die Neubauten der Dreifelderhallen an der Radrennbahn, am Rabet und an der Sportmittelschule. Wir haben noch nie so viel Geld für Baumaßnahmen im Sport zur Verfügung gestellt wie 2010. Zusammen mit den Vorhaben des Schulverwaltungsamtes werden sich erhebliche Auswirkungen auf den Vereinssport ergeben.

Die Proteste des Leipziger Sports gegen die zunächst geplante Verteilung der Konjunkturgelder haben also ihre Wirkung nicht verfehlt?

Alle, die sich für den Sport in dieser Stadt engagieren, haben ein Paket für die Zukunft geschnürt.

Dieses Paket hätte es ohne die Proteste aber doch nicht gegeben?

Der Protest hat dazu geführt, dass Verantwortungsträger noch einmal über die Prioritätensetzung nachgedacht haben. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass wir ohnehin noch gewisse Prioritäten verändert hätten. Aber der Protest war hilfreich und sinnvoll und hat uns als Verwaltung in gewisser Weise unterstützt. Die Enttäuschung über die ursprünglich vier Millionen aus dem Konjunkturpaket war natürlich riesig. Jetzt hat sich der Betrag fast verdoppelt. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten liegen die 7,5 Millionen Euro für Leipzig durchaus im Trend.

Aber in Leipzig ist doch der Nachholbedarf bei Sporthallen auch entsprechend größer als in vielen anderen Städten?

Leider wurde der Sport in Sachsen nicht in die Kategorie 1 aufgenommen, also nicht in die Bildungsinfrastruktur. Deshalb musste er dann bei der Mittel-Verteilung gegen Brücken- und Straßenbau konkurrieren und hatte es entsprechend schwer.

Schwer hat es auch der HCL, in der Arena Termine für seine Champions-League-Spiele zu finden. Er sucht auch mit Hilfe von Fördergeldern nach einer Halle auf dem alten Messegelände - mit Ihrer Unterstützung?

Es ist ja nicht so, dass in der Arena kein Sport mehr stattfindet, wenn der HCL rausgeht. Wir haben schließlich die Leichtathletik, die ab 2011 hoffentlich ihre Deutschen Meisterschaften regelmäßig in Leipzig austrägt. Darüber sind wir mit dem deutschen Leichtathletik-Verband im intensiven Gespräch. Ich möchte auch, dass die L.E. Volleys eines Tages wieder Bundesliga in der Arena spielen. Bei Handball männlich werden wir sehen, wie es sich entwickelt. Mit der Halle 15 auf der Alten Messe, das ist das konkrete Objekt, hätten wir dann zwei adäquate Hallen, die es uns ermöglichen, den Sportbetrieb parallel durchzuführen. Die Arena wird immer unsere WM- bzw. EM-Halle, das Aushängeschild für die Sportstadt Leipzig bleiben. Der HCL, unser sportliches Aushängeschild, soll mit einer neuen Halle Bedingungen vorfinden, welche in der Arena aus nachvollziehbaren terminlichen Gründen nicht immer gegeben sind. Ich bin guter Dinge, dass es klappt, weil der Freistaat signalisiert hat, dass er das Projekt ebenfalls gut findet und sich hoffentlich beteiligt. Im ersten Quartal 2010 wird die Entscheidung fallen.

Zunächst stehen in Leipzig wieder Proteste bevor. Die Schwimmer wollen gegen drohende Schließungen von Bädern demonstrieren. Wie fühlt sich da der Sportbürgermeister getroffen?

Die Stadt hat mit den Sportbädern einen Vertrag bis Ende 2010, in dem wir einen Zuschuss von 4,3 Millionen Euro jährlich garantieren. Auf Grund der Finanzsituation wurde die Summe um 300 000 Euro erhöht. Gleichzeitig hat der Stadtrat aber gesagt, dass auch 2010 mehr Geld notwendig sein wird. Deshalb soll die Verwaltung zum 1. Januar 2010 einen neuen Bäder-Leistungs-Finanzierungsvertrag ausgehandelt vorlegen, der für die nächsten Jahre den Bestand sichert. So ist es auch ins Sportprogramm 2015 aufgenommen. Was wir jetzt vorlegen, hat also auch noch 2013 Bestand. Das macht es so schwierig, weil die Sportbäder natürlich Zahlen kalkulieren, die auf Grund des Investitionsbedarfs, der Personal-Tarif-Entwicklung, der Energie-Tarif-Entwicklung permanent wachsen. Der Haushalt der Stadt ist aber so angelegt, dass er ab 2011 auf Grund der wegbrechenden Einnahmen jährlich sinkt. Nun müssen wir bis zur Haushaltsbeschlussfassung im Februar der Politik ein Ergebnis vorzeigen, mit dem auch die Vertragspartner, Sportbäder, Stadt und eben Schwimmverbände leben können. Das ist dann der Kompromiss.

Wird dieser Kompromiss Schließungen zur Folge haben?

Ich werde alles in die Waagschale werfen, um Schließungen zu vermeiden. Ich kann angesichts der Haushaltssituation und angesichts der zu erwartenden Einschnitte aber heute nicht sagen, was im Februar herauskommt. Auch wenn ich mich als Sportbürgermeister natürlich klar für diese Bad-Infrastruktur ausspreche. Ich berufe mich da mit allem Nachdruck auch auf das vom Stadtrat bestätigte Sportprogramm.

War dieser finanzielle Mehrbedarf der Sportbäder nicht absehbar und daher planbar?

