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Sport Regional "Unser Projekt wird euphorisieren" - Diskussion zum Leipziger Männer-Handball in LVZ-Kuppel
Sportbuzzer Sport Regional "Unser Projekt wird euphorisieren" - Diskussion zum Leipziger Männer-Handball in LVZ-Kuppel
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17:19 08.01.2010
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Doch Moderator Winfried Wächter, Sportchef dieser Zeitung, beendet danach die gut besuchte Veranstaltung über die Entwicklung des Männer-Handballs in der Region Leipzig. "Ich hoffe nicht, dass sich die Schwarzmalerei einiger Personen in diesem Raum durchsetzen wird. Woanders, gar nicht so weit weg von hier, guckt man schon argwöhnisch auf unser Projekt", hatte zuvor der äußerst souverän wirkende Kretzschmar auf mehrere pessimistische Anfragen einiger Besucher geantwortet.

Außenwirkung

Das neue, prominente Aufsichtsratsmitglied des SC DHfK verweist auf die große Resonanz zum Projekt Bundesliga des Viertligisten. "Es haben sich schon viele Spieler gemeldet, auch weil Leipzig eine attraktive Stadt geworden ist." Dass Magdeburg gemeint ist, wo die DHfK-Ambitionen nicht gerade erfreut registriert werden, ist dem sachkundigen Publikum sofort klar. Immerhin wurde Kretzschmar an der Elbe nach knapp zwei Jahren als Sportdirektor im August 2009 gefeuert.

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Sponsoren

LVZ-Geschäftsführer Norbert Schmid unterstützt die anspruchsvollen Ziele des SC DHfK, der die Oberliga-Tabelle zwar souverän anführt, aber für den Regionalliga-Aufstieg die Meister Thüringens und Sachsen-Anhalts nach vier Relegationsspielen hinter sich lassen muss. "Es stellt sich hier die Frage, wie wir neben der hervorragenden Handball-Landschaft in der Region gemeinsam eine Männer-Spitzenmannschaft entwickeln können, so wie es bereits mit dem HCL bei den Frauen gelungen ist. Was einer Sportstadt wie Leipzig sehr gut tun würde", sagt Schmid. Es gehe darum, die Region dahin zu bringen, wo sie hingehört. Und das nicht nur im Handball. "Ich finde den Ansatz der SC DHfK sensationell und wir als Zeitung werden ihn im Sinne aller Vereine nachhaltig unterstützen, auch durch unser Engagement." Vor allem gelte es, Politik, Stadt und die Kreise bei diesem Vorhaben nicht aus der Verantwortung zu lassen.

Kretzschmar indes verweist auf die große Werbewirksamkeit des Handballs, der diese Sportart für Sponsoren besonders interessant macht, obgleich sie mit dem Fußball bei Weitem nicht mithalten kann. "Im DSF werden pro Jahr 180 Spiele übertragen. Die Bundesliga als stärkste Liga der Welt wird in 140 Länder verkauft. Die Popularität unseres Sports ist stark angestiegen, auch weil in den vergangenen Jahren bei seiner Vermarktung vieles richtig gemacht wurde", meint der 36-Jährige. Das seien auch für Leipzig günstige Voraussetzungen.

Vorbild HC Leipzig

Mit dem aktuellen deutschen Frauenmeister HC Leipzig haben die DHfK-Verantwortlichen gleich in der Nachbarschaft ein Vorbild. Dessen Präsident Axel Ehrhardt wird wegen der Bundesliga-Ambitionen des noch niederklassigen Nachbarn nicht gleich schlaflos. Im Gegenteil: "Ich finde es toll, das Stefan bereit ist, hier etwas mit zu stemmen. Es geht doch darum, Leipzig als Sportstadt wieder nach vorn zu bringen, egal, in welcher Sportart. Mir imponiert besonders, dass er als ehemals erfolgreicher Sportler bereit ist, von unten anzufangen, um etwas mit aufzubauen", sagt der Hotelier und ergänzt: "Herzlich willkommen in Leipzig, Stefan."

Lehren aus der Vergangenheit

In der Saison 2005/06 bescherte der Überraschungsaufsteiger Concordia Delitzsch der Region hochklassigen Handball. "Wir haben damals durch unseren Umzug in die Arena die Bundesliga nach Leipzig gebracht. Die Tür war offen, aber die Chance wurde vertan. Es entstanden keine Partnerschaften", erinnert Michael Czupalla an eine Saison, in der die Mannschaft von Trainer Uwe Jungandreas sofort wieder absteigen musste. Der Handball begeisterte Landrat Nordsachsens erinnert jedoch an Siege gegen HSV Hamburg oder Großwallstadt. "Wenn wir gegen die Klubs der Abstiegszone in Delitzsch vor vollem Haus gespielt hätten, wären wir im Kampf um den Klassenerhalt nicht chancenlos gewesen." Nur einmal, gegen Magdeburg, kamen 7000 Zuschauer in die Arena, bei anderen Partien verloren sich 400 Besucher in der großen Halle.