Nein. Als die Sportbäder 2004 als GmbH ausgegliedert wurden, übrigens weit vor meiner Zeit, wurde ihnen auferlegt, 17 Millionen Euro zu investieren. Die Bäder waren in einem sehr schlechten Zustand. Die Sportbäder haben es geschafft, diese Summe in diesen Jahren fast zu investieren. Das geht aber nur, wenn man Fördermittel erhält und Kredite aufnimmt. Steigerungen bei Personal und Energie waren so nie geplant. Die Ableistung entsprechender Darlehen führen weiterhin dazu, dass man über einen weiteren Zuschuss nachdenken muss. Es entsteht leider oft der Eindruck, als sei das Bäder-Angebot eine ausschließliche Angelegenheit der Stadt. Da ich auch noch Aufsichtsratsvorsitzender der Sportbäder-GmbH bin, entsteht da mitunter ein sehr ambivalentes Verhältnis. Es gab starke Geburtsfehler bei der Konstruktion, die 2004 geschaffen wurde.

Mit Judoka Annett Böhm, den Kanuten Mandy Planert und Christian Gille sowie Wasserspringerin Heike Fischer hat Leipzigs Sport langjährige Aushängeschilder verloren. Die VCL-Volleyballer gingen in die Insolvenz, die Basketballerinnen haben finanzielle Probleme. Wie groß sind Ihre Befürchtungen, dass Leipzigs Leistungssport an Bedeutung verliert?

Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Trainingsbedingungen haben und am Olympiastützpunkt eine klare Orientierung besteht, wie das Top-Team für die Olympischen Spiele 2012 vorbereitet wird. Wir unternehmen große Anstrengungen, um Sponsoren fest zu binden, möglichst über 2012 hinaus. Die bemerkenswerte Initiative "12-4-12" aus Ihrem Haus macht deutlich, mit welchem Spitzenpersonal wir uns Olympische Spiele vorstellen können. Sie zeigt, dass wir Spitzenathleten haben, die gewissermaßen auch Nachwuchs "ziehen". Das gilt für Kanuten, Ruderer oder Judoka. Auch bei Leichtathleten und Ringern bin ich optimistisch.

Wie erfolgreich sind Sie auf der Suche nach Sponsoren?

Man "klappert" bei den kommunalen Unternehmen, also beim eigenen Bestand. Da gab es mitunter ein Verzetteln auf viele kleine Töpfe. Obwohl die Budgets geringer geworden sind, haben wir im gemeinsamen Gespräch gute Lösungen gefunden. Darüber hinaus ist die Sparkasse ein ganz großer Sportsponsor. Die VNG ist mit Abstand der größte Sponsor und tut das auch sehr ambitioniert. Die Wirtschaftssituation geht auch an den anderen Unternehmen nicht vorbei, aber wir sind in guten Gesprächen.

Mit DHL, BMW und Porsche?

Das ist für die Stadt ein ganz schwieriges Thema, weil alle drei das Thema Sport in der Stadt Leipzig nicht als erstes oder zweites auf ihrer Agenda haben. Hier müssen wir also noch viel mehr deutlich machen, dass es nicht nur Anliegen des Sportbürgermeisters ist, eine Unterstützung zu erhalten, sondern dass es im gesamtstädtischen Interesse ist, dass sich die "großen Drei" am Standort für den Sport einsetzen. Es ist durchaus ein Problem, dass bei den Automarken die Zentralen nicht in Leipzig sitzen und unser Standort mitunter etwas herunterfällt, weil sie anderswo Projekte unterstützen. Wir versuchen zu helfen und zu vermitteln. Aber wenn ein Sponsor etwa im fünfstelligen Bereich wegbricht, kann der nicht ohne Weiteres wieder ersetzt werden, weil es ihn am Standort Leipzig nicht gibt.

Daher sind Sie um so glücklicher, dass Red Bull ohne Zutun der Stadt den Leipziger Fußball voranbringt?

Ich bin davon überzeugt, dass RB für den Leipziger Fußball ein guter Weg ist. Aber ich wünsche auch dem 1. FC Lok und dem FC Sachsen eine gute Entwicklung. Da RB bisher von der Stadt keine Unterstützung eingefordert hat, sind wir in der Lage, den Lok- und Sachsen-Nachwuchs zu gleichen Teilen weiter zu unterstützen.

Wie werden Sportvereine generell unterstützt?

Ab kommenden Jahr mit 330.000 Euro mehr. Das ist die höchste Förderung bisher. Insgesamt sind es 12,6 Millionen Euro. Auch der Olympiastützpunkt soll, die Zustimmung des Stadtrates vorausgesetzt, eine höhere Unterstützung erhalten. Wir haben schwierige Bedingungen für die Förderung der Spitzenmannschaften wie den HCL, den L.E. Volleys, den Blue Lions oder den BBVL. Aber wegbrechende Sponsoren kann die Stadt nicht auffangen, insbesondere im Profisport. Das ist die harte Realität.

Und jetzt melden auch noch die DHfK-Handballer mit Stefan Kretzschmar große Ziele an.

Mein Sorgenkind sind die ersten Mannschaften. Es ist zunächst natürlich eine Vision und davon lebt so ein Verein, aber wir dürfen nicht zu Kannibalen werden. Es ist zunächst eine Auszeichnung für einen Leipziger Verein, wenn sich eine solche Sportpersönlichkeit zu ihm bekennt. Aber Stefan Kretzschmar muss auch zeigen, dass er nicht nur als Gesicht da ist, sondern dass es ihm gelingt, (Groß-)Sponsoren zu gewinnen, die nicht aus Leipzig kommen.

Interview: Winfried Wächter

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