Er verweist aber auch auf einen wichtigen Aspekt des Delitzscher Höhenflugs. "Städte und Landkreise müssen auch den sportlichen Erfolg wollen. Einem ordentlichen Konzept können sie sich nicht entziehen. Mir fehlt dafür in Leipzig im Augenblick der Druck." In den guten Jahren sei ganz Delitzsch vom Handball elektrisiert gewesen, Einwohner wie Unternehmer.

Stadt Leipzig

"Das Thema Männer-Handball ist wahnsinnig interessant für uns, schon aus der Tradition heraus. Ihn in der Bundesliga zu etablieren, wäre umso schöner für uns als Sportstadt", sagt Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal und fügt an: "Aufgrund meiner Funktion sind meine Erwartungen jedoch stets etwas gedämpft, weil ich mit den Realitäten kämpfen muss. Ich weiß, was geht und was nicht und womit viele Vereine Probleme haben." Er fühle sich eher als Begleiter positiver Ansätze, weil es nur so geht, dass die Vereine zukunftstfähige Projekte erarbeiten. Ein Problem für die Stadtverwaltung könne indes entstehen, weil es unterschiedliche Aktivitäten beim Männer-Handball gibt.

HCL-Boss Ehrhardt lobt das Rathaus. "Wir hatten lange den OBM in unserem Beirat. Dadurch wussten die Leute der Stadt, wer wir sind und was wir für außenpolitische Wirkung haben. Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Wir sind froh, dass wir die Nummer eins sind. Natürlich kann es auch mal so sein, dass die Unterstützung geteilt wird, wenn die Männer erste Bundesliga sind."

Zusammenarbeit

Die Vereine sind sich einig, dass miteinander geredet werden muss, wenn sie ihre Ziele (DHfK: Bundesliga, Delitzsch: eingleisige zweite Liga, LVB: Regionalliga) erreichen wollen. "Wenn wir drei gegeneinander schießen, wird das nicht funktionieren", sagt Kretzschmar. DHfK-Manager Mike Gottas ergänzt: "Was steht dagegen, dass die DHfK Bundesliga spielt? Darunter gibt es ein Nachwuchszentrum LVB, das Spieler ausbildet, die sich in Delitzsch für höhere Aufgaben anbieten." Er verweist auf die ehemaligen Concordia-Akteure Lars Kaufmann und Silvio Heinevetter, die nächste Woche im deutschen EM-Team stehen.

Gottas nennt das Beispiel HC Leipzig, der seit Jahren mit Zweitligist Union Halle-Neustadt kooperiert. "Wir könnten so etwas im nächsten Jahr auch starten. Voraussetzung: Wir müssen auf Augenhöhe verhandeln. Wir selbst haben zwar die höchsten Ziele, doch wir sind noch immer der Klub in der niedrigsten Klasse von uns dreien. Man wird uns an den Ergebnissen messen", meint Gottas. "Ich sehe keine Verdrängung unter den Vereinen, sondern große Potenzen für eine Zusammenarbeit. Immerhin haben wir seit einem Jahr mit LVB und Delitzsch eine Vernetzung von A- bis C-Jugend."

Prognose

Wo stehen Leipzigs Spitzenklubs in fünf Jahren? "Wir sind dann da, wo wir jetzt spielen, in der Bundesliga. Und ich hoffe, dass wir auch noch in der Champions League dabei sind", glaubt HCL-Chef Ehrhardt. "Wir mischen im oberen Drittel der Regionalliga mit. Das wollen wir mit Talenten schaffen, die aus unserem Nachwuchs kommen sowie mit Spielern, die in Leipzig studieren oder ihre Ausbildung absolvieren", verkündet LVB-Manager Jens-Dirk Schöne. Delitzsch-Insider Czupalla sagt: "Wir spielen in der eingleisigen zweiten Liga."

Und die DHfK-Handballer? "Wenn alles gut läuft, können wir in drei Jahren ganz oben sein. Aber Sport ist unberechenbar. Selbst wenn man mit großen finanziellen Mittel sich eine starke Mannschaft zusammenkauft, kann es scheitern. Wir müssen realistisch sein, doch wir wollen unsere Früchte schnell ernten. Ich glaube, dass unser Projekt die Leute euphorisieren wird."

Norbert Töpfer

